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Führungskräfte in der Feedback-Falle

Die Patienten werden wie selbstverständlich fast täglich dazu aufgefordert: Teilnahme an Befragungen und Bewertungen durch Feedbackbögen. Doch wie steht es um die eigenen Mitarbeiter? Vertreter der Generation Y sind angeblich echte Feedback-Junkies. Werden wir dem gerecht und was bringt Feedback dem Krankenhausmanagement?

Tanja Heiß, Leitung Marketing und Vertrieb bei der Lenus GmbH und stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Hashtag Gesundheit e.V.

Viel zu oft vernachlässigen Führungspersönlichkeiten im Krankenhaus die Chance, Feedback von ihren Mitarbeitern einzuholen. Es gibt weder Jahresgespräche mit den direkten Vorgesetzen, noch Zielvereinbarungen oder gar regelmäßige Mitarbeiterumfragen. Und wenn doch, liegen die Beteiligungen oft bei unter 40 %. Woran liegt das, wo doch vor allem die Generation Y, die den Like Daumen in die Wiege gelegt bekommen hat, dieses Feedback sogar fast täglich einfordert? Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen „Feedback geben“ und „Feedback bekommen“. Leider ist Angst der größte Feind des Vertrauens. Oft halten Mitarbeiter mit ihren Meinungen zurück, weil sie sich nicht sicher im Unternehmen fühlen. Oder sie haben das Gefühl, mit ihrem Feedback keine Änderung herbeirufen zu können. Sorgen Sie dafür, dass Sie eine Umgebung schaffen, die ausdrücklich dazu auffordert, sachliches und konstruktives Feedback zu geben und nehmen Sie es als solches entgegen.

Feedback ist ein Geschenk

Ob positiv oder negativ – seien Sie dankbar für jede Art von Feedback, die Sie von Ihren Mitarbeitern bekommen. Im Gegenteil: fördern Sie sogar eine Feedbackkultur, indem Sie auf jährliche Mitarbeitergespräche in Ihren verschiedenen Führungsebenen bestehen. Definieren Sie intern einheitliche Standards, wie Feedbackgespräche durchgeführt werden. Bieten Sie gleichzeitig immer wieder Mitarbeiterbefragungen an. Vor allem dann, wenn einzelne Bereiche, wie etwa die Speisenversorgung umstrukturiert werden.

Auch hilft es, wenn bereits viele Emotionen im Spiel sind, auf ein unabhängiges Institut oder ein externes Beratungsunternehmen zurückzugreifen. Dann erhalten Sie repräsentative und authentische Ergebnisse. Allein die Tatsache, dass Sie immer wieder Feedbackmöglichkeiten bieten und den Meinungsaustausch fördern, zeigt den Mitarbeitern im Krankenhaus bereits eine Wertschätzung. Ansonsten tappen Sie schnell in die Falle und finden lediglich schlechte Arbeitgeberbewertungen in kununu oder den Betriebsrat in Ihrem Büro. Ein Teufelskreis, in dem es schwer wird, wieder Vertrauen aufzubauen.

„Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos“ – Sigmund Freund

Aber wie steht es um die andere Seite der Medaille. Wie oft geben Sie Feedback? Häufig gehen wir wie selbstverständlich davon aus, dass der Mitarbeiter weiß, dass er seinen Job richtig macht. Muss ich wirklich täglich – auch für kleinste Kleinigkeiten loben? Mit Kritik dagegen sind wir meistens ziemlich schnell. Hier ist es wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zu finden. Auch ehrlich gemeinte Komplimente beim Gang durch die Cafeteria oder eine kleine handgeschriebene Postkarte für die Sekretärin sorgen bereits für magische Momente. Machen Sie sich diese „Waffe“ zu nutze.

Das gilt übrigens für alle Generationen. Natürlich sind die Jahrgänge von 1980 – 2000 besonders feedbackfreudig unterwegs. Aber Feedback ist für alle Mitarbeiter wichtig. Nur so kann gutes Verhalten verstärkt und falsches Verhalten korrigiert werden. Glauben Sie nicht? Stellen Sie sich vor, Sie halten einen wichtigen Vortrag vor 500 Klinikmitarbeitern und Sie erhalten weder Applaus noch Fragen. Ohne jegliche Reaktion des Auditoriums sollen Sie einschätzen, ob das Thema verstanden und verinnerlicht wurde. Klingt unmöglich, oder?

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