
Medizinische Versorgung unter Extrembedingungen – aufgrund von Naturkatastrophen, Ereignisse wie eine Pandemie mit einer Vielzahl an Verletzten oder Erkrankten bis hin zu bewaffneten Konflikten – rückt immer stärker in den Fokus. Das neu gegründete Mitteldeutsche Zentrum für Krisenresilienz und Katastrophenmedizin (MZKR), das Ende April in Halle eröffnet wurde, will genau hier ansetzen.
Initiatoren des MZKR sind das BG Klinikum Bergmannstrost Halle und die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Ziel ist es, das deutsche Gesundheitswesen für regionale und überregionale Krisenlagen besser vorzubereiten.
Ausbildung, Forschung und Vernetzung im Fokus
Kern des Vorhabens ist der Aufbau eines interprofessionellen Ausbildungsinstituts für Notfall‑, Katastrophen‑ und taktische Medizin. Vorgesehen sind ein modernes Skillslab sowie ein Simulationszentrum, in dem medizinisches Personal realitätsnah für Ausnahmesituationen trainieren kann. Ergänzt wird dies durch den Anspruch, das MZKR zu einer überregionalen Kompetenzstelle für Forschung und Vernetzung auszubauen.

Dazu sollen bestehende Strukturen gebündelt und gezielt weiterentwickelt werden. Eingebunden sind unter anderem Rettungsdienste, Feuerwehren, die Landesärztekammer, Bundeswehr, Polizei sowie zuständige Landes- und Bundesbehörden. Das Bergmannstrost knüpft dabei auch an die seit 2019 bestehende Kooperation der BG Kliniken mit den Bundeswehrkrankenhäusern an.
Die zunehmende Zahl und Komplexität von Krisenszenarien erfordern neue Antworten.
Prof. Philipp Kobbe, Ärztlicher Direktor des BG Klinikums Bergmannstrost Halle und Initiator des Zentrums, sieht im MZKR einen wichtigen Schritt über die klassische Notfallversorgung hinaus: „Für uns als spezialisiertes Traumazentrum ist es ein zentraler Auftrag, unsere besondere Expertise in der Versorgung Schwerverletzter und in der Bewältigung komplexer Schadenslagen aktiv in ein leistungsfähiges Netzwerk einzubringen“, so Kobbe. Die zunehmende Zahl und Komplexität von Krisen erfordere neue Antworten – insbesondere in Ausbildung, Vernetzung und beim Einsatz digitaler Technologien.
Vorbereitung auf das Unvorhersehbare
„Mit dem MZKR wollen wir in Lehre und Forschung Inhalte vermitteln, die kein Hörsaal allein leisten kann: die Vorbereitung auf das Unvorhersehbare“, sagt Prof. Heike Kielstein, Dekanin der Medizinischen Fakultät der MLU.
Geplant seien neue curriculare Angebote und Forschungsstrukturen, um Studierende und den wissenschaftlichen Nachwuchs gezielt auf Krisen- und Katastrophenlagen vorzubereiten. „Eine resiliente Gesellschaft braucht nicht nur gut ausgestatte Systeme – sie braucht exzellent ausgebildete Menschen, die in der Krise handlungsfähig bleiben“, so Kielstein.
Breite Unterstützung aus Politik und Fachgesellschaften
Ein Gründungssymposium unterstrich die überregionale Bedeutung des Zentrums. Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Landespolitik, Medizin, Wissenschaft sowie Rettungs- und Katastrophenschutz nahmen an der Veranstaltung teil. Zu den Gästen zählten unter anderem Prof. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft und Umwelt des Landes Sachsen‑Anhalt und Schirmherr der Veranstaltung, Dr. Tamara Zieschang, Ministerin für Inneres und Sport, sowie führende Repräsentanten medizinischer Fachgesellschaften.










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