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kma Entscheider BlogPflege und Medizin gemeinsam erfolgreich

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Krankenhaus zu verbessern, verfolgt keinen Selbstzweck. Patientensicherheit, Arbeitgeberattraktivität, aber auch ressourcenschonendes Handeln in Zeiten von Fachkräftemangel und Streiks erfordern eine bessere Zusammenarbeit zwischen pflegerischem und ärztlichem Dienst. Aber: in kaum einem Klinikum funktioniert es tatsächlich.

ID-Native GmbH

Tanja Heiß ist Geschäftsführerin der ID-NATIVE GmbH in Goldbach und Co-Gründerin von Hashtag Gesundheit e.V.

Warum Teams immer wieder aufeinander prallen

Während der ärztliche Dienst sehr hierarchische geprägt ist und Status eine große Rolle ist, wird in der Pflege häufiger eine Du-Kultur und ein familiäres Miteinander gepflegt. Auch in der Wortwahl kann es sehr unterschiedlich zugehen, wenn die Akademiker, oder auch „Götter in Weiß“ auf „die Schwestern“ treffen. Nicht selten wird über lautes Schreien auf Station oder gegenseitiges Anprangern vor der Gruppe gesprochen. Auch Feedback über Dritte ist keine Seltenheit. Die direkte Ansprache erfolgt zu selten und zu unkonstruktiv. Da verwundert es nicht, dass die Motivation am Arbeitsplatz sinkt und der Frust steigt. Dort wo es möglich ist, geht man sich aus dem Weg und spricht nur dann miteinander, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Doch nicht nur die Mitarbeitenden im Krankenhaus leiden unter der Situation. Schlechte und fehlende Übergaben führen im schlimmsten Fall zu Fehlbehandlungen oder sogar vergessenen Patienten auf Station.

Wer das Zünglein an der Waage ist

Vorbildfunktion Fehlanzeige. Leider ist es noch viel zu häufig der Fall, dass der Chefarzt/die Chefärztin einer Klinik und die Pflegedienstleitung viel zu selten und wertschätzend miteinander kommunizieren. Anstatt als ein Team zu denken und zu agieren, wird immer vom Team Pflege und vom Team Medizin gesprochen. Es fehlt an einer gemeinsamen Teamvision und an gemeinsamen Zielen. Fachliche Meetings werden genauso getrennt voneinander geplant wie Teamevents. Natürlich kann und muss jeder einzelne Mitarbeitende Einfluss nehmen, um das Miteinander zu verbessern, aber in einem hierarchischen System muss interdisziplinäre Zusammenarbeit von oben nach unten verinnerlicht und vorgelebt werden.

Erste Ansatzpunkte für eine bessere Zusammenarbeit

Patientensicherheit geht alle an. Deswegen müssen Medizin und Pflege ein einheitliches Bewusstsein für Risiken, aber auch eine gemeinsame Sicherheitskultur schaffen. Das fängt bei Teamwerten bzw. einer gemeinsamen Vision an: weg vom Problemdenken, hin zur Zielorientierung. Im Klinikalltag braucht es dann Strukturen, die Pflege und Medizin immer wieder zusammenbringen. Beispielsweise interdisziplinäre Übergaben auf Station, gemeinsame fachliche Stammtische und Teamevents. Auch Mentorings erfahren eine ganz neue Qualität, wenn sie berufsgruppenübergreifend umgesetzt werden. Wenn Konflikte zu tief sitzen, können Mediatoren oder Coachings ein hilfreiches Instrument sein. Ansonsten liegt es an den Führungskräften sich hier immer wieder neue Ansatzpunkte zu überlegen und das Team zu motivieren, sich selbst einzubringen und für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zu engagieren. Im Sinne der Mitarbeitenden aber auch für mehr Patientenwohl und eine bessere Versorgung.

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