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kma Entscheider BlogGas und Personal durch Klinikreduzierung effizienter nutzen!

Was wir bei Personalengpässen schon seit vielen Jahren kennen, könnte im Winter auch bei der Energieversorgung drohen. Der Grund ist in beiden Fällen eine ineffiziente Verteilung knapper Ressourcen. Fangen wir endlich an, die Kliniküberkapazitäten abzubauen!

Philipp Köbe

Philipp Köbe ist freiberuflicher Dozent und Unternehmensberater im Gesundheitswesen.

Droht im kommenden Winter ein Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern? Die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern sieht die Patientenversorgung ab dem ersten Quartal 2023 aufgrund der massiv gestiegenen Energiepreise als gefährdet an. Drohende Insolvenzen könnten die Kliniklandschaft und damit die Versorgungsdichte ausdünnen. Das Land Niedersachsen kündigte bereits an, dass die Kliniken mit Mitteln aus einem Nachtragshaushalt entlastet werden sollen. Immerhin sind niedersächsische Krankenhäuser in 90 Prozent der Fälle vom Gas abhängig.

Eigentlich kommen die Energiekostensteigerungen mit Ansage. Wir haben den politisch gewollten CO2-Preis und zahlreiche Energiesteuern, die Anreize zur Energieeinsparung setzen sollen. Die nicht abzugsfähige Umsatzsteuer schlägt bei Kliniken besonders zu buche. Hinzu kommt die seit dem vergangenen Jahr anziehende Inflation, die alle Vorprodukte und Dienstleistungen verteuert. Wie sich die Energiepreisexplosion auf den Gesundheitssektor auswirken könnte, wurde bereits Ende vergangenen Jahres thematisiert. Passiert ist seitdem wenig, wobei die Energiekrise infolge des Ukrainekrieges nun schnelle Veränderungen im Krankenhausmarkt auslösen könnte.

Knappheitssignale richtig erkennen und richtig handeln

Jetzt haben wir also die nächste Ressourcenkrise im deutschen Gesundheitswesen. Während jedoch die Knappheit an Pflegefachpersonen und Pflegehilfskräften ein hausgemachtes Problem innerdeutscher Leistungserbringer ist, haben deutsche Krankenhäuser keinen Einfluss auf den europäischen Energiemarkt. Der externe Schock, der Energie in ganz Europa massiv verteuert, kann nur durch effizientere Ressourcenverteilung gelöst werden. Dabei wären wir bei der gleichen Frage, wie wir knappe Personalressourcen effizient in der Gesundheitsversorgung verteilen. Fakt ist, dass wir zu viele Kliniken haben, die nicht ausgelastet oder langjährig defizitär sind. Diese Kliniken hätten den Markt schon längst verlassen müssen, werden aber von der Politik meistens mit Steuergeldern künstlich am Leben erhalten.

Dabei binden sie wertvolle Ressourcen, die an anderer Stelle eine bessere Verwendung finden könnten. Sei es nun Personal oder Energie. Damit ließe sich nebenbei bemerkt auch einiges an CO2 einsparen. Die Knappheit von Gütern wird über Preissignale deutlich. Nach einer langen Durststrecke steigen nun die Löhne für Pflegepersonal. Die Energiepreise gehen gerade durch die Decke. Wie reagieren wir also darauf? Ökonomisch sinnvoll müsste hinterfragt werden, wo wir zu diesen Kosten noch Leistungen erbringen können. Umgekehrt könnte man auch fragen, wo Leistungen unbedingt gebraucht werden. In beiden Fällen wird man zu dem Ergebnis kommen, dass Kliniken existieren, die wir eigentlich nicht brauchen und es ebenjene gibt, die nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können.

Mehr Krankenhauskonsolidierung wagen

Wir können also wie im Falle des Landes Niedersachsen dem Preissignal entgegenwirken und die Energiekosten der Kliniken subventionieren. Besser sind Investitionen in Energieeffizienz, um den Energieverbrauch auch langfristig zu reduzieren. Das wäre auch ökologisch nachhaltig. Es ist aber in beiden Fällen nicht sinnvoll mit der Gießkanne Subventionen und Investitionsmittel an alle zu verteilen. Der Hebel ist viel größer, wenn nur die Krankenhäuser das Geld erhalten, die für die Versorgung tatsächlich notwendig sind. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt alle anderen Krankenhäuser auf den Prüfstand zu stellen, und zwar bundesweit.

Schließlich sind Finanzmittel ebenfalls knapp. Wir können zu diesem Zeitpunkt nicht Gelder in unnötige Versorgungsinfrastruktur lenken, die unter normalen Wettbewerbsbedingungen nicht mehr existieren dürfte. Die gesundheitspolitische Tradition des Interventionismus muss ein Ende haben. Denn wir würden an mehreren Stellen Verbesserungen erzielen. Weniger Kliniken verbrauchen weniger Energie, sodass die Zwangsstilllegung von Krankenhäusern aufgrund von Gasengpässen eher vermieden werden kann. Das gleiche gilt für Personalengpässe. Anstatt in einigen Kliniken die Notaufnahme abzumelden oder einzelne Stationen zu schließen, sollten die Krankenhausstrukturen konsolidiert werden. So haben wir mehr verfügbares Personal an der Stelle, wo es wirklich gebraucht wird. Dadurch können wir auch die Qualität der Versorgung insgesamt erhöhen. Wie wir seit Jahren wissen, könnte durch die Reduzierung der Klinikstandorte die Qualität verbessert werden, infolge von Zentralisierung und Spezialisierung. Die Chance ist jetzt da, den Konsolidierungsdruck zu nutzen, um den längst überfälligen Wandel voranzubringen.

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