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FMC wird AktiengesellschaftFresenius geht den nächsten Schritt

Am Freitag soll in einer außerordentlichen Hauptversammlung über die zukünftige Rechtsform von FMC entschieden werden. Und auch über einen neuen Aufsichtsrat. Die Loslösung vom Mutterkonzern Fresenius geht damit weiter voran.

Fresenius Konzernzentrale
Fresenius
Die Fresenius Konzernzentrale in Bad Homburg.

Beim Umbau des Fresenius-Konzerns steht der nächste Meilenstein bevor. Der Krankenhausbetreiber und Medikamentenhersteller will sich von seiner schwächelnden Dialysetochter Fresenius Medical Care loslösen und diese künftig aus der Bilanz nehmen.

Dazu ist die Umwandlung der Rechtsform von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft notwendig. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung von FMC am 14. Juli in Frankfurt sollen die Aktionäre diesen Schritt absegnen – mindestens 75 Prozent des vertretenen Kapitals braucht es dafür. Die Zustimmung gilt als gesetzt. Auch ein neuer Aufsichtsrat soll gewählt werden.

Aktuelle Lage

FMC gilt als eines der größten Sorgenkinder im Bad Homburger Dax-Konzern. In den USA, seinem größten Markt, ringt der Blutwäschespezialist schon seit Jahren mit dem Konkurrenzdruck und dem Sparzwang im staatlichen Gesundheitssystem. Schwierige Corona-Zeiten taten ihr Übriges: Viele Patienten starben während der Pandemie, die Behandlungszahlen schrumpften. Belastend hinzu kamen die mit der Inflation enorm gestiegenen Kosten und der Pflegekräftemangel. Trotz immer wieder neuer Sparrunden kriselte es bei FMC stetig, zahlreiche Gewinnwarnungen zogen auch die Mutter Fresenius in Mitleidenschaft.

Fresenius-Chef Michael Sen will dies so nicht mehr mittragen. Der frühere Siemens- und Eon-Manager war erst im vergangenen Oktober an die Konzernspitze gerückt. Seitdem verfolgt er mit Tempo den von Investoren immer drängender geforderten Konzernumbau – ein heißes Eisen, das sein Vorgänger Stephan Sturm nur äußerst zögerlich angefasst hatte.

Michael Sen
Fresenius
Michael Sen ist seit 1. Oktober 2022 Vorstandsvorsitzender von Fresenius.

Kommt die Zustimmung zum Rechtsformwechsel auf dem außerordentlichen Aktionärstreffen, soll FMC künftig nur noch als eine Finanzbeteiligung geführt und ausgewiesen werden. Fresenius erfasst dann künftig nach der „Equity“-Methode nur noch Buchwert und Ergebnis von FMC entsprechend seines Anteils. Dieser liegt aktuell bei rund einem Drittel.

Verkauf lohnt sich derzeit nicht

Sen verkauft den Schritt zwar auch gern mit dem Hinweis auf bessere Entfaltungsmöglichkeiten für das Dialyseunternehmen; doch im Kern geht es Fresenius zunächst wohl darum, den finanziellen Ballast durch FMC loszuwerden. Zugleich hält sich Fresenius damit die Option auf eine Veräußerung offen.

Angesichts des niedrigen Aktienkurses der inzwischen vom Dax in den MDax abgestiegenen FMC wäre dies zum aktuellen Zeitpunkt allerdings eher ein schlechtes Geschäft. Nicht von ungefähr hatte Sen auf der Fresenius-Hauptversammlung im Mai erklärt, Fresenius habe aktuell kein Interesse, die Anteile am Blutwäschespezialisten zu verkaufen oder zu reduzieren.

Für FMC wiederum hat der Formwechsel auch deutliche Vorteile. Die Kommanditform brachte bisher äußerst komplexe Lenkungs- und Entscheidungsstrukturen mit sich, die nun massiv vereinfacht werden sollen. Mit der Einführung des zweistufigen deutschen Systems mit einem mitbestimmten Aufsichtsrat und einem Vorstand hofft FMC, in Zukunft schlagkräftiger und agiler zu werden. Auch erhofft sich der Konzern wieder größeres Interesse von Investoren.

Konzentration auf Helios und Kabi

Für Sen allerdings ist FMC nur eine der Stellschrauben, mit der er den Fresenius-Konzern wieder in die Spur bringen will. Dieser war nach einer missglückten Übernahme im Jahr 2018, den Belastungen in der Corona-Pandemie auch im Krankenhausgeschäft und reihenweise Gewinnwarnungen in die Krise gerutscht.

