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Pflegekräfte sollen endlich Hilfsmittel verschreiben können

Im Rahmen der konzertierten Aktion Pflege (KAP) wird momentan auch die selbständige Ausübung von Heilkunde durch Gesundheitsfachberufe diskutiert. Dies ist alternativlos und ein wichtiger Baustein für eine tragfähige Versorgung in der Zukunft.

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger im Universitätsherzzentrum Freiburg - Bad Krozingen und Vorstandsmitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Bereits bis Ende des Jahres sollen die Spitzenverbände der Krankenkassen und die Bundesärztekammer die Rahmenbedingungen für die Übertragung von Heilkunde an Gesundheitsfachberufe in Modellprojekten schaffen. Die Arbeitsgemeinschaft „Innovative Versorgungsansätze und Digitalisierung“ der KAP möchte Ende 2019 bereits erste Ergebnisse erzielt haben.

Setzt dies sich flächendeckend in der Gesundheitsversorgung durch, wäre das ein riesiger Schritt hin zu einem multiprofessionellen Miteinander in einem auch in Zukunft leistungsfähigen Gesundheitssystem. Mit der Übertragung von Heilkunde wird auch der Grundstein für neue Versorgungsformen gelegt, die dringend benötigt werden, um den Strukturwandel in der deutschen Kliniklandschaft erfolgreich zu bewältigen. In anderen europäischen Ländern ist das Verschreiben von Heil- und Hilfsmitteln durch professionell Pflegende längst Normalität. Das ergibt auch auf vielerlei Ebenen Sinn.

Überfüllte Arztpraxen könnten entlastet werden

Die professionell Pflegenden sind die Berufsgruppe, die die meiste Zeit direkt mit den Leistungsbezieher verbringt und dadurch eine ganzheitliche Versorgung in besonderem Maße durchführen und koordinieren kann. Besonders im Sinne des Entlass- und Casemanagements würde die größere Verantwortung für Pflegende einen echten Mehrwert für den Leistungsbezieher bringen. Gerade im Entlassmanagement gibt es vielerorts auch im zweiten Jahr nach Inkrafttreten des verpflichtenden Rahmenvertrags noch großes Verbesserungspotenzial. Pflegepraxen mit entsprechend aus- und weitergebildeten Pflegefachpersonen mit Verordnungskompetenzen können hier eine entscheidende Rolle spielen und insbesondere auf dem Land überfüllte Hausarztpraxen in gewissen Bereichen entlasten. Es handelt sich vor allem um Bereiche, in denen besonderes Fachwissen und Durchführungskompetenzen ohnehin schon bei den Pflegenden liegen.

Zum Beispiel gibt es seit 2009 einen pflegerischen Expertenstandard für die Versorgung chronischer Wunden. Insbesondere in der ambulanten Versorgung übernimmt die Pflegefachperson von Beurteilung der Wunde über die Auswahl der Verbandsmaterialien und Evaluation der Maßnahmen die Verantwortung der Behandlung am Leistungsbezieher. Ist es nicht völlig paradox, dass dennoch ein Arzt nötig ist, um das nötige Verbandsmaterial zu verschreiben?

Effizienz sieht definitiv anders aus!

Trotzdem sind es Lösungen für genau diese Probleme, die wir zukünftig dringender brauchen denn je. Dies kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten sich darauf besinnen, den Patienten in den Fokus zu rücken und das eigene Ego zurückstellen.

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, beispielsweise sieht in der Heilkundeübertragung auf nicht ärztliche Berufe einen „Etikettenschwindel, der die Patientensicherheit gefährdet und zu einer Deprofessionalisierung der medizinischen Versorgung führt“. Nach wie vor scheinen einige ärztliche Kollegen das Monopol der professionellen Versorgung von Patienten für die Ärzteschaft beanspruchen zu wollen. Sechs Jahre Studium und die Weiterbildung zum Facharzt bringen sicherlich ein hohes Maß an Fachwissen mit sich. Jedoch muss das nicht zwingend heißen, dass der Arzt auch in jedem Bereich für jedes Thema der kompetenteste Ansprechpartner ist. Auf der einen Seite über zu hohe Arbeitsbelastung zu klagen, aber auf der anderen Seite keinerlei innovative Neuordnungen zuzulassen, halte ich für ziemlich paradox und bringt uns im Hinblick auf die kommenden Herausforderungen nicht weiter.

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