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Der kma Entscheider-Blog

kma Entscheider BlogInteressenvertretung ist für Kliniken wichtiger denn je

Karl Lauterbach will die deutsche Krankenhauslandschaft reformieren. Haben die Kliniken dabei allerdings ein Mitspracherecht? Im Moment sieht es nicht so aus, was fatal ist.

Privat

Christian Krohne ist Associate Director bei 365 Sherpas – Corporate Affairs & Policy Advice und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Was bringt die Reformkommission?

Die deutsche Kliniklandschaft ist mehr als reformbedürftig. Das hat auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erkannt. Im Mai verkündete er daher die Einberufung einer Regierungskommission für alle Reformen im Klinikbereich ab 2023.

Das klingt auf den ersten Blick erstmal sehr vielversprechend. Beim zweiten Blick stellen Klinikmanager jedoch fest, dass Vertreter*innen aus verschiedenen Stellen im Gesundheitswesen einen Platz in der Reformkommission einnehmen, den Kliniken selbst lediglich eine beratende Rolle zuteil kommt.

Angesichts der zahlreichen Baustellen, die im Zuge von Lauterbachs Vorgänger Jens Spahns Reform-Eifer entstanden sind und durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verschärft wurden, ist es verwunderlich, dass über die Kliniken entschieden werden soll – jedoch nicht mit ihnen. Sie plagen sich mit anhaltendem Personalmangel, den Digitalisierungsanforderungen durch das KHZG und finanziellen Engpässen. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Kliniken direkt mit an Bord zu holen, um pragmatischer an die Lösungen bzw. Reformen zu gehen? Sicherlich!

Kliniken müssen Bedürfnisse lautstark kommunizieren

Für Kliniken bedeutet dies im Umkehrschluss, dass sie selbst noch proaktiver ihre Bedürfnisse an die Politik richten müssen, um endlich Gehör zu finden. Über die Verbände, aber auch für sich selbst einstehend.

Wie es gehen kann, zeigte jüngst der Verband der Uniklinika Deutschlands (VUD): Während Lauterbachs Regierungskommission sich in den kommenden Monaten mit einer Einführung von Versorgungsstufen befassen will, haben die Universitätskliniken jüngst einen eigenen Vorschlag vorgestellt. Dieser sieht vor, dass die Versorgungsstufen an einen Basiswert gekoppelt werden.

Wie ein Versorgungsstufen-Modell der Regierungskommission aussehen könnte bzw. welche Kriterien einem möglichen Entwurf zugrunde gelegt werden könnten, ist indes noch unklar. Während die großen Kliniken beim Thema Vorhaltefinanzierung Argumente zur Zentralisierung der Versorgungslandschaft sehen, zielen kleinere Kliniken vor allem auf eine Sicherstellung ihrer Häuser ab.

Interessenlage ist divers

Dieser Umstand macht deutlich, dass es nicht „die Kliniken“ gibt, es also nicht einfache Lösungen geben kann, die dem Kliniksektor insgesamt übergestülpt werden können. Sie sollten also in ihrer Vielfältigkeit mitreden können. In der Politik. Und nicht nur am Rande des Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit, der dieser Tage in Berlin startet und einmal mehr als wichtige Plattform zum Austausch zur versorgungs- und gesundheitspolitischen Themen dient. Hoffen wir, dass die Botschaften bei den richtigen Personen und Entscheidern ankommen.

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