
2024 durchlief das Heilig-Geist Hospital Bingen bereits ein Insolvenzverfahren, nun rollt das zweite an: Am 6. Mai habe das Krankenhaus einen Antrag für ein vorläufiges Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Bingen gestellt, wie das Haus berichtet. Das Gericht habe dem Antrag stattgegeben und Rechtsanwalt Jens Lieser zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Ziel des Verfahrens sei es, eine tragfähige Lösung für die Fortführung des Hauses zu finden. „In den kommenden Monaten werden wir einen strukturierten und zukunftsgerichteten Investorenprozess aufgleisen, um eine Perspektive für das Haus zu schaffen“, sagt Lieser.
Klinikbetrieb läuft weiter
Wie viele Einrichtungen der Grund- und Regelversorgung stehe das 132-Betten-Haus vor massiven strukturellen Herausforderungen. „Rückläufige Fallzahlen seit der Pandemie, Leistungsverschiebung ohne adäquate Vorhaltefinanzierung und gleichzeitige Kostensteigerungen machen es für Häuser unserer Größe schwierig“, sagt Geschäftsführer Michael Gutendorf. „Über das vorläufige Insolvenzverfahren wollen wir eine Struktur finden, die zu den Reformplänen des Bundes passt und damit zukünftig Bestand hat.“
Für Patienten und Mitarbeitende ändere sich im laufenden Betrieb nichts. Der Klinikbetrieb laufe nach Angaben der Verantwortlichen uneingeschränkt weiter. Die Gehälter der Beschäftigten seien während des Verfahrens über das Insolvenzgeld abgesichert.
Unser Fokus liegt auf der Erarbeitung einer Investorenlösung, die eine komplette Übernahme und eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung des Hauses ermöglicht.
„Unser Fokus liegt auf der Erarbeitung einer Investorenlösung, die eine komplette Übernahme und eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung des Hauses ermöglicht“, so Prof. Jörg Risse von der Klinikberatung Vicondo Healthcare, der den Investorenprozess begleitet. Zur Sicherung des Hauses gehöre es auch dazu, das Leistungsspektrum an künftige gesundheitspolitische Vorgaben anzupassen.
Rekommunalisierung mit Kosten verbunden
Das Heilig-Geist-Hospital war zuvor Teil der Marienhaus-Gruppe. Seit Abschluss eines Restrukturierungsverfahrens Ende 2024 sind die Stadt Bingen und der Landkreis Mainz-Bingen zu jeweils 50 Prozent Gesellschafter. Die Herauslösung aus der Konzernstruktur machte den Aufbau eigener Verwaltungs- und IT-Strukturen notwendig, was, wie das Haus berichtet, für kleine ländliche Grundversorger mit hohen, nicht refinanzierbaren Kosten verbunden sei.
„Die erneute Insolvenzanmeldung für das Heilig-Geist-Hospital Bingen ist ein schwieriger Gang“, sagt Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). „Stadt und Landkreis haben in den vergangenen zwei Jahren mit erheblichem finanziellen Engagement Verantwortung übernommen, um den Standort zu stabilisieren. Dass diese Mittel bereits aufgebraucht sind, zeigt den Ernst der strukturellen Herausforderungen.“
Hoch kündigt für die kommenden Wochen einen Runden Tisch im Ministerium an. Dort werde man gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter, dem Träger, der kommunalen Familie und weiteren Partnern die nächsten Schritte beraten. „Wie bereits im vergangenen Insolvenzverfahren vorgeschlagen, kann ich mir nach wie vor einen Standort mit wohnortnaher Grundversorgung mit ambulanten ärztlichen Leistungen und mit einer Notfallanlaufstelle für Alltagsnotfälle vorstellen“, so Hoch.









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