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Der kma Entscheider-Blog

kma Entscheider BlogSind wir gerüstet für 575.000 Pflegecomebacks in Coronazeiten?

Die Schlagzeilen zu Corona und den Auswirkungen überschlagen sich weltweit jeden Tag. Aber auch in dieser Krise steckt eine Chance, vor allem für Arbeitgebermarken. Bis zu 575 000 Pflegekräfte könnten als Rückkehrer reaktiviert werden, wenn wir es vernünftig anstellen auch dauerhaft. Nutzen wir diese einmalige Chance.

Martin Camphausen
Falco Peters/JP|KOM
Martin Camphausen, ehemaliger Leiter Marketing und Employer Branding bei der Klinikverbund Südwest GmbH.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die Pflege viel ausgehalten. Oder besser gesagt: Einige haben es ausgehalten, andere nicht. Sie sind entweder nicht mehr aus der Elternzeit zurückgekommen oder nach einer inneren Grundsatzentscheidung aus dem Job ausgestiegen. Man kann es verstehen, denn auch heute noch sind die Voraussetzungen für ein Arbeiten auf Augenhöhe in vielen Fällen nicht gegeben. Weiterhin stehen Ärzte über Pflegekräften. Wenn nicht formell, dann auf jeden Fall informell. Und das ist falsch, denn hierin steckt die eigentliche Wertschätzung. Aber auch strukturelle Voraussetzungen wurden lange Zeit nur kritisch diskutiert, aber nicht aufgehoben: Überbordende Dokumentationspflicht, zu viel Micromanagement, der Streitpunkt angemessener Bezahlung und zu wenig Zeit für die Patienten allgemein.

Leergefegte Märkte und Corona

Es wird im Klinikwesen immer von leergefegten Märkten gesprochen. Das ist nicht falsch, aber die Handlungen werden wiederum auch nicht danach ausgerichtet. Jahrelang wird alles schlechtgeredet oder nichts getan und jetzt wollen wir in Deutschland millionenfach Freiwillige begeistern, einen gesellschaftlichen Beitrag zur Bewältigung der Coronakrise zu liefern – einen Großteil davon im Pflegebereich. Wir dürfen nicht wieder in Ankündigungen enden. Die Anreize und Bedingungen müssen stimmen. Nicht als „das machen wir nach der Krise“, sondern jetzt. In wenigen Wochen sind gigantische Programme entstanden, die Politik hat in Windeseile Milliardenpakete geschnürt und rausgegeben. Die Pflege darf jetzt nicht wieder auf nach der Krise vertröstet werden – aber auch die Krankenhäuser allgemein nicht.  

Prämienzahlungen reichen nicht

Es hilft auch nicht, wenn einzelne Bundesländer mit steuerfreien Bonuszahlungen vorpreschen. Das ist gut und richtig für alle, die dieses Geld bekommen. Corona interessiert sich aber nicht für unsere föderale Struktur. Zuschläge und Einmalzahlungen sind nur ein Tropfen auf den glühenden Stein. Sie helfen vor allem nicht, den Job für Pflegecomebacks statt Interimsaushilfen interessanter zu machen. Aber Geld allein wird auch nicht helfen, egal, wie viel obendrauf kommen wird. Die Bedingungen der Pflege müssen verbessert werden. Klar, wir reden mittlerweile noch ernster darüber als vorher. Aber das hört die Pflege seit Jahrzehnten. Auf die oft gestellt Frage: „Können wir uns das leisten?“ möchte man antworten: „Wir sollten!“. Und ganz nebenbei werden wir müssen.  

Ein Stern geht am Himmel auf?

Die vielen Freiwilligen, die derzeit rekrutiert werden, gehen hoffentlich in einigen Wochen wieder anderen Dingen nach. Für Rückkehrer jedoch gibt es nur ein Ziel: Sie müssen dauerhaft in der Pflege gehalten werden, und das ist Employer Branding-Aufgabe. Schön, dass es nun Initiativen wie „Pflegesterne“ und Co. gibt, mit denen über Plattformlösungen die Rückkehr von Pflegekräften in den Beruf koordiniert werden soll. Um den Stern anschließend aber wirklich aufgehen zu lassen, müssen zwei Dinge geklärt sein: Zum einen ein vernünftiges Onboarding und zum anderen die Behandlung als Teammitglied, nicht als Angestellte auf Zeit. Sagen wir den systemrelevanten Berufen nicht, dass sie systemrelevant sind. Zeigen wir es ihnen.

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