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kma Entscheider BlogLaumanns Krankenhausplan besitzt Vorbildfunktion

Der NRW-Krankenhausplan von Karl-Josef Laumann wurde von vielen Seiten überraschend positiv aufgenommen. Die Versorgung in Nordrhein-Westfalen soll durch mutige Umstrukturierungsmaßnahmen deutlich verbessert werden.

Privat

Christian Krohne ist Associate Director bei 365 Sherpas – Corporate Affairs & Policy Advice und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Der Gesundheitsminister NRWs Laumann zeigt mit seiner Reform der Kliniklandschaft großen Mut zur Veränderung, der bereits seit langer Zeit in der deutschen Politik zugunsten einer zaghaften Ideenlosigkeit abhanden gekommen zu sein schien. In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit 337 Kliniken. Im Jahr 2011 waren es rund 400. Im Jahr 2020 wurden gut vier Millionen Patientinnen und Patienten stationär behandelt. Infolge der der Corona-Pandemie waren weit weniger als 2019 (4,65 Millionen) in stationärer Behandlung.

Bereits seit langem wird von verschiedenen Beteiligten im Gesundheitswesen gefordert, dass die Kliniklandschaft (nicht nur in NRW, sondern in ganz Deutschland) besser strukturiert ist, um eine effizientere Versorgung zu gewährleisten. Nur hat sich bislang kein führender Politiker ernsthaft der Sache angenommen.

Mit dem Krankenhausplan wird die Bettenzahl in den Kliniken künftig nicht mehr das zentrale Planungsinstrument darstellen. Die Kliniken sollen sich spezialisieren und nicht mehr alle Leistungen abdecken. Ab November beginnen die Verhandlungen zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen über eine Spezialisierung der Kliniken. Laut Gesetz bleibt dafür ein halbes Jahr Zeit. Am Ende des Prozesses entscheidet das Gesundheitsministerium über den Versorgungsauftrag der einzelnen Krankenhäuser. Dafür werden laut Gesundheitsminister Laumann ca. 2 Jahre veranschlagt.

Wettbewerb nur dort, wo nötig

Ebenfalls erwähnenswert: laut Krankenhausplan muss ein Krankenhaus mit internistischer und chirurgischer Versorgung für 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 20 Autominuten erreichbar sein. Intensivmedizin muss flächendeckend vorgehalten werden.

Damit nimmt Nordrhein-Westfalen bundesweit eine Vorreiterrolle bei der Schaffung effizienterer Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen ein.

Der Krankenhausfahrplan ist ein Schritt in Richtung weniger Wettbewerb, wo er nicht sein muss. Auch wenn Wettbewerb grundsätzlich als ein Katalysator zu besserer Qualität zu betrachten ist, sollte gerade im Gesundheitswesen der Blick für das Wesentliche behalten werden. Und darauf, dass gewinnbedingte Ressourceneinsparungen sowohl zulasten der Patienten als auch zulasten des medizinischen Fachpersonals gehen.

Daher ist es ein richtiger Schritt, dass die Politik – nachdem aus dem System heraus jahrelang keine Verbesserung zu vernehmen war – nun einen neuen Ordnungsrahmen vorgibt, in dem die Kliniken sich zu bewegen haben. Mit dem Krankenhausplan sollen unterversorgte Regionen eine angemessene Versorgungsinfrastruktur erhalten. Gleichzeitig bleibt den Patienten die Freiheit, sich die für sie beste Behandlungsstätte auszuwählen, weiterhin belassen. Alles in allem also vielversprechende Aussichten in Nordrhein-Westfalen.

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