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Streitkultur in der Pflege – Aufwind statt Gegenwind

Wer die „Diskussion“ in den sozialen Netzwerken um die Pflegekammer, insbesondere in Niedersachsen, verfolgt hat, der mag sich berechtigterweise Fragen, wo diese angeblichen Massen von Pflegekräften waren und sind, wenn es darum geht konstruktive Vorschläge auszuarbeiten. Einen Vorteil hat der Gegenwind für die Kammern: Die Kollegen kommen aus ihren Schneckenhäusern!

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger im Universitätsherzzentrum Freiburg - Bad Krozingen und Vorstandsmitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Jahrzehnte lang schien es, als sei die professionelle Pflege ein Spielball aller Stakeholder im Gesundheitswesen. Ohne quantitativ nennenswerten Gegenwind wurden die Pflegenden und ihr wichtiger Beitrag zur Gesundheitsversorgung zum Kostenfaktor degradiert. Bis auf einige wenige Kollegen, die sich schon sehr lange politisch für die Belange der Pflege in Verbänden und Vereinen engagieren, schien es so, als ließe das Gros der Berufsgruppe ihr Schicksal über sich ergehen.

In Zeiten von Social Media scheint sich dies geändert zu haben. In den letzten Monaten formierte sich in verschiedenen Gruppen und Organisationen Widerstand gegen die Gründung der Pflegekammer, welche in Niedersachsen im Jahr 2015 beschlossen wurde. Grund dafür scheinen vor allem die Beitragsordnung und die damit verbundenen Beitragsbescheide gewesen zu sein.

Auch eine Onlinepetition wurde gestartet, die mittlerweile fast 50 000 Unterstützer zeichnet. Wie viele dieser Unterstützer eine abgeschlossene 3-jährige Ausbildung in einem Pflegeberuf absolviert haben, bzw. diese gerade absolvieren, geht aus der Petition jedoch nicht hervor. Es ist aber davon auszugehen, dass auch hier wieder fachfremde Personen über die Belange der Pflegeberufe entscheiden wollen.

Keine Organisation – keine Veränderung

Ungeachtet dessen, welche Meinung ich zum Thema Pflegekammer habe, finde ich es bedenklich, dass viele Pflegefachpersonen nur dann berufspolitisches Engagement zeigen, wenn es darum geht, gegen etwas zu sein. Gleichzeitig bewegt sich der Organisationsgrad der professionell Pflegenden sowohl gewerkschaftlich als auch in den Berufsverbänden in sehr niedrigen Regionen. Wenn es um die Entwicklung von Lösungen und die aktive Mitgestaltung der Rahmenbedingungen geht, zeigen die Kolleg*innen eher wenig Interesse. Für eine zukunftsfähiges Gesundheitssystem brauchen wir allerdings genau das: Aufwind statt Gegenwind!

Eine konstruktive Diskussion in der Realität, welche auf Fakten basiert, bringt den Berufsstand voran und löst Probleme. Die Pflegekammer spielt in meinen Augen eine gewichtige Rolle bei der Professionalisierung der Pflegeberufe, jedoch ist sie nicht die Lösung aller Probleme. Essenziell wird es sein, die Energie, die momentan in Destruktivität investiert wird in Engagement umzuwandeln. Egal ob in Pflegekammer, in Berufsverbänden oder in der Gewerkschaft – Umsonst wird es keine nachhaltige Stimme der Pflegeberufe geben.

Veränderung geht nur miteinander – und die braucht es dringender denn je!

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