
Dr. Domagoj Schunk gibt ein klares Ziel vor: „Jede Information, die bereits zu Beginn vorliegt, hilft uns, die Situation eines Menschen besser einzuordnen“, sagt der Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) am Campus Kiel. Darum erlebt sein Haus auch gerade eine Deutschlandpremiere: In einer digitalen Messkabine können Patienten der Notaufnahme eigenständig wichtige Vitalparameter erfassen, noch bevor die eigentliche Ersteinschätzung (Triage) durch die Notfallfachpflege stattfindet.
Das System messe vollautomatisiert Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Temperatur und Gewicht, teilt das UKSH mit. Die Bedienung in der Kabine erfolge intuitiv per Anleitung an einem Bildschirm. Wer für die Nutzung infrage komme, entscheide das Personal bei der Anmeldung. Hintergrund des Projekts: Das ärztliche Personal soll schneller über den Zustand einer Person entscheiden können.
Wir wollen prüfen, ob die Station unseren Mitarbeitenden im Alltag spürbar den Rücken freihält.
„Genau darum geht es“, sagt Schunk: „Wir wollen prüfen, ob die Station unseren Mitarbeitenden im Alltag spürbar den Rücken freihält – damit mehr Zeit für den Menschen bleibt.“ In der Notaufnahme zähle ein schneller, strukturierter und zuverlässiger Überblick über den Zustand der Patienten.
Kiel sei bundesweit die erste Notaufnahme, die den Einsatz der E-Health-Station des Herstellers MedicubeX teste, so das UKSH weiter. Laut Hersteller werde die Station in Deutschland bislang nur an wenigen Kliniken und außerhalb der Notfallmedizin eingesetzt. Die direkte Integration in die Abläufe einer Notaufnahme sei eine bundesweite Premiere. Bewähre sich das Pilotprojekt in Kiel, solle das System auch am UKSH-Campus Lübeck eingesetzt werden.
Erhobene Werte übertrage die Messstation direkt in das Krankenhausinformationssystem, erklären die Verantwortlichen. Für die Pflegekräfte entfielen dadurch zeitaufwendige manuelle Mess- und Dokumentationsschritte. Wird ein Patient zur Ersteinschätzung aufgerufen, „liegen dem Pflegepersonal bereits alle Basisdaten vor“, so das UKSH. Die medizinische Entscheidung bleibe dabei immer Aufgabe des Notaufnahmepersonals. Die Technik ersetze keine pflegerische oder ärztliche Beurteilung.
Das Projekt werde gemeinsam für beide UKSH-Campus entwickelt, erklärt Schunks Kollege Dr. Sebastian Wolfrum, der die Interdisziplinäre Notaufnahme am Campus Lübeck leitet: „Die Notaufnahmen in Kiel und Lübeck stehen vor denselben Herausforderungen: viele Fälle, knappe Personalressourcen und die Notwendigkeit, gleich zu Beginn der Versorgung zügig und verlässlich zu entscheiden.“
Für UKSH-Chef Prof. Dr. Dr. Jens Scholz steht außer Frage, dass „digitale Lösungen einen wichtigen Beitrag leisten können, um die universitätsmedizinische Versorgung zukunftsfähig weiterzuentwickeln“. Entscheidend sei, „dass Technik dort eingesetzt wird, wo sie Patienten sowie unseren Mitarbeitenden konkret nutzt“.








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