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KrankenhausimmobilienKlinikschließungen – Wer plant die Nachnutzung?

50 Milliarden Euro im Transformationsfonds und nur 15 Voranzeigen – die Krankenhausreform stockt. Einer Studie zufolge fehlt den Ländern nicht nur Tempo, sondern auch ein Plan: Was passiert beispielsweise nach der Klinikschließung mit den Gebäuden?

Dr. Uwe Natter
ProHealth
Dr. Uwe Natter ist Geschäftsführer von ProHealth Real Estate.

Rund 15 Monate nach Inkrafttreten der Krankenhausreform zum 1. Januar 2025 ist die Bilanz folgender Studie ernüchternd: Die Bundesländer kommen bei der Umsetzung kaum voran. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des auf Gesundheitsimmobilien spezialisierten Asset- und Property-Managers ProHealth Real Estate, die untersucht hat, wie weit die einzelnen Länder bei der Planung von Klinikschließungen, Bettenabbau und Nachnutzungskonzepten tatsächlich sind.

Halbe Datenbasis

Sechs Bundesländer – Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt – haben auf den standardisierten Fragenkatalog der Studie gar nicht reagiert. Berlin und Hamburg verweigerten die Auskunft unter Verweis auf laufende Verwaltungsverfahren. Damit haben acht von 16 Bundesländern keine verwertbaren Angaben geliefert.

Das schränkt die Aussagekraft der Studie zwar ein – doch gerade das Schweigen sei aussagekräftig. „Im Prinzip decken sich die Ergebnisse mit den Eindrücken aus der Branche“, sagt Dr. Uwe Natter, Geschäftsführer von ProHealth Real Estate. „Die Länder setzen die Reform nicht mit der notwendigen Geschwindigkeit und Professionalität um.“ Jedes Land „wurschtelt“ so vor sich hin, aber „der große Plan fehlt“, kritisiert Natter. Vor allem, was mit den Gebäuden nach der Schließung passieren soll.

Die Länder setzen die Reform nicht mit der notwendigen Geschwindigkeit und Professionalität um.

Zeitlich hinken die Länder laut der Studie vergeblich hinterher: Planungs- und Bauzeiten für Krankenhäuser, die zusammengelegt oder neu errichtet werden müssen, betragen mehr als fünf Jahre, erklärt Natter. Eine Fertigstellung bis zum Ende der ersten gesetzlich festgelegten Planungsperiode 2029 sei damit bereits heute rechnerisch ausgeschlossen.

Bremen als Ausnahme

Unter den Ländern, die geantwortet haben, sticht Bremen heraus – als einziges Bundesland mit einem konkreten Schließungsplan und einem belastbaren Nachnutzungskonzept. Dort wird das Klinikum Links der Wesermit 500 Betten geschlossen und durch ein ambulantes Gesundheitszentrum ersetzt; das Areal soll im Rahmen einer Quartiersentwicklung weitergenutzt werden.

Doch Bremen ist ein Stadtstaat – und das macht den Vergleich schwierig. „Bremen hat es naturgemäß deutlich einfacher“, sagt Prof. Andreas Beivers, Gesundheitsökonom an der Hochschule Fresenius und fachlicher Berater der Studie. „Daher ist auch die konkrete Planung dort keine große Überraschung.“ In Flächenländern mit geringer Bevölkerungsdichte seien Klinikschließungen politisch weitaus heikler und entsprechend unpopulärer bei den Landesregierungen. Andere Länder wie Baden-Württemberg delegieren die Verantwortung an die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG), die selbst noch keine belastbaren Prognosen vorlegen könne.

Immobilien ohne Strategie

Die Studie wirft die Frage auf, was mit den Gebäuden geschlossener Krankenhäuser passiert. Die meisten Länder betrachten das laut der Studienautoren als reine Betreiberproblematik – und übersehen dabei ein erhebliches fiskalisches Risiko: Krankenhausgebäude wurden häufig mit umfangreichen Landesfördermitteln errichtet. Bei anderweitiger Nutzung könnten diese Mittel zurückgefordert werden, macht Natter deutlich. Hinzu kommen jahrelange Bauleitplanung, Zweckbindungen und ein oft erheblicher Sanierungsstau.

Regulatorische Hürden, Zweckbindungen und Rückforderungsrisiken machen eine nachhaltige Weiterentwicklung meist gut gelegener und großflächiger Krankenhausareale unattraktiv für Investoren.

