
„Es ist ganz klar, dass wir in zehn Jahren spätestens ein paar Hundert Krankenhäuser weniger haben werden", sagte Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) der „Bild am Sonntag“. Das sei ist auch richtig so. „Für diese Krankenhäuser haben wir nicht den medizinischen Bedarf.“ Schon jetzt stehe jedes dritte Bett leer, und es gebe zu wenig Personal. Vor allem in westdeutschen Großstädten dürften Kliniken wegfallen. Zugleich betonte er, dass benötigte Häuser auf dem Land Zuschläge bekämen, um zu überleben.
Lauterbach erklärte am Sonntag ergänzend, die Krankenhausreform sichere eine flächendeckende Versorgung und sorge für mehr Qualität. „Krankenhäuser auf dem Land bleiben erhalten. Aber mehrere hunderte Kliniken – vor allem in westdeutschen Großstädten – werden nicht mehr so weiterarbeiten können wie bisher. Sie werden umgewidmet oder können nicht mehr alle Leistungen anbieten.“ Er sei sicher, dass die Länder dies verantwortungsvoll planen würden. „Die Reform hilft, ein ungesteuertes Krankenhaussterben zu verhindern.“
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) widerspricht. „Die Krankenhäuser wollen und benötigen die Reform dringend, jedoch werden die derzeitigen Pläne des Ministers keinesfalls die Versorgung stabilisieren und flächendeckend sichern, im Gegenteil.“ Ihrer Aussage nach, betraf nur ein kleiner Bruchteil der Krankenhausinsolvenzen der vergangenen zwei Jahre Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern. „Die Versorgung bricht vor allem auf dem Land weg – dort, wo Krankenhäuser vielfach die einzigen Anlaufpunkte für hilfesuchende Patientinnen und Patienten sind. Und diese Krankenhäuser „sterben“ nicht einfach. Sie gehen ein, da ihnen die politischen Rahmenbedingungen kostendeckendes Arbeiten unmöglich gemacht haben.“ Es sei an Lauterbach, das zu ändern.
2026 keine steigenden Krankenkassenbeiträge
Nach der prognostizierten Erhöhung der Krankenkassenbeiträge 2025 erwartet Lauterbach danach vorerst keine weiteren Steigerungen. Er glaube nicht, dass für 2026 noch mal die Krankenkassenbeiträge erhöht werden müssten. „Mit den Reformen, die wir jetzt schon gemacht haben, die jetzt anfangen zu wirken, und den Reformen, die wir gerade machen, kommt tatsächlich auch dieser Beitragssatzanstieg zu einem Stopp.“
Lauterbach hatte die von Experten prognostizierte Erhöhung der Beiträge historisch genannt. Fachleute des sogenannten Schätzerkreises hatten für das Bundestagswahljahr 2025 eine rechnerisch nötige Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags um 0,8 Punkte auf 2,5 Prozent vom beitragspflichtigen Einkommen ermittelt. Bei dem Wert handelt es sich allerdings um eine theoretische Größe. Wie sehr der Zusatzbeitrag steigt, entscheidet jede Krankenkasse für sich. Der gesamte Beitrag, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen, umfasst daneben den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns.
Ohne die Krankenhausreform wäre der Beitragssatz nicht so stark gestiegen, wie es jetzt erwartet werde, sagte Lauterbach. „Die Krankenhausreform kostet jetzt kurzfristig etwas, macht Druck auf den Beitragssatz.“ Kritik an den Kosten der Reform kommt aus der Opposition. Der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge schrieb auf der Plattform X, dass sich Lauterbach „angesichts historischer Beitragsexplosion“ fälschlicherweise als „preisgünstigster Gesundheitsminister“ darstelle.







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