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Danke für nichts, ZDF!

Serien aus dem Klinikalltag gibt es zuhauf. Wünschenswert wäre, angesichts des Fachkräftemangels, die Arbeit spannend und vielseitig darzustellen, wie sie in der Realität auch ist. Ich habe den Selbstversuch gewagt und mir exemplarisch einige Episoden zweier deutscher Produktionen angesehen.

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger im Universitätsherzzentrum Freiburg - Bad Krozingen und Vorstandsmitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Beide Serien werden einmal wöchentlich auf den öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt und sollen die Arbeit von ärztlichem und pflegerischem Personal auf verschiedenen Stationen widerspiegeln.

Serie 1 möchte den pflegerischen Aspekt in der Klinik in den Mittelpunkt stellen. Protagonisten sind vier Auszubildende der Gesundheits- und Krankenpflege und drei ihrer Auszubildenden Pflegefachkräfte. Was direkt auffällt: auch bei den öffentlich-rechtlichen scheint sich das mittlerweile 15 Jahre alte Krankenpflegegesetz noch nicht vollends rumgesprochen zu haben. Von der „Schwesternschülerin“ bis zur „Oberschwester“ ist bei der Vorstellung der Figuren alles vertreten. Doch wäre das nicht schon schlimm genug, werden die weiblichen Auszubildenden, welche sich übrigens sehr stolz mit „Schwester“ vorstellen, gerne mal mit „Kleine“ oder „Grünschnabel“ angesprochen und von jedem herumkommandiert, der ihnen über den Weg läuft.

Viel Privates – wenig Sinnvolles

Auch in Serie 2 ist die „Schwester“ allgegenwärtig, allerdings steht hier auch ärztliches Personal im Mittelpunkt. Gott sei Dank! Wen sollten die „Schwestern“ sonst auch anhimmeln?  Die Handlung zehrt größtenteils von privaten Liebesgeschichten zwischen Ärzten und Pflegepersonal. Der Arbeitsalltag des Pflegepersonals besteht meist aus, nennen wir es mal psychosozialer Individualbetreuung. Allerdings wird hier nur selten über den Krankheitsverlauf des Patienten geredet, sondern stundenlang Karten gelegt, um das Liebesleben des Pflegepersonals zu entschlüsseln oder sich mehrmals am Tag im Park ein Kaffee geholt, um das aktuelle Zeitgeschehen im Privatleben der Protagonisten zu erörtern. Alles in der Arbeitszeit versteht sich.

Wenn sich die Produzenten dann doch das ein oder andere Mal dazu durchringen können, medizinische Themen darstellen zu wollen, dann spielt die Pflege eine gewichtige Rolle: So darf die Pflegefachkraft beispielsweise bei der Wundversorgung ein Tablett halten und danach den Abfall entsorgen. In einer anderen Szene darf Sie ein Glas Wasser entsorgen. Kurz gesagt: Aus professioneller Sicht kommen mir die Tränen.

Drama geht auch ohne Klinik!

Klar strahlt das Setting „Krankenhaus“ für Laien eine gewisse Faszination und mir ist auch bewusst, dass man im Sinne der Dramaturgie einer Serie ein bestimmtes Maß an Privatgeschichten einflechten muss. Jedoch fällt der Dramaturgie jeglicher Realismus und jede Professionalität zum Opfer. Deshalb mein Appell: Drama gibt es im Krankenhaus genug, weniger konstruierte Lovestorys und mehr beruflicher Alltag von Pflege und Ärzten würden den, von mir gesehenen Serien, guttun!

Solche Sendungen tragen Verantwortung, weil sie die Chance haben, die Gesellschaft über Themen des Gesundheitswesens auf unterhaltsame Art und Weise aufzuklären. Leider wird diese Chance vertan und beispielsweise das ohnehin schon kontrovers diskutierte Thema Organspende und Transplantation dargestellt, als könnte man sich auf dem Wochenmarkt völlig ohne Regularien eine Spenderleber besorgen.

Liebe TV-Sender, nutzt die Chance und werdet eurer Verantwortung gerecht, den Klinikalltag und medizinische Sachverhalte realistisch darzustellen. Die Arbeit im Gesundheitswesen ist spannend, abwechslungsreich und voll von persönlichen Schicksalen. Auch ohne konstruierte Polyamorie unter Kollegen. Und ganz nebenbei könnte man die wöchentliche Entprofessionalisierung der Pflegeberufe vermeiden.

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