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Kein Verbund mit OSKDer MCB geht an Ameos

Im Bieterwettbewerb um den insolventen Medizin Campus Bodensee ist die Entscheidung knapp für Ameos gefallen. Ein Verbund mit der Oberschwabenklinik erhielt eine Absage. Der Bodenseekreis sichert millionenschwere Unterstützung zu.

Klinikum Friedrichshafen
Felix Kaestle/Medizin Campus Bodensee
Gehört bald zu Ameos: das Klinikum Friedrichshafen.

Das kommunale Bündnis fand keine Mehrheit: Der Bodenseekreis gibt den insolventen Medizin Campus Bodensee (MCB) in die Hände der privaten Ameos-Gruppe. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz soll künftig den MCB-Standort in Friedrichshafen betreiben. In der Kreistagssitzung am 13. Mai fiel die Entscheidung knapp gegen den zweiten Interessenten für den MCB, die Oberschwabenklinik, die ihren Sitz im Nachbarlandkreis Ravensburg hat. 30 Kreistagsmitglieder stimmten für Ameos, 27 für die OSK.

„Nun geht es darum, den weiteren Weg gemeinsam zu gehen und die vereinbarten Konzepte zügig umzusetzen“, sagte Landrat Luca Wilhelm Prayon nach der Entscheidung. Er selbst war einer der Befürworter der kommunalen Lösung mit der Oberschwabenklinik.

Bevor der Wechsel des Klinikträgers vollzogen werden könne, seien noch weitere formelle Schritte notwendig, erklärt der Landkreis in einer Mitteilung. Voraussichtlich Anfang Juni werde der Gläubigerausschuss des MCB im Rahmen des noch laufenden Insolvenzverfahrens endgültig darüber entscheiden. Der operative Übergang auf Ameos sei nach aktuellem Stand frühestens im Juli möglich.

Millionenschwere Unterstützung

Zwar gibt der Bodenseekreis nun die Verantwortung für das Klinikum in Friedrichshafen an Ameos ab, finanziell bleibt er aber trotzdem langfristig weiter gefordert. So sind etwa einmalige Unterstützungsleistungen vorgesehen, wie zum Beispiel eine Erwerbsunterstützung von rund 13 Millionen Euro sowie eine Unterstützung im Zusammenhang mit der Beendigung des stationären Krankenhausbetriebs in Tettnang von rund für Millionen Euro, teilt der Kreis mit.

Darüber hinaus wird er den laufenden Klinikbetrieb bis zum Jahr 2033 mit insgesamt rund 46 Millionen Euro fördern. Hinzu kommen, so heißt es in der Mitteilung weiter, mögliche Aufwendungen für Brandschutz und Hygiene von insgesamt bis zu acht Millionen Euro bis Ende 2033.

Den in Friedrichshafen geplanten Klinikneubau mit rund 340 Betten hingegen will Ameos selbst finanzieren. Die Gesamtinvestition dafür wird dem Landkreis zufolge mit rund 230 Millionen Euro beziffert. Sollte bis Ende des Jahres 2031 allerdings kein Förderbescheid des Landes Baden-Württemberg vorliegen, hat sich Ameos eine Option offen gehalten: In dem Falle müsste der Bodenseekreis zusätzlich die fehlende Förderung übernehmen. Weitere Gelder in Höhe von insgesamt 44 Millionen Euro steuert der Mitteilung zufolge die Stadt Friedrichshafen bei, die bis Ende vergangenen Jahres Träger des Klinikums war.

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Laut dem Konzept der Ameos-Gruppe soll Friedrichshafen der zentrale Standort für die stationäre Versorgung im Bodenseekreis sein. Dort solle ein breites, medizinisches Angebot erhalten und weiterentwickelt werden, heißt es in der Mitteilung. Zudem umfasse das Konzept unter anderem eine Akut- und Notfallmedizin, eine interdisziplinäre Intensivmedizin, Radiologie sowie eine Stroke Unit zur Schlaganfallversorgung. Für den MCB-Standort Tettnang sieht das Konzept demnach keine Fortführung des stationären Krankenhausbetriebs vor.

Der MCB hatte, wie berichtet, im November 2025 ein Insolvenzverfahren gestartet. Dem war im Juli 2025 die Entscheidung der Stadt Friedrichshafen vorausgegangen, den MCB künftig nicht mehr allein betreiben zu können und die Verantwortung an den Landkreis zu übertragen.

OSK bleibt mit MVZ aktiv

Man respektiere die Entscheidung des Kreistages, ließ die Oberschwabenklinik noch am Abend nach dem Votum erklären. Obwohl ein Klinikverbund Friedrichshafen-Ravensburg-Wangen eine Absage erhalten habe, bleibe die OSK „ein leistungsfähiges Unternehmen“, sagte Harald Sievers, gleichzeitig Aufsichtsratschef der OSK und Landrat des Landkreises Ravensburg. Die OSK werde zudem weiter an der Versorgung im Bodenseekreis mitwirken, auch über die zum Jahresbeginn vom MCB übernommenen MVZ in Friedrichshafen und Tettnang, so OSK-Geschäftsführer Franz Huber. Schon jetzt würden viele Patienten aus dem Bodenseekreis im Westallgäu-Klinikum in Wangen und im St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg behandelt.

Ameos will Angebot ausbauen

Der künftige Konkurrent Ameos hatte in einer Erklärung noch kurz vor der Kreistagssitzung betont, am Klinikum Friedrichshafen sämtliche medizinische Fachgebiete erhalten und ausbauen zu wollen. Die Gruppe werde das Klinikum als leistungsfähiges Level-II-Krankenhaus erhalten, „es im Rahmen der Krankenhausreform gezielt stärken und zukunftsorientiert weiterentwickeln“, hieß es. Darüber hinaus werde die Gruppe in Tettnang „umfassende ambulante medizinische Angebote etablieren“.

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