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Der kma Entscheider-Blog

kma Entscheider BlogOhne diese KPIs geht nichts in der Kliniksteuerung

Welche Key Performance Indicators (KPIs) sind für eine erfolgreiche Kliniksteuerung zentral und ist meine Klinik in den essenziellen Kennzahlen gut aufgestellt? Ich blicke auf die wichtigsten Kennzahlen und unterfüttere sie mit Beispielen.

Manuel Heurich
BinDoc

Manuel Heurich, Gründer und Geschäftsführer der BinDoc GmbH und Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Nosokomiale Infektionen und Nettokosten
BinDoc GmbH

Abbildung 1: Nosokomiale Infektionen und Nettokosten

Personalkennzahlen und Hebelwirkung
BinDoc GmbH

Abbildung 2: Personalkennzahlen und Hebelwirkung

Marktanalytik und Potenzial
BinDoc GmbH

Abbildung 3: Marktanalytik und Potenzial

Die Beantwortung der Frage welche Key Performance Indicators (KPI) die richtigen sind, gehört zur Königsdisziplin des Krankenhausmanagements. Die neuen Möglichkeiten intelligenter Analytics Dashboards legen nahe, differenzierte Dashboards für unterschiedliche Wertschöpfungsbereiche zu definieren. Zu differenzieren sind strategische von operativen Dashboards, da sich sowohl die Adressaten als auch die Ziele, die damit verfolgt werden, stark unterscheiden.

Benchmarking hat sich im Bereich der Key Performance Indicators insbesondere im Krankenhaus als feste Größe etablieren können. Aufmerksamkeit sollte das Management deshalb darauflegen, eine valide und repräsentative Benchmarkingdatenbank im Zugriff zu haben, die sowohl qualitative als auch wirtschaftliche Benchmarkings ermöglicht.

Wichtige Kriterien für die Etablierung von KPIs sind:

  • Standardisierbarkeit und einfache Erhebung (bestenfalls aus Routinedaten)
  • Unabhängigkeit von bestimmten Zeiträumen, sodass Zeitreihen gebildet und verglichen werden können.
  • Turnusmäßige Messung im Rahmen eines standardisierten Berichtswesens. Die KPIs werden diskutiert und von allen Beteiligten akzeptiert.
  • Eignung für das Benchmarking

KPIs der Qualität

Die Qualität rückt von Patientenseite und auch im Rahmen der neuen Krankenhausplanungsoffensiven immer stärker in den Fokus. Schwerpunktbildung, Mindestmengen, Komplikationsraten und nosokomiale Infektionen sind ein wichtiges Kriterium bei der Krankenhausauswahl geworden. Sie sind nicht nur für Patienten relevant, sondern auch ökonomisch äußerst wichtig.

Komplikationsraten und nosokomiale Infektionen zählen zu den größten Kostentreibern im Krankenhaus.  Benchmarks zeigen, dass die aus Verweildauerverlängerungen resultierenden Nettokosten von nosokomialen Infektionen in Krankenhäusern zwischen 200-500 Betten im Median über 800.000 Euro pro Jahr liegen (Abbildung 1). Der Faktor der Patientenwanderung kommt hier noch on top.

Beide KPIs können durch intelligente Softwaretools mittlerweile in ein Standardberichtswesen integriert werden und je nach Leistungsspektrum der Fachabteilungen spezifiziert werden. Auch hier ist der Benchmarkingfaktor essenziell, da eine Bewertung dieser Kennzahlen und eine Zieldefinition für die eigene Klinik/Fachabteilung häufig nur unter diesem Gesichtspunkt möglich wird. Die SSI-Rate für homogene Leistungsgruppen oder auch die Rate an nosokomialen Infektionen, die wiederum nach unterschiedlichen Infektionsarten differenziert werden kann, sind passende KPIs für die Qualität. Daneben sollte ein Mindestmengendashboard in jedem Qualitätsdashboard Standard sein.

KPIs der Ressourcenbasis

Die zentrale Ressourcenbasis im Krankenhaus ist das Personal. Daraus resultiert bereits, dass Personalkennzahlen zu den wichtigsten KPIs in der Krankenhaussteuerung zählen. Der ärztliche Dienst ist innerhalb der Personalressourcen die kostenintensivste und kann die qualitative und wirtschaftliche Performance von Krankenhäusern maßgeblich beeinflussen. Sowohl für das Management als auch für die ärztlichen Abteilungsleiter ist es deshalb von großer Bedeutung, die klinische und wirtschaftliche Produktivität im Blick zu behalten.

Als KPI bietet sich hier die Kennzahl Casemixpunkte je Vollkraft im ärztlichen Dienst (CMP je VK äD) an. Durch die Berücksichtigung der Fallschwere eignet sich die Kennzahl auch für das Benchmarking. Darüber hinaus ist die Kennzahl in den meisten Einrichtungen von allen Personen anerkannt.  Wie hoch die Hebelwirkung einer Produktivitätssteigerung, die beispielsweise aus einer Prozessoptimierungen resultiert, sein kann, zeigt Abbildung 2. Eine Wertschöpfungssteigerung von fünf Casemixpunkten je ärztlicher Vollkraft, kann zu einer Erlössteigerung von bis 3,5 Millionen Euro in einem Krankenhaus mit ca. 200 ärztlichen Vollkräften führen.

Neben leistungsorientierten Personalkennzahlen sind auch kostenorientierte Personalkennzahlen zu empfehlen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass die Preise der Wertschöpfung durch das DRG-System fixiert sind. KPIs wie Kosten je VK in unterschiedlichen Dienstarten bieten sich hierbei an. Durch die Kombination der leistungs- und kostenorientierten Kennzahlen, kann eine aggregierte KPI gebildet werden, die Wertschöpfung und Ressourcenaufwand vereinen.

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