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kma Entscheider BlogSchülermitverwaltung? Was Prof. Hecken von der Pflege hält

Während der Pandemie galt die professionelle Pflege als Leistungsträger. Im neuen Koalitionsvertrag sollte sie nun mit einer Stärkung innerhalb des G-BA gewürdigt werden. Die aktuellen Äußerungen von Prof. Josef Hecken offenbaren jedoch einiges an Geringschätzung.

Peter Bechtel

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Der Kampf um politische Mit- und Selbstbestimmung der professionellen Pflege war in den vergangenen Jahren sehr unruhiges Fahrwasser. Oft ging es einige Schritte nach vorne, beispielsweise durch die Gründung von drei Landespflegekammern und wenig später fast dieselbe Anzahl von Schritten wieder zurück, durch die Auflösung der Kammern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Leider hat die tief gespaltene Berufsgruppe selbst einen großen Anteil daran, dass sie politisch nicht vorankommt. Jedoch sind meist auch die politischen Bemühungen nicht von großem Nachdruck geprägt.

Regierungskommission für moderne Krankenhausversorgung ohne Pflegemanagement

Anfang Mai hat der Gesundheitsminister die Mitglieder der Regierungskommission, welche die Krankenhausstrukturreform mitgestalten soll, vorgestellt. Neben der Tatsache, dass die professionelle Pflege mit nur einem Mitglied quantitativ unterrepräsentiert ist, sucht man nach einem Experten für Pflegemanagement vergebens.

Wie sich eine „moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ ohne die Managementkompetenz derer, welche mit dem Fachkräftemangel in den Pflegeberufen, eine der größten Bedrohungen für eben diese, gestalten lassen soll, bleibt rätselhaft. Statt die professionelle Pflege aktiv mit einzubinden, wird hier wieder eine Chance verschenkt, die Weichen für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Versorgung zu stellen.

Wird der G-BA mit dem Deutschen Pflegerat zur „Schülermitverwaltung“?

Die Regierungskoalition möchte den DPR als Stimme der Pflege im G-BA installieren. Leider steht im Koalitionsvertrag nicht, ob dieser auch ein Stimmrecht erhalten soll. Prof. Josef Hecken hat sich bereits dagegen ausgesprochen, da er befürchtet, der G-BA würde dadurch zur „Schülermitverwaltung“ und durch die höhere Zahl der Mitwirkenden würde die Arbeit „verwässert“. Ganz nebenbei versucht der G-BA aktuell die generalistische Pflegeausbildung als unzureichend für bestimmte Bereiche in der Pädiatrie einzustufen und diese durch Richtlinien zu Vertiefungseinsätzen zu verändern.

Auf der einen Seite die Mitbestimmung der Pflege abzulehnen, während auf der anderen versucht wird, die praktische Ausbildung in der Pflege zu verändern, ist schon ein starkes Stück, selbst wenn man davon absieht, dass der Vergleich mit der Schülermitverantwortung mehr Geringschätzung für die Pflege offenbart, als es Prof. Hecken lieb sein kann.

Professionelle Pflege ist eine Chance – keine Hürde!

Statt eine Verwässerung der Arbeit im G-BA durch die Integration des DPR mit Stimmrecht zu befürchten, sehe ich dies als Chance die Kompetenzen zu konzentrieren. Zukunftsweisende Entscheidungen ohne die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen zu treffen, ist weder sinnvoll noch gerecht. Oder um Prof. Heckens Schulmetapher zu bleiben: Ein Musterschüler hat vermutlich noch keiner Schülermitverwaltung geschadet!

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