
Die Kliniken der Stadt Köln treiben die Planung ihres neuen Gesundheitscampus Merheim weiter voran. Mit der Vorstellung erster Visualisierungen und detaillierter Bau- und Strukturpläne erhält das Großprojekt nun klare Konturen.
Der Campus bündelt künftig die bislang auf drei Standorte verteilten medizinischen Angebote der städtischen Kliniken. Ziel ist eine vollständige Zentralisierung von Maximalversorgung, Pädiatrie und Notfallmedizin – ein Schritt, der laut den Geschäftsführern Daniel Dellmann und Prof. Axel Goßmann Qualität, Wirtschaftlichkeit und Personalgewinnung langfristig verbessern soll.
Die Zahl der Planbetten wird im Zuge der Neustrukturierung um 313 reduziert. Die Kliniken Köln betonen, dass dies eine Anpassung an ambulante und tagesklinische Versorgungsanteile sowie Hybrid-DRG-Strukturen sei – und keine Verschlechterung der Versorgung nach sich ziehe.
Sanierung des Bestands und Neubau
Ein zentraler Baustein des Projekts ist die Modernisierung des bestehenden Bettenhauses in Merheim.
Wesentliche Maßnahmen sind die Umrüstung auf moderne Zwei-Bett-Zimmer mit eigener Nasszelle, neue geriatrische und demenzsensible Bereiche und die Neuorganisation zentraler Funktionsdiagnostik und Ambulanzen. Außerdem soll ein zentrales Patientenmanagements (ZPM) zur Reduktion stationärer Voraufnahmen eingerichtet und internistische Intensivstationen zur besseren Ressourcensteuerung zusammengeführt werden.

Der neue nördliche Gebäudekomplex bildet das Herzstück des Gesundheitscampus. Auf dem Plan stehen zwei Neubauten, einer für das Kinderkrankenhaus und einer für die Erwachsenenmedizin.
Im Kinderkrankenhaus werden ein integriertes Kindernotfallzentrum (KINZ), Spezialambulanzen, eine Kinderradiologie, ein umfangreiches Perinatal-Zentrum Level 1 und das sozialpädagogische Zentrum angesiedelt werden. Der Erweiterungsbau enthält das Integrierte Notfallzentrum (INZ), zusätzliche OP-Kapazitäten, die Gynäkologie und die Geburtshilfe. Durch modulare Bauweise ist eine flexible Anpassung an zukünftige Entwicklungen möglich. Großzügige Innenhöfe sorgen für Tageslicht und Orientierung.
Integriertes Notfallzentrum
Das INZ bündelt künftig alle Notfallstrukturen an einem Ort – inklusive High-, Intermediate- und Low-Care-Bereichen sowie direkter Anbindung an CT, MRT und Röntgen.
Geplante Schwerpunkte:
- überregionales Traumazentrum
- Schwerbrandverletztenzentrum
- Stroke Unit
- Chest Pain Unit
- Neuro-Zentrum
Krisenfähigkeit, Nachhaltigkeit und Logistik
Der Campus wird explizit krisenresilient geplant – u. a. mit Isolationsräumen, Infektionsstation, Dekontaminationsbereichen, Räume für chemische und radiologische Sonderlagen und telemedizinischen Strukturen. Ein besonderes Element dabei die zweigeschossige Tiefgarage unter dem Neubau. Sie soll bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV) kurzfristig in ein unterirdisches Krisenzentrum umgerüstet werden können – ein in Deutschland bislang einzigartiger Ansatz. Nach Angaben der Kliniken Köln stößt das Vorhaben auf große Zustimmung bei Entscheider*innen auf Landes- und Bundesebene, allerdings stünden derzeit keine finanziellen Mittel zur vollumfänglichen Umsetzung zur Verfügung.
Die Planung berücksichtigt außerdem Klimaanpassung und Nachhaltigkeit (u.a. begrünte Dächer und Fassaden, sommerlicher Wärmeschutz, klimaangepasste Grünflächen). Ein neuer Service-Hub für die Logistik soll den Campus entlasten, eine zusätzliche ÖPNV-Haltestelle seine Erreichbarkeit verbessern.
Zeitplan
- Sommer 2026: Baufeldfreimachung für die Neubauten
- 2027: Spatenstich und Beginn Baugrube
- 2027: Fertigstellung A-Strang (Bestand)
- 2031: Fertigstellung der Hauptneubauten
- 2032/33: Neubau des Service- und Logistikzentrums








Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen