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Die Pflege und ihr Imageproblem - Die Schwester ist tot, es lebe die Professionalität!

Die Pflegeberufe kämpfen mit einem immer drastischeren Fachkräftemangel. Dies mag zum Einen an den teils desaströsen Arbeitsbedingungen liegen, zum Anderen trägt die Berufsgruppe selbst eine erhebliche Mitschuld daran.

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger im Universitätsherzzentrum Freiburg - Bad Krozingen und Vorstandsmitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

„Das könnte ich nicht!“ – Diesen Satz kennt vermutlich jede Pflegefachkraft. Meist geht dem voran die Frage, was man beruflich macht. Positiv interpretiert würde das heißen, dass dem Gesprächspartner logischerweise durch die fehlende Ausbildung die fachliche Kompetenz fehlt, um in der professionellen Pflege arbeiten zu können.

Die traurige Realität ist jedoch, dass diese Aussage meist fällt, weil der Berufsstand in der breiten Öffentlichkeit mit Ekel und Scham verbunden und nicht zwingend mit anspruchsvollen Tätigkeiten und hoher Fachkompetenz assoziiert wird.

Einerseits wurden in der Vergangenheit diese Assoziationen immer wieder mit Aussagen, nach dem Motto „Pflegen kann jeder“ politisch befeuert. Andererseits trägt die Berufsgruppe selbst Verantwortung, dass sie eben jenes Image hat. Die Gründe dafür sind vielfältig und teilweise historisch gewachsen. Dennoch gilt es, endlich Selbstbewusstsein und Schlagfertigkeit zu entwickeln.

Die händchenhaltende „Schwester“ gibt es nicht mehr

Solange das Bild von der ausschließlich händchenhaltenden „Schwester“ in den Köpfen herumgeistert, wird sich das Image der professionellen Pflege weder in weiten Teilen der Politik noch in der Gesellschaft verändern. Empathie gilt immer noch als Grundvoraussetzung, um einen Pflegeberuf zu erlernen. Mit dieser Begründung geht der Trend in einigen Bundesländern dahin, die Zugangsvoraussetzungen für Pflegeberufe heruntersetzen zu wollen. Zum einen ist dies sicherlich dem immer prekärer werdenden Fachkräftemangel geschuldet, zum anderen jedoch auch der Ansicht, dass professionelle Pflege eben größtenteils aus Händchenhalten besteht.

Natürlich braucht es Empathie, um mit kranken und hochbetagten Menschen zu arbeiten, jedoch kann es nicht sein, dass dieses Einfühlungsvermögen als alleinige Einstellungsqualifikation zementiert wird. Moderne Pflege lebt von Evidenz sowie fundiertem Fachwissen und das gilt es endlich zu Papier zu bringen. Ein erster Schritt ist mit der Reform der Pflegeberufe bereits getan worden. Dort wurden jetzt erstmals Tätigkeiten festgehalten, die ausschließlich der professionellen Pflege vorbehalten sind. Es bleibt zu hoffen, dass dies erst der Anfang ist.

Solange wir als Berufsgruppe unseren Wert nicht (an)erkennen, wird dies auch für andere schwer!

Der Zustand der Pflege in Deutschland ist momentan in aller Munde. Erstaunlich eigentlich, weil das Thema absolut kein neues ist. Über Jahrzehnte galt die Pflege im Gesundheitssystem als unterstes Glied der Nahrungskette, um nicht zu sagen als Sparfaktor, sodass sie bis Status quo heruntergewirtschaftet werden konnte.

Für die Pflegenden gibt es allerdings einen Silberstreif am Horizont. Wir sind ein sehr rares Gut geworden und rare Güter steigen logischerweise im Wert. Jetzt gilt es nur noch, diesen Wert zu erkennen und ihn entsprechend nach außen zu kommunizieren, damit Sie, wenn das nächste mal jemand zu Ihnen sagt „Deinen Beruf könnte ich nicht!“, Ihrem Gegenüber entgegnen können: „Ich weiß, aber du kannst dich gerne für die Ausbildung bewerben!“.

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