
Professionell Pflegende stehen weiterhin hinter ihrem Beruf, erleben ihn als sinnstiftend und sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig geraten sie zunehmend an strukturelle Grenzen und es wächst der Frust über fehlende Beteiligung, mangelnde Transparenz und unzureichende Anerkennung. Das zeigt die aktuelle DBfK‑Befragung „Pflege, wie geht es dir?“, die anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai veröffentlicht wurde.
Pflegefachpersonen wenden sich nicht von ihrem Beruf ab. Sie wenden sich gegen Bedingungen, unter denen professionelle Pflege dauerhaft an ihre Grenzen gebracht wird.
Rund 3000 beruflich Pflegende haben sich 2026 an der Online-Erhebung beteiligt. Ein zentrales Ergebnis: „Pflegefachpersonen wenden sich nicht von ihrem Beruf ab. Sie wenden sich gegen Bedingungen, unter denen professionelle Pflege dauerhaft an ihre Grenzen gebracht wird“, sagt DBfK-Präsidentin Vera Lux.
Zwar empfinden 83 Prozent der Befragten ohne Leitungsverantwortung ihre Tätigkeit als sinnstiftend; doch nur ein sehr kleiner Teil – drei Prozent – fühlt sich in seiner Kompetenz gesellschaftlich anerkannt.
Auffällig ist zudem die hohe Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme. Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, sich zusätzliche Verantwortung vorstellen zu können. Diese Motivation trifft jedoch auf Rahmenbedingungen, die Beteiligung strukturell ausbremsen. Viele Pflegende beklagen fehlende Transparenz, mangelhafte Konfliktlösung und zu wenig Veränderungskultur in ihren Organisationen. Nur ein Fünftel der Befragten erlebt, dass Veränderungen tatsächlich partizipativ gestaltet werden.
12. Mai
Der 12. Mai ist der jährliche Tag der Pflegenden. An diesem Tag im Jahr 1820 wurde Florence Nightingale geboren, die Begründerin der modernen professionellen und wissenschaftlich fundierten Pflege.
Pflege denkt zunehmend ans Gehen
Parallel dazu nehmen Wechselbereitschaft und Ausstiegsgedanken zu: Ein Fünftel der Pflegefachpersonen ohne Führungsverantwortung hat in den vergangenen zwölf Monaten mehrmals wöchentlich oder täglich darüber nachgedacht, den Arbeitgeber zu wechseln. Ein relevanter Anteil sogar über den Ausstieg: 16 Prozent dachten ebenso häufig daran, den Pflegeberuf ganz aufzugeben.
Als besonders belastend werden hohe Arbeitsauslastung und fehlende Wertschätzung durch Arbeitgeber und Führungspersonen genannt, während die Zusammenarbeit im Team vergleichsweise deutlich positiver bewertet wird. Für den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) liegt damit das Problem nicht in der Pflege selbst oder in den Teams, sondern in den Strukturen, unter denen Pflege organisiert wird.
Pflegebudget begrenzen? – ein Rückschritt zur Unzeit
Vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Debatten gewinnen die Ergebnisse der Befragung besondere Brisanz. Aus Sicht des DBfK darf dabei nicht erneut über Pflege entschieden werden, ohne Pflegefachpersonen verbindlich einzubeziehen.
Pflege darf nicht länger Gegenstand von Politik sein – sie muss endlich Mitgestalterin von Versorgung werden.
Das zeigt sich auch beim vertieften Blick auf das Pflegebudget. Pflegende mit Budget‑ und Führungsverantwortung bewerten das Pflegebudget überwiegend als sinnvolles Instrument, um pflegerische Kernaufgaben, Professionalisierung und neue Rollenprofile zu stärken.
