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„Die Richtung ist klar“Krankenhausreform ist kein Grund für Warteposition

Dem Transparenzgesetz steht nichts mehr im Wege. Die Reform könnte Ende April ins Kabinett kommen. Bis zur Umsetzung dauert es noch, aber die Richtung steht fest. Wie Kliniken schon jetzt die Gesundheitsversorgung gestalten können.

Kompass
Coloures-Pic/stock.adobe.com
Symbolfoto

Der Geduldsfaden ist bis zum Zerreißen gespannt: Während Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach seit Monaten mit den Ländern um eine Einigung bei der Krankenhausreform ringt, rennt den Kliniken die Zeit davon. „Es vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht um Unterstützung bei einem Sanierungsgutachten oder die Begleitung eines Insolvenzverfahrens angefragt werden“, bestätigt Christian Eckert, Geschäftsführer der Unternehmensberatung WMC Healthcare.

 

Wenn Krankenhäuser argumentieren, dass sie auf Planungssicherheit warten, zeigt das nur ihren Unwillen zur Veränderung.

 

Auf die vermeintlich heilbringende Wirkung der Krankenhausreform könne und müsse man aber nicht warten, so Eckert. Die Richtung sei klar. Es gehe um Ambulantisierung, regionale Netzwerke, gestufte Versorgung und Leistungsgruppen, wie sie in Nordrhein-Westfalen schon Bestandteil der Krankenhausplanung seien. Auf all das könnten sich Kliniken bereits jetzt vorbereiten. „Wenn Krankenhäuser argumentieren, dass sie auf Planungssicherheit warten, bevor sie ihre Probleme angehen, zeigt das nur ihren Unwillen zur Veränderung.“

Bewährte Lösungen aus anderen Branchen und Ländern

Dass es anders funktioniert, davon kann man sich auf dem ZKNFT-Kongress überzeugen, den WMC zusammen mit der Hospital Management Group und Miralytik Healthcare am 29. Februar im Funkhaus Berlin veranstaltet. „Uns geht es darum, von denen zu lernen, die bereits gute Lösungen umgesetzt haben“, erläutert Anne Wiesmann, Principal bei WMC, die gemeinsam mit Eckert einen Themenblock rund um die Versorgungsstrukturen der Zukunft verantwortet.

Zu den gelungenen Beispielen aus dem Klinikbereich gehört u.a. das Klinikum Region Hannover, das bei seiner im Jahr 2023 auf den Weg gebrachten Medizinstrategie eine ganze Gesundheitsregion in den Mittelpunkt stellt. Oder die Alb-Fils-Kliniken, die ihren ehemals stationären Standort in Geislingen inzwischen als ambulantes Gesundheitszentrum betreiben.

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Auch in der ambulanten Gesundheitsversorgung gibt es Vorbilder, von denen Krankenhäuser lernen können. So begegnet z.B. das Start-up Lillian Care dem Hausarztmangel in ländlichen Regionen durch ein innovatives, hybrides Praxis-Modell. Angestellte Ärztinnen und Ärzte können dabei mit Hilfe digitaler Technologien und der Unterstützung von Physician Assistents (PAs) und qualifizierten Nurses vor Ort in unterversorgten Regionen arbeiten, ohne ihren Lebensmittelpunkt dorthin zu verlagern. „Der Fachkräftemangel ist auch für Krankenhäuser eine der aktuell größten Herausforderungen“, macht Wiesmann deutlich. Dem könne man nur dann nachhaltig begegnen, wenn der Arztberuf wieder attraktiver werde und New Work in der konservativen Krankenhauswelt Einzug halte. „In einer hybriden Krankenversorgung ist es durchaus denkbar, dass Klinikärzte an einigen Tagen Homeoffice machen.“

Landesweites Portal ist in Dänemark zentrale Anlaufstelle

Wer schon jetzt einen Blick in die Zukunft der Gesundheitsversorgung werfen will, kann z.B. in Dänemark Modelle finden, die sich zumindest in Teilen auch in Deutschland künftig bewähren könnten. In unserem Nachbarland kennt man keine Barrieren zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Ein intersektorales, landesweites Portal – übersetzt heißt es schlicht „Gesundheit“ – wurde bereits 2003 gelauncht und ist inzwischen die zentrale Anlaufstelle der dänischen Bürger in Sachen Gesundheit.

Alle Dänen erhalten bei ihrer Geburt eine Identifikationsnummer, mit der sie sich dort einloggen und ihre komplette Krankengeschichte abrufen können. Diagnosen, Röntgenbilder, Behandlungsverläufe oder Medikationen sind dort gespeichert und können nach Freigabe von Apothekern und Ärzten eingesehen werden. Diese Experten wiederum können sich über das Portal mit anderen Gesundheitsversorgern austauschen oder evidenzbasierte Fachinformationen abrufen. Sogar die Abrechnung der Gesundheitsdienstleistungen erfolgt mit Hilfe der Plattform.

„Die Einführung eines so umfassenden Gesundheitsprotals ist in Deutschland aktuell kaum vorstellbar“, teilt Wiesmann ihre Einschätzung.  Neben den bestehenden Sektorengrenzen stelle auch die Finanzierungsstruktur von Gesundheitsleistungen in diesem Zusammenhang eine große Hürde dar. Trotzdem gebe es zahlreiche Aspekte im dänischen System, die hierzulande gut funktionieren könnten. „Das zu sehen, macht in diesen herausfordernden Zeiten nicht nur Mut, sondern auch Lust auf die Gesundheitsversorgung von morgen.“

ZKNFT-Kongress

Bereits zum vierten Mal laden WMC Healthcare, Hospital Management Group und Miralytik Healthcare am 29. Februar 2024 zum ZKNFT-Kongress. Im Funkhaus Berlin suchen Klinikgeschäftsführer, Vertreter aus Politik und Verbänden, Digital- und Technikexperten und Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich gemeinsam nach Lösungen für die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Mehr dazu unter www.wmc-healthcare.de/zknft-2024

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