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DigitalisierungStudie zeigt zögerlichen Einsatz von KI in Krankenhäusern

Trotz erster Fortschritte bleibt der KI-Einsatz in deutschen Kliniken lückenhaft. Eine neue Studie zeigt große Unterschiede in der praktischen Anwendung – und Hürden vor allem beim Datenschutz und der Finanzierung.

Künstliche Intelligenz im OP
Phonlamaiphoto/stock.adobe.com
Symbolfoto

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) im deutschen Gesundheitswesen nimmt zu, erfolgt jedoch vielerorts noch zurückhaltend und mit großen Unterschieden im Digitalisierungsgrad. Das zeigt die Studie „KI im Gesundheitswesen“, für die die Digitalberatung nexum, die Management- und Beratungsgesellschaft HC&S und die DRF Luftrettung rund 60 Geschäftsführungen mittelgroßer und großer Krankenhäuser befragt haben.

Laut Untersuchung haben 41 Prozent der Kliniken bereits konkrete KI-bezogene Maßnahmen eingeführt. Nahezu die Hälfte befindet sich jedoch weiterhin im Testbetrieb. Nur etwa jedes zehnte Haus zählt sich selbst zu den „Heavy Usern“, die KI routiniert und in mehreren Bereichen einsetzen.

Aus Sicht vieler Führungskräfte werde der Fortschritt vor allem durch Datenschutzanforderungen, fehlende Förderung und technische Hürden gebremst, betont nexum-Vorstand Dr. Michael Klinkers. Die Branche stehe daher insgesamt erst am Anfang eines systematischen KI-Ausbaus.

Der Weg zu einer flächendeckenden Nutzung von KI und weiterer Digitalisierung im Gesundheitswesen und insbesondere den Krankenhäusern ist noch weit.

„Der Weg zu einer flächendeckenden Nutzung von KI und weiterer Digitalisierung im Gesundheitswesen und insbesondere den Krankenhäusern ist noch weit“, so Klinkers.

Notfallmedizin als Treiber 

Deutliche Vorteile zeige der Einsatz insbesondere dort, wo schnelle Entscheidungen gefragt sind. Erste Vorreiter berichten von wesentlich effizienteren Abläufen in der Notfallmedizin. KI-gestützte Systeme unterstützen hier etwa bei Prognosen, Mustererkennung und Datenverarbeitung.

Für die DRF Luftrettung unterstreicht CEO Dr. Krystian Pracz, dass KI weit über Verwaltungsautomatisierung hinausgehe: Sie könne in der Notfallrettung zusätzliche Handlungsspielräume eröffnen und damit letztlich „mehr Menschenleben retten zu können“, sagt Pracz.

Finanzierung und Datensicherheit größte Hemmnisse

Als zentrale Barrieren nennen die befragten Häuser die Rahmenbedingungen: Die Sorge vor Cyberangriffen und die Absicherung sensibler Patientendaten rangieren weit oben. Ebenso bremsen finanzielle Hürden den Fortschritt.

Laut der Studie würden 89 Prozent der Geschäftsführer KI stärker einsetzen, wenn ausreichende Mittel zur Verfügung stünden. „Die Politik redet über Künstliche Intelligenz, die Krankenhäuser kämpfen mit künstlicher Bürokratie. Wenn wir weiter in Formularen statt in Anwendungen denken, wird KI zur nächsten vertanen Chance im Gesundheitswesen“, kritisiert HC&S-Vorstandsvorsitzender Dr. Nicolas Krämer.

Heavy User versus Tester

Die Untersuchung zeigt deutliche Unterschiede in der praktischen Nutzung:

  • „Heavy User“, sogenannte Vielnutzer, integrieren KI bereits fest in klinische Abläufe; medizinische und pflegerische Teams binden Ergebnisse aktiv in Entscheidungen ein.
  • Tester haben Systeme zwar installiert, nutzen sie aber noch nicht konsequent.

Insgesamt liegt der Nutzungsgrad bei den Heavy Usern um 25 Prozent höher. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied in der Notfallmedizin: Während 40 Prozent der stark digitalisierten Häuser KI dort kontinuierlich einsetzen, sind es bei den Testern lediglich sieben Prozent. Ähnliche Differenzen zeigen sich bei digitalen Kommunikationstools. Die häufigsten Einsatzfelder von KI finden sich nach Angaben der Studie in der Notaufnahme und der Radiologie.

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Die befragten Einrichtungen sehen überwiegend Effizienzsteigerungen als wichtigsten Effekt des KI-Einsatzes. So nennen Radiologen verkürzte Befundzeiten, Pflegekräfte sehen insgesamt einen reduzierten Aufwand. Fast 60 Prozent der Nutzer sehen laut Studie Zeitgewinne von zehn bis 20 Prozent. 30 Prozent der Befragten sagen, dass Diagnosen mit KI-Unterstützung präziser geworden sei, und Ärzte sehen ein zusätzliches Sicherheitsnetz, insbesondere in Stresssituationen.

Die Politik ist gefragt

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass KI zwar in vielen Kliniken angekommen sei, jedoch noch nicht flächendeckend genutzt werde. Für eine breite Etablierung brauche es klare politische Vorgaben, etwa bei Finanzierung, Datenschutzregelungen und technischen Standards.

Zugleich seien die Kliniken gefordert, KI nicht als isoliertes Pilotprojekt zu betrachten, sondern als Bestandteil des regulären Betriebs. Die Industrie müsse Lösungen bereitstellen, die sicher, praxisnah und wirtschaftlich sinnvoll sind.

„KI ist kein Spielzeug mit Selbstzweck, sondern sie entscheidet (mit) darüber, ob das deutsche Gesundheitswesen den Sprung ins digitale Zeitalter wirklich schafft“, fasst Klinkers zusammen.

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