
Ein Roboterhund namens Helia spaziert über die Flure der Hautklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Nach dem ersten Auftritt auf der Station wird Helia, der „Helfende Roboter im Klinikalltag“ nun öfters in Begleitung des Forschungsteams zu sehen sein. Am Projekt beteiligt sind das Uniklinikum Würzburg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Forschungszentrum Informatik (FZI) und das Forschungszentrum Jülich (FZJ).
Ziel des Projekts ist es, zu erforschen, wie der Roboter im Klinikalltag eingesetzt werden kann und darf. Letztlich sollen die Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegekräfte entlastet werden, indem sie Aufgaben an den Roboter abgeben. Für den richtigen Einsatz muss Helia jedoch noch trainiert werden. Beim ersten Show-Lauf wurde der Roboter noch durch eine Fernsteuerung bewegt.
Zukünftige Aufgaben sind beispielsweise:
- Visiten protokollieren
- Befunde dokumentieren
- Übertragung der Befunde in das Krankenhausinformationssystem (KIS)
- Wunden fotografieren
- Vitalwerte messen
- Patientenbegleitung zu Terminen
- Erklärung der Technik im Patientenzimmer
- Lagerware auffüllen
- Essen abräumen
Um diese Aufgaben ausführen zu können, arbeitet Arne Rönnau mit seinem Team am KIT am System „Erklärt-Programmiert-Gemacht!“. Dieses verbindet die drei Bereiche Sprachverarbeitung, Robotik und Personenerkennung miteinander. Dadurch muss der Roboter nicht mehr per Software programmiert werden, sondern erlernt seine Aufgaben durch gesprochene Erklärungen.
Es ist dann so, als hätte der Roboter eine Tätigkeit erklärt bekommen und sie anschließend selbst erlernt.
Die Mitarbeitenden der Klinik beschreiben, was der Roboter tun soll. Durch Künstliche Intelligenz werden diese Anweisungen direkt in funktionsfähige Programme umgewandelt. „Es ist dann so, als hätte der Roboter eine Tätigkeit erklärt bekommen und sie anschließend selbst erlernt“, erklärt Rönnau. Die Personenerkennung sorgt dafür, dass Helia nur die Anweisungen autorisierter Fachkräfte aus Pflege und Medizin befolgt.
Manchen Aufgaben ist der vierbeinige Roboter noch nicht gewachsen. Um Türen zu öffnen, benötigt Helia beispielsweise einen zusätzlichen Greifarm. Dieser soll im nächsten Schritt erprobt werden.
Keine Berührungsängste
Das Interesse an Roboterhund Helia war laut UKW groß: Pflegekräfte, Reinigungspersonal, Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten machten Fotos oder wollten den Roboterhund einmal berühren. Die breite Akzeptanz des Roboters ist in seiner Gestalt begründet: Während menschenähnliche Roboter bei vielen Personen Unbehagen auslösen, bleibt der hundeähnliche Laufroboter klar als technische Unterstützung vom Menschen abgegrenzt.

Neben der Akzeptanz spielen auch ethische, rechtliche und soziale Fragen eine entscheidende Rolle für den Robotereinsatz im Krankenhaus. „Zentral ist, dass das Helia-System nach Möglichkeit zum Wohl der Patientinnen und Patienten eingesetzt wird und diese nicht gefährdet“, erklärt Prof. Jan-Hendrik Heinrichs. Er und sein Team vom Forschungszentrum Jülich setzen sich mit diesen Herausforderungen auseinander. Helia solle Medizinberufe entlasten und trotzdem ein sicheres Arbeitsumfeld ermöglichen. „Dadurch können Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den größten medizinischen beziehungsweise pflegerischen Nutzen schaffen, ohne dass neue Ungleichheiten in der Verwendung von Gesundheitsressourcen entstehen“, so Heinrichs.
„Voraussetzung ist natürlich, dass sowohl das Personal als auch die Patientinnen und Patienten damit einverstanden sind, dass Helia sie bei der Aufnahmeuntersuchung und während ihres stationären Aufenthalts begleitet“, ergänzt Prof. Astrid Schmieder, Dermatologin und leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
Bewährte Zusammenarbeit
Schmieder hatte bereits in einem vorausgehenden Projekt namens HybridVITA mit dem FZI zusammengearbeitet. Dieses Projekt erforschte die medizinische Betreuung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Hauterkrankungen mittels einer appbasierten Lösung mit kontaktloser Diagnostik.
Christoph Zimmermann vom FZI lobt die bisherige Zusammenarbeit mit dem UKW: „Wir waren effektiv, haben sehr viel erreicht, konnten uns immer aufeinander verlassen und wir hatten auch noch Spaß am Projekt.“ Aus diesem Grund wolle man die Implementierung eines Roboterhundes im Krankenhaus auch gern in Würzburg mit Schmieder erforschen.
Dreijährige Testphase
Das gemeinsame Projekt läuft seit Oktober 2025 und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Für die Laufzeit von drei Jahren stehen dem Projektteam 1,78 Millionen Euro aus der Fördermaßnahme „Natürlichsprachliche Integration von Robotik in Gesundheitseinrichtungen“ des Ministeriums zur Verfügung.








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