„Regulatorische Hürden, Zweckbindungen und Rückforderungsrisiken machen eine nachhaltige Weiterentwicklung meist gut gelegener und großflächiger Krankenhausareale unattraktiv für Investoren und Entwickler“, erklärt Natter. Krankenhausgebäude seien eben keine simpel umnutzbaren Büroimmobilien, sondern Sonderbauten, die im schlechtesten Fall zu Ruinen verkämen.

15 Voranzeigen aus dem Transformationsfonds 

Auch der 50 Milliarden Euro umfassende Transformationsfonds des Bundes entfalte bislang kaum Wirkung. Beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) waren nach Angaben der Studie zum Erhebungszeitpunkt lediglich 15 Voranzeigen zu Förderungen eingegangen – ohne konkrete Fördersummen oder Bettenkapazitäten. Endgültige Förderanträge stehen noch aus. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fondsmittel eine hälftige Co-Finanzierung durch die Länder voraussetzen. Für 2026 stehen insgesamt fünf Milliarden Euro bereit, je zur Hälfte aus dem Fonds und von den Ländern.

Ein weiteres strukturelles Problem: Der Transformationsfonds fördert bislang ausschließlich Schließungen und Umstrukturierungen, nicht aber die Umnutzung leerstehender Gebäude. Eine Lücke, die Natter zufolge dringend geschlossen werden müsste.

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MVZ und SÜV: Potenzial ungenutzt

Auch bei der ambulanten Versorgung zeigt die Studie erhebliche Defizite. Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen (SÜV) und kommunale Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gelten als Schlüsselinstrumente für die Nachnutzung von Krankenhausstandorten – doch konkrete Strategien fehlen fast überall. Nur vier Bundesländer konnten überhaupt Angaben zur Zahl kommunaler MVZ machen.

Dabei wäre der Bedarf klar: Nach Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung nimmt die Teilzeittätigkeit unter Ärzten kontinuierlich zu, während die Zahl der Vollzeitäquivalente im ambulanten Bereich seit 2014 praktisch stagniert. MVZ – mit familienfreundlichen Arbeitszeiten und sicheren Angestelltenverhältnissen – könnten hier als Zukunftsmodell wirken. Doch auch das setze voraus, dass die Länder aktiv vorausplanen, so Natter.

PPP-Modelle: Ideologie bremst Pragmatismus

„Jedes Land sollte eine Bestandsaufnahme machen, welche Häuser geschlossen werden und wie damit umgegangen werden soll“, fordert Natter. Dann sollte es öffentliche Ausschreibungen geben, damit man sich bewerben könne und seine Ideen für die Nachnutzung der Immobilien einbringen könne.

Jedes Land sollte eine Bestandsaufnahme machen, welche Häuser geschlossen werden und wie damit umgegangen werden soll.

Öffentlich-private Partnerschaften (PPP) könnten hier ein interessantes Modell sein, fügt Natter hinzu. Doch zur Sanierung oder Nachnutzung von Krankenhausimmobilien spielen sie in Deutschland bisher keine Rolle – in keinem einzigen Bundesland gebe es konkrete Pläne, teilweise seien solche Modelle sogar explizit unerwünscht. Dabei sind sie international bereits Standard, etwa in Großbritannien.

„Privates Kapital hat in Deutschland weiterhin keinen guten Ruf“, räumt Natter ein. Gleichzeitig ist er überzeugt: „Die Haushaltslage der Länder und Kommunen wird es nicht anders zulassen.“ Immobilienentwicklung gehöre in die Hände von Fachleuten. Sale-and-Lease-Back-Modelle könnten Kapital freisetzen und Mietzahlungen haushalterisch planbar machen.

Dass ProHealth Real Estate als Asset- und Property-Manager selbst wirtschaftliche Interessen an einer Marktöffnung für private Investoren hat, ist dabei offen zu benennen. Das Unternehmen verwaltet rund 350.000 Quadratmeter Gesundheitsimmobilien und setzt auf die Umnutzung von Bestandsgebäuden. Die Studie basiert auf einem einheitlichen Fragenkatalog an alle Landesgesundheitsministerien und stelle damit ihre Unabhängigkeit unter Beweis, erklärt Natter.

Reformdruck bleibt 

Das Fazit der Studie ist eindeutig: Wer jetzt nicht plant, riskiert ein unkontrolliertes Kliniksterben – ohne Nachnutzungskonzept, ohne Versorgungsalternative, ohne Plan B. „Die Reform hat das Potenzial wirklich etwas zu verändern“, betont Natter. Ob dieses Potenzial aber genutzt wird, hängt laut dieser Studie stark an den Bundesländern.

Die vollständige Studie „Krankenhausreformstau“ von ProHealth Real Estate ist hier verfügbar.

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