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Vinzenz von Paul KlinikenMarienhospital Stuttgart geht in die Insolvenz

Zentralversorger in Schieflage: Die Vinzenz von Paul Kliniken mit dem Marienhospital Stuttgart und rund 3000 Beschäftigten haben Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die BWKG spricht von einem „letzten Warnsignal“ an die Regierung.

Insolvenz
K. Oborny/Thieme
Symbolfoto

Im April kam es zu einem überraschenden Wechsel der Chefetage der katholischen Vinzenz von Paul Kliniken in Stuttgart, jetzt geht die gemeinnützige Gesellschaft – mitsamt dem Marienhospital Stuttgart, einem Zentralversorger mit rund 800 Betten – in die Insolvenz. 

Am 17. Juni habe das Unternehmen laut einer Mitteilung beim Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Gericht gab dem Antrag statt und ordnete die vorläufige Eigenverwaltung unter der bisherigen Geschäftsführung an. Die Patientenversorgung an allen Standorten läuft uneingeschränkt weiter.

Bewusste Entscheidung für geordnete Restrukturierung

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine strategische Entscheidung des Managements, die anstehende Neuaufstellung des Unternehmens innerhalb des geschützten Rahmens eines Eigenverwaltungsverfahrens umzusetzen. 

Der seit Mitte April amtierende Interim-Geschäftsführer Dr. Jan Schlenker, der die Geschäfte gemeinsam mit Michael Kilb von Borchers & Kollegen Interim Management führt, verweist auf die Vorteile dieses Verfahrens: „Wir haben uns entschieden, unsere Restrukturierung in Form einer Eigenverwaltung anzugehen. Unter diesen rechtlichen Bedingungen sehen wir deutlich bessere Voraussetzungen, um notwendige Restrukturierungen konsequent und zugleich geordnet voranzubringen.“

Unter diesen rechtlichen Bedingungen sehen wir deutlich bessere Voraussetzungen, um notwendige Restrukturierungen konsequent und zugleich geordnet voranzubringen.

Schlenker betont zugleich, dass das Verfahren keinerlei Auswirkungen auf den laufenden Klinikbetrieb habe. Der Versorgungsauftrag werde an allen Standorten unverändert und in gewohnter Qualität erfüllt. Auch gegenüber Lieferanten und Dienstleistern wolle das Unternehmen ein zuverlässiger Geschäftspartner bleiben.

Erste Krankenhausinsolvenz dieser Größe in Baden-Württemberg

„Diese Insolvenz ist ein klares Zeichen dafür, dass die Politik des Bundes selbst bedarfsnotwendige große Krankenhäuser massiv bedroht und die Trägervielfalt gefährdet“, macht der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) Heiner Scheffold zum Insolvenzantrag des Marienhospitals in Stuttgart deutlich. 

Diese Insolvenz ist ein klares Zeichen dafür, dass die Politik des Bundes selbst bedarfsnotwendige große Krankenhäuser massiv bedroht und die Trägervielfalt gefährdet.

Das Marienhospital sei ein zentraler Baustein der medizinischen Versorgung – für Stuttgart, die Region und weit darüber hinaus. „Noch nie zuvor musste ein Krankenhaus dieser Größenordnung in Baden-Württemberg, Insolvenz anmelden“, teilt die BWKG mit.

Scheffold mahnt die Bundesregierung im Hinblick auf das geplante GKV-Gesetz und seine Auswirkungen auf die Krankenhäuser: „Diese Insolvenz ist ein letztes Warnsignal an den Bundestag, die Regelungen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes so nicht zu verabschieden.“ Nach Berechnungen der BWKG würde mit durch das Gesetz das bisherige Defizit der baden-württembergischen Kliniken auf bis zu 1,7 Milliarden Euro fast verdoppelt werden.

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Vier Einrichtungen und rund 3000 Mitarbeiter betroffen

Das Verfahren umfasst sämtliche Einrichtungen der Vinzenz von Paul Kliniken Gesellschaft: das Marienhospital Stuttgart, die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen. Rund 3000 Beschäftigte sind betroffen. Sie seien in einer Mitarbeiterinformationsveranstaltung über die aktuelle Lage und die nächsten Schritte unterrichtet worden, heißt es. Ihre Gehälter seien für die kommenden drei Monate über das von der Bundesagentur für Arbeit gezahlte Insolvenzgeld gesichert, danach übernimmt wieder das Unternehmen selbst die Auszahlung.

Das Medizinische Versorgungszentrum Marienhospital Stuttgart als Tochtergesellschaft sei jedoch nicht insolvent. Ebenfalls nicht vom Eigenverwaltungsverfahren betroffen seien die Schwestergesellschaften Vinzenz von Paul Soziale Dienste und Einrichtungen (Göppingen) sowie das Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil samt ihrer jeweiligen Tochtergesellschaften.

„Marienhospital ist sehr gut aufgestellt“

Begleitet wird die Interims-Geschäftsführung im laufenden Verfahren durch einen Restrukturierungsbevollmächtigten. Die rechtliche Beratung übernimmt Dr. Claus-Peter Kruth, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht der Kanzlei AndresPartner. „Das Marienhospital ist als hochspezialisiertes Krankenhaus auch in Verbindung mit den das Leistungsangebot arrondierenden Rehakliniken sehr gut aufgestellt. Hier sehen wir eine gute Basis für den anstehenden Restrukturierungsprozess“, betont Kruth.

Als vorläufigen Sachwalter bestellte das Amtsgericht Stuttgart Rechtsanwalt Jochen Sedlitz von der Kanzlei Grub Brugger. Seine Aufgabe ist es, das Verfahren zu überwachen und den Sanierungsprozess zu unterstützen.

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