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Fachabteilungen in Krankenhäusern sind infiziert vom Peter-Prinzip

Bis zur Unfähigkeit befördert? Nicht jede Fachkraft ist auch immer eine gute Führungskraft. Langjährige Betriebszugehörigkeit ist kein Garant für Teamerfolg. Trotzdem ist das der Alltag in vielen deutschen Krankenhäusern.

Tanja Heiß, Leitung Marketing und Vertrieb bei der Lenus GmbH und stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Hashtag Gesundheit e.V.

Kennen Sie das Peter-Prinzip? Die These von Laurence J. Peter drückt es in etwa so aus: In einer komplexen Hierarchie wird der Beschäftigte so lange befördert, bis er das Maß der absoluten Unfähigkeit erreicht hat. Zunächst klingt diese These sehr theoretisch. Doch in vielen Fachabteilungen von Krankenhäusern, egal ob unter Ärzten, Pflegern oder in der Verwaltung, ist es inzwischen Realität.

Gute Führungskräfte scheiden aus und anstatt nach dem optimalen Nachfolger zu suchen, besetzt häufig der Mitarbeiter die Position, der die längste Berufserfahrung hat oder am längsten im Team ist. Ein Vorgehen, das einzelnen Abteilungen und manchmal sogar ganzen Einrichtungen schadet.

Eine Frage der Kompetenz

„Die auf dem Gebiet kompetente Fachkraft ist nicht automatisch auch eine gute Führungskraft“, sagt Führungskräftetrainer Hartmut Laufer. Entscheidend für eine gute Führungskraft ist demnach nicht ihre Fachkompetenz. Im Gegenteil: Es geht um soziale Kompetenzen und das Wissen um Führungsmethoden und Werkzeuge, mit denen Mitarbeiter motiviert werden und auf die Ziele des Krankenhauses hinarbeiten. Eine große Rolle spielt auch Verantwortung. Ist die Führungskraft bereit, sich in schwierigen Situationen vor ihr Team zu stellen? Ist sie jederzeit ansprechbar, auch wenn es um private Sorgen des Mitarbeiters geht?

Fördert und entwickelt sie die individuellen Talente und Stärken eines Mitarbeiters zum Wohle des Krankenhauses? Und ist sie nicht nur Chef sondern auch Mentor?

Die Führungskräfte von morgen

Führung heißt, andere Menschen erfolgreich zu machen. Dazu ist nicht nur eine hohe Eigenmotivation erforderlich, sondern der Wunsch, selbst jeden Tag besser zu werden. Warum soll sich schließlich der Mitarbeiter weiterentwickeln, wenn die Führungskraft das nicht tut? Im Zeitalter der Digitalisierung können wir es uns nicht leisten, in einer Komfortzone an Erfahrung zu schwimmen.

Wir müssen uns immer wieder neues Wissen aneignen und uns selbst täglich neuen Herausforderungen stellen. Nur so gelingt es, Gesundheitseinrichtungen für die Zukunft aufzustellen. Entscheidend ist, dass das Management Führungskompetenzen früh erkennt und fördert, Nachfolger rechtzeitig aufbaut – und wenn nötig auch Schlüsselpositionen extern besetzt. Gute Fachkräfte sollten auch Fachkräfte bleiben. So sind sie am Produktivsten und Wertvollsten für das Krankenhaus. Die Führung überlassen wir stattdessen den Mitarbeitern, die fähig sind, diese Verantwortung zu tragen.

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