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kma Entscheider BlogTrinkwasserhygiene birgt unterschätzte Gefahren für Klinikbetreiber

Wer sich in einer Klinik aufhält, hat bereits mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen. Umso wichtiger ist eine hygienische Trinkwasserqualität vor Ort. Leider erfährt das Thema Wasserqualität im Healthcarebereich jedoch noch lange nicht die Bedeutung, die es verdient.

Privat

Christian Krohne ist Inhaber von Krohne Public Relations und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Wenn von der Digitalisierung im Gesundheitswesen die Rede ist, denkt man in erster Linie an die großen Projekte unserer Zeit: elektronische Rezepte, Digitale Gesundheitsanwendungen und die Telematikinfrastruktur. Bisher kaum auf dem Radar, jedoch von eklatanter Wichtigkeit ist das Thema „Erhalt und Verbesserung der Trinkwasserhygiene mittels digitaler Prozesse“.

Mehr Digitalisierung in Kliniken

Das im Oktober in Kraft getretene Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) ist das Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Stärkung von Kliniken. Für deren Modernisierung und Digitalisierung inklusive dem besseren Schutz vor Cyberangriffen stellt der Bund eine knapp 3 Milliarden Euro schwere Finanzspritze (Aufstockung durch die Länder um circa 1,3 Milliarden Euro auf insgesamt 4,3 Milliarden Euro) zur Verfügung.

Investitionen haben die Kliniken auch bitter nötig. Jeder, der in irgendeiner Form mit Kliniken und Pflegeeinrichtungen zu tun hat, dürfte genau über die zum Teil stark veralteten technischen Instrumente wissen, wenn überhaupt welche genutzt werden. Häufig findet gerade im Pflegebereich das Patientenmanagement noch ganz klassisch mit Klemmbrett und Zettel statt. Daten aus Visite und Co. werden nachträglich händisch in die Verwaltungssysteme eingetragen. Nicht gerade effizient und eine tragfähige Lösung für die Zukunft schon gar nicht. 

Dementsprechend wichtig ist es, dass die Infrastruktur der deutschen Kliniklandschaft endlich ein erstes großflächiges Update erhält. Allerdings sollte der Fokus hierbei nicht nur auf die Digitalisierung von Arbeitsprozessen gelegt werden, sondern auch auf die Verbesserung der Hygienestandards. Auf sie kommt es mindestens genauso an. 

Saubere Trinkwasserhygiene in Kliniken ist das A und O

Es ist durchaus überraschend, dass die Sicherstellung höchster hygienischer Standards nicht viel prominenter diskutiert wird. Gerade im Zuge der anhaltenden Pandemie ist zwar viel von Maßnahmen und Entwicklungen zu lesen, welche die physische Präsenz von Menschen zumindest weitgehend obsolet machen. Aber was ist mit denjenigen, die ihre Arbeit eben nicht aus dem geschützten Homeoffice heraus erledigen können, sondern sich um unser gesundheitliches Wohlergehen kümmern? 

Menschen, die in Kliniken und Pflegeeinrichtungen täglich mit schwerkranken Patienten zu tun haben, gefährlichen Keimen ausgesetzt sind und dementsprechend abhängig von einer sauberen und keimfreien Wasserversorgung sind. Besondere Bedeutung kommt hier in erster Linie der Trinkwasserinstallation im Gebäude zu.

Initiativen wie die Partner für Wasser e.V. weisen bereits seit Jahren darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Krankenhausinfektionen und Problemen mit veralteten Trinkwasseranlagen noch immer stark unterschätzt wird und dringend angegangen werden muss.

So gibt eine Krankenhausstudie von 2016 Rückschlüsse darauf, dass selbst Kliniken, die seit weniger als zehn Jahren in Betrieb sind, Leckagen im Warm- oder Kaltwassersystem