Über die Befragung
Die Online-Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ wird seit 2024 jährlich vom DBfK durchgeführt. Teilnehmen konnten 2026 vom 1. März bis 6. April alle beruflich Pflegenden, unabhängig von einer DBfK-Mitgliedschaft. Insgesamt beteiligten sich 3003 Personen. Die Erhebung ist nicht repräsentativ, bildet aber als jährlich wiederkehrendes Stimmungsbarometer zentrale Entwicklungen in der professionellen Pflege ab.
Zu den ausführlichen Ergebnissen der Befragung und einer Kurzversion.
Gleichzeitig sind Pflegefachpersonen bislang nur selten direkt in Budgetverhandlungen eingebunden: Nur 15 Prozent der Befragten mit Führungsfunktion geben an, direkt an Verhandlungen zum Pflegebudget beteiligt zu sein. „Das Pflegebudget ist nicht das Problem. Problematisch ist, dass sein Potenzial noch immer nicht konsequent genutzt wird“, so Vera Lux vor dem Hintergrund der im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geplanten Deckelung des Pflegebudgets.
„Hier werden nicht ‚abstrakte Kosten‘ begrenzt, sondern konkret die Entwicklungsmöglichkeiten der Pflege: bessere Personalausstattung, Entlastung, Digitalisierung, neue Rollenprofile und die Weiterentwicklung professioneller Pflege. Das wäre ein Rückschritt zur Unzeit.“ Damit droht die geplante Begrenzung des Pflegebudgets laut DBfK genau jene Spielräume zu blockieren, die Pflege für Entlastung und Weiterentwicklung braucht.
Mit der vollständigen Finanzierung der Beiträge für Transfergeldbeziehende aus Steuergeldern statt aus GKV-Beiträgen wäre das größte Finanzloch der gesetzlichen Krankenversicherung schon gestopft.
DKG kritisiert Bundesregierung

Hier setzt auch die Kritik der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) an. „Mit der Deckelung des Pflegebudgets auf den Veränderungswert statt auf den tatsächlichen Pflegebedarf und die Gehaltsentwicklung werden die Krankenhäuser bei der Finanzierung von Tarifsteigerungen in der Pflege praktisch im Regen stehen gelassen und vor die Aufgabe gestellt, Gehälter zu bezahlen, für die es keine vollständige Gegenfinanzierung gibt“, sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG Prof. Dr. Henriette Neumeyer. „Viele Krankenhäuser werden nicht zuletzt angesichts der sonstigen Milliardenkürzungen dazu nicht mehr in der Lage sein“.
Mit der vollständigen Finanzierung der Beiträge für Transfergeldbeziehende aus Steuergeldern statt aus GKV-Beiträgen wäre das größte Finanzloch der gesetzlichen Krankenversicherung schon gestopft.
Kurz gesagt: Die Bundesregierung saniert ihren Haushalt auf dem Rücken der Beschäftigten in den Krankenhäusern und belastet dabei besonders die größte Berufsgruppe im Krankenhaus – das Pflegepersonal, so die DKG. In der Folge werde den Kliniken nichts anderes übrigbleiben, als Pflegepersonal in großem Umfang abzubauen.
Dabei liegt eine Lösung auf der Hand, so Neumeyer: „Mit der vollständigen Finanzierung der Beiträge für Transfergeldbeziehende aus Steuergeldern statt aus GKV-Beiträgen wäre das größte Finanzloch der gesetzlichen Krankenversicherung schon gestopft.“ Die Beschäftigten der Krankenhäuser müssten keine Einbußen fürchten, und im Gegensatz zu GKV-Beiträgen würden Steuern von allen, auch von Spitzenverdienern, bezahlt.
Der Appell des DBfK zum Internationalen Tag der Pflegenden ist klar: Pflege darf nicht länger nur Gegenstand politischer Entscheidungen sein. Wenn Versorgung gesichert und weiterentwickelt werden soll, muss Pflege als Profession verbindlich beteiligt und strukturell gestärkt werden. Sie muss Mitgestalterin von Versorgung werden.







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