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Warum Kliniken auf den Cultural Fit achten sollten

Viele Pflegekräfte planen eine Arbeitszeitreduzierung oder gar den baldigen Jobausstieg. Auch insgesamt sind deutsche Pflegekräfte überdurchschnittlich unzufrieden. Mitarbeiterbindung und das Finden der passendsten Kandidaten werden daher mehr denn je zur zentralen Aufgabe. Wie kann das gelingen?

Martin Camphausen, Director Healthcare und Standortleiter Frankfurt der Kommunikationsagentur JP│KOM.

Durch den Abgleich von kultureller und persönlicher Passung zwischen Organisation und Arbeitnehmer, also den „Cultural Fit“. 

Wenn es um Kultur und Werte geht, hört man vielerorts ein Raunen und Stöhnen durch die Chefetagen gehen. Im Alltag gehe es darum, seinen Job zu machen und sich sein Geld im wahrsten Sinne zu verdienen, nicht darum, Spaß zu haben. Doch diese Rechnung geht nicht auf wie verschiedene Studien zeigen: Nur 15 Prozent der Berufstätigen weisen eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf, jede dritte Intensivpflegekraft will in den nächsten fünf Jahren aus dem Beruf aussteigen und sehr oder generell zufriedene Pflegekräfte sind in Deutschland äußerst rar. Gründe hierfür gibt es viele: fehlende Work-Life-Balance, unflexible Schichtverteilung, schlechte Bezahlung. Doch das ist nicht alles. Vielen geht es auch um zu geringe Anerkennung ihrer Arbeit, allgemeine Hast auf den Stationen aufgrund des Kollegenmangels und damit einhergehend immer häufiger fehlenden Teamgedanken. Die Konsequenz: Immer weniger kommen gerne zur Arbeit.

Cultural Fit vs. Professional Fit

Die meisten Krankenhäuser sind auf den „Professional Fit“ ausgerichtet. Sie konzentrieren sich also rein auf formale Qualifikationen von Mitarbeitern und Bewerbern. Engagement und Motivation kommen aber vor allem durch informelle Kriterien zustande, also wenn die persönlichen Wertemuster, Überzeugungen und Moralvorstellungen von Organisation und Mitarbeiter übereinstimmen und die persönliche Ebene in den Teams stimmt. Der „Cultural Fit“ ist daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor für gute Zusammenarbeit und die hoch motivierte Erledigung von Aufgaben – und eben nicht nur das pflichtbewusste Abarbeiten. Zur Unternehmenskultur passende Mitarbeiter fühlen sich außerdem stärker an eine Organisation gebunden.

Daher gibt es gleich zwei Gründe, sich dem Thema „Cultural Fit“ anzunehmen: Höhere Leistungsbereitschaft sowie Bindung an ein Unternehmen. Beides haben Gesundheitseinrichtungen derzeit dringend nötig. Wem das zu abstrakt klingt: Sich wohlfühlende Mitarbeiter melden sich außerdem weniger krank, was automatisch zu einer höheren Produktivität beitragen kann – und teures Ersatzpersonal spart. Auch direkt bei der Einstellung neuer Mitarbeiter auf die Passung zu achten, zahlt sich aus, denn je besser jemand zu einer Organisation passt, umso schneller geht das Onboarding, wodurch neue Kollegen schneller produktiv werden.

It’s a match!

Kritiker könnten sagen, dass das dem Nasenfaktor gleichkommt und damit nicht objektivierbar ist. Ist es aber. Mittlerweile gibt es mehrere „Kulturmatcher-Tools“, durch welche eine interne Kultur-Evaluierung stattfinden kann, die anschließend in relevante Dimensionen geclustert wird. Diese Erkenntnisse können sowohl für die Kultur- oder Personalentwicklung als auch für das Recruiting genutzt werden, indem beispielsweise ein Self Assessment-Tool auf der Karriere-Webseite eingebunden wird. Die Ergebnisse werden beiden Seiten zugänglich gemacht, was Transparenz und Vertrauen schafft. Insgesamt gilt: Je höher der Matching-Score, desto wahrscheinlicher die langfristige und produktive Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. „It’s a match“ hat also für beide Seiten Vorteile. Bei der aktuellen Lage in der Pflege also eine Sache, die man definitiv in Betracht ziehen sollte.

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