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Hilfe, die Roboter kommen!

Die Digitalisierung hält, wenn auch sehr langsam, Einzug in die deutschen Krankenhäuser. Eine Berufsgruppe, die besonders davon profitieren kann, sind die professionell Pflegenden. Jedoch stehen viele der Digitalisierung skeptisch gegenüber. Wie kann trotzdem eine erfolgreiche Digitalisierung gelingen?

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger im Universitätsherzzentrum Freiburg - Bad Krozingen und Vorstandsmitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Meine Wahrnehmung auf vielen Veranstaltungen zum Thema „Digitalisierung“ ist, dass Kollegen und Kolleginnen regelrecht Angst davor haben, bald vollständig durch einen Roboter ersetzt zu werden. Anfangs empfand ich das als völlig unbegründet und übertrieben, wie in den Gesprächen teils postapokalyptische Science-Fiction-Szenarien skizziert wurden, in welche uns die der digitale Wandel bringen könnte.

Ist die Smartwatch die bessere Pflegekraft?

Bei genauerem Hinsehen basieren diese, scheinbar völlig irrationalen, Befürchtungen auf durchaus begründeten Annahmen. Die professionelle Pflege hat in den letzten Jahrzehnten die Erfahrung gemacht, bei der ersten Gelegenheit wegrationalisiert zu werden, sobald eine „günstigere“ Alternative verfügbar ist. Für viele stellt die Digitalisierung so eine Gefahr da. Titelseiten zum Thema bilden meistens Roboter ab, deren programmierbares Potenzial unendlich zu sein scheint. Jede Smartwatch prahlt damit, die gemessenen Vitalwerte bis ins kleinste Detail interpretieren zu können und daraus die perfekte Handlungsempfehlung für den Benutzer abzuleiten. Ist also wirklich jede Uhr besser als mindestens 3 Jahre Ausbildung? Sind wir wirklich so leicht zu ersetzen?

Digitalisierung heißt nicht ersetzen, sondern erleichtern

Professionelle Pflege ist mehr als das reine Auswerten von Zahlen und Daten. Monitore und Wearables machen nur wahrnehmbar, was wir mit bloßem Auge nicht sehen können. Professionelle Pflege hingegen orientiert sich an beidem: dem klinischen Bild des Patienten und den dazugehörigen Werten, um entsprechende Handlungen daraus abzuleiten. Eine sinnvoll gestaltete digitale Transformation unserer Arbeitsumgebung birgt das Potenzial, durch Arbeitserleichterung bei z.B. administrativen Arbeitsprozessen, zeitliche Ressourcen freizusetzen, die für die Arbeit an und mit dem Patienten genutzt werden kann. Digitalisierung sollte als Fokus haben, Arbeitsprozesse zu überdenken, Bedarfe zu identifizieren und die direkt betroffene Berufsgruppe miteinzubinden. Wenn bestehende Prozesse nicht evaluiert werden, sondern lediglich eine digitale Blaupause von ihnen erstellt wird, hält sich der Gewinn mutmaßlich in Grenzen.

Digitalisierung von oben herab wird scheitern

Wenn der Digitalisierungsprozess hierarchisch von oben herab geplant und durchgeführt wird, ist die Gefahr groß, dass die Akzeptanz gegenüber den Veränderungen sehr gering ist und sich so Frustration verbreitet. Letztendlich müssen diejenigen das letzte Wort haben, welche die Veränderung ausbaden müssen, denn: Wer um der Digitalisierungs Willen digitalisiert, wird mit seinem Vorhaben scheitern. 

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