Deshalb tritt der Fresenius-Chef derzeit aufs Gaspedal. Er verordnete dem Konzern ein noch engeres Sparkorsett sowie harte Renditeziele und entschied, dass sich Fresenius künftig nur noch auf das Krankenhausgeschäft mit Helios und die Tochter Kabi fokussieren soll. Den Generika- und Medizintechnikspezialisten hatte er zuvor selbst geleitet und bereits erste Übernahmen zum Ausbau des Geschäfts eingeläutet.

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Sens Auftrag

Der Manager hatte sich beim Börsengang von Siemens Healthineers und der Abspaltung von Eons Kraftwerkssparte Uniper bereits in seiner früheren beruflichen Laufbahn reichlich Lorbeeren verdient. Fresenius ist nun die nächste Bewährungsprobe: Es gilt, den ebenfalls dümpelnden Aktienkurs des Dax-Konzerns wieder auf die Beine zu bringen. Bis jetzt ist das nur mäßig gelungen.

Die Aktie gehört mit rund zwei Prozent Minus auch 2023 bisher zu den Verlierern im deutschen Leitindex, der seit dem Jahreswechsel immerhin 15 Prozent zugelegt hat. Auf Fünf-Jahressicht hat das Papier gar mehr als 60 Prozent verloren. Analysten schauen aber wieder mit etwas mehr Wohlwollen auf die Aktie, einige hoben ihre Kursziele.

Aktuell spart das Fresenius-Management nicht damit, seine Entschlossenheit wirksam in Szene zu setzen. Nicht zimperlich zeigte sich Sen etwa beim zuletzt verlustreichen Klinikdienstleister Vamed. Anfang Mai vermeldete er dort unerwartete schwere strukturelle Probleme und kündigte eine stringente Restrukturierung an. Nur wenige Wochen später standen beim österreichischen Unternehmen gewichtige Personalwechsel an der Führungsspitze fest, auch der Firmenchef wird abgelöst.

Vamed bekommt künftig keinen eigenen Sitz im Fresenius-Vorstand mehr – passend zur Strategie von Fresenius, auch diese Firma trotz Mehrheitsbeteiligung nur noch nachrangig zu betrachten. Auch FMC-Chefin Helen Giza soll nach der erfolgreichen Dekonsolidierung aus dem Fresenius-Vorstand ausscheiden.

Zugleich bleibt Giza gewissermaßen „an der langen Leine“ des weiterhin größten FMC-Aktionärs Fresenius, denn der Dax-Konzern will in den neu zu wählenden Aufsichtsrat Vorstandschef Sen und Finanzvorständin Sara Hennicken entsenden. Sen soll dabei Vorsitzender des Kontrollgremiums werden. Zur Wahl für den Aufsichtsrat steht auch der Ex-Finanzchef des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck KGaA, Marcus Kuhnert.

Das sagen Analysten

Goldman-Analyst Richard Felton nahm erst kürzlich die Fresenius-Aktie wieder in sein Anlageuniversum auf – allerdings bleibt er vorerst mit einem neutralen Votum an der Seitenlinie. Angesichts der Qualität der Aktivitäten des Medizinkonzerns sei dessen Bewertung recht anspruchslos, schrieb er. Die Kursimpulse für die Aktien dürften aber wohl erst im kommenden Jahr zünden. Wohlwollende Worte fand er unterdessen für FMC, deren Papiere der Fachmann nun zum Kauf empfiehlt. Er rechnet damit, dass es für das Unternehmen wieder aufwärts geht. Das neue Management lege den Fokus auf eine bessere operative Entwicklung, hob er hervor. Zugleich rechnet er damit, dass der Kostendruck auf FMC nachlässt.

Skeptisch bleibt dagegen Warburg-Analyst Christian Ehmann. Aus seiner Sicht schätzt derzeit die Börse und auch der Dialyseanbieter selbst die künftigen Wachstumsraten bei den Patienten falsch ein. Ehmann verwies dazu auf neue und bessere Diabetes-Medikamente, womit sich eine Blutwäsche womöglich vermeiden lässt. Zudem zeichne sich auch für das kommende Jahr in den USA eine enttäuschende Vergütung für die Dialyse ab.

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