
Das Jüdische Krankenhaus Berlin (JKB) hat einen neuen Träger: Die türkische Medicana Health Group übernimmt das Haus im Berliner Wedding im Rahmen des laufenden Eigenverwaltungsverfahrens. Der Gläubigerausschuss stimmte dem Angebot einstimmig zu. Am Donnerstag, 9. Juli, wurde laut Mitteilung der Übernahmevertrag notariell beurkundet. Damit findet das Insolvenzverfahren seinen Abschluss und steht nur noch unter der Bedingung der Zuordnung des Versorgungsauftrages durch die Senatsverwaltung für Gesundheit.
Insolvenz seit Dezember 2025
Das JKB hatte im Dezember 2025 Insolvenz angemeldet. Hintergrund waren wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie sie derzeit viele Krankenhäuser in Deutschland treffen: steigende Kosten, stagnierende Erlöse, strukturelle Unterfinanzierung.
Dass das Haus den Betrieb während des gesamten Verfahrens uneingeschränkt aufrechterhalten konnte, wertet Sachwalter Friedemann Schade von der Kanzlei BRL als Erfolg: „Das Verfahren ist geordnet verlaufen und führt zu einem Ergebnis, das die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.“
Wer ist Medicana?
Die Medicana Health Group ist ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Istanbul, gegründet und geleitet von Hüseyin Bozkurt. Mit rund 35 Jahren Erfahrung im Gesundheitswesen, 19 Krankenhäusern in der Türkei und weiteren europäischen Ländern sowie knapp 15.000 Mitarbeitenden zählt Medicana zu den größten privaten Krankenhausbetreibern der Türkei. Jährlich werden nach eigenen Angaben rund fünf Millionen Patienten versorgt.
International ist das Unternehmen bereits aktiv: Mit dem Medicana Winchester im Vereinigten Königreich und dem Medicana Sarajevo Hospital in Bosnien und Herzegowina betreibt die Gruppe Häuser außerhalb der Türkei. Zehn internationale Gesundheitsbüros – unter anderem in Tirana, Belgrad, Bukarest und Almaty – koordinieren die Patientenströme aus der Region in die türkischen Einrichtungen.
Das Berliner Engagement ist dennoch ein Novum: Es ist das erste Mal, dass ein türkisches Krankenhausunternehmen ein Haus in Deutschland übernimmt und hier unmittelbar Krankenhausversorgung anbieten will.
Arbeitsplätze und Versorgung sollen erhalten bleiben
Laut Übernahmevertrag sollen sämtliche bestehenden Arbeitsplätze gesichert werden. Das JKB beschäftigt rund 820 Mitarbeitende und verfügt über 384 Betten in Fachrichtungen wie Kardiologie, Neurologie, Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Psychiatrie und Psychotherapie. Medicana sichert zu, den Betrieb ohne Einschränkungen fortzuführen und die medizinische Infrastruktur weiterzuentwickeln.
Entscheidend waren für uns die medizinische Versorgungskompetenz und die wirtschaftliche Stabilität, aber auch die Bereitschaft, die besondere Geschichte und Identität unseres Hauses zu respektieren und fortzuführen.
JKB-Vorstandsvorsitzende Brit Ismer betont, dass neben wirtschaftlicher Stabilität und medizinischer Kompetenz weitere Kriterien für die Übernahme ausschlaggebend waren: „Entscheidend waren für uns die medizinische Versorgungskompetenz und die wirtschaftliche Stabilität, aber auch die Bereitschaft, die besondere Geschichte und Identität unseres Hauses dauerhaft zu respektieren und fortzuführen.“
Eine Institution mit besonderer Geschichte
Das Jüdische Krankenhaus Berlin wurde 1756 gegründet und ist damit das älteste noch im Betrieb befindliche jüdische Krankenhaus Deutschlands. Es überstand Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg – in seinen Mauern fanden während der Verfolgung Jüdinnen und Juden zeitweise Schutz. Das Haus trägt somit ein historisches Erbe mit sich.
Medicana erkennt diese Verantwortung zumindest verbal an: Man sei sich „der historischen Verantwortung der Einrichtung sowie ihrer kulturellen und religiösen Traditionen bewusst", heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. „Der notwendige Respekt und die gebührende Sorgfalt gegenüber dem historischen Erbe des Krankenhauses und den Rechten der jüdischen Gemeinde werden stets bedingungslos gewahrt“, heißt es weiter.
Gesundheitsnetzwerk in der EU
Der Einstieg in den deutschen Markt sei für Medicana ein „wichtiger Schritt“ einer europäischen Wachstumsstrategie. Weitere Krankenhauseröffnungen in Europa, beginnend mit Rumänien, sind geplant. Berlin soll dabei als Referenzstandort dienen – als Brücke in den deutschen und europäischen Gesundheitsmarkt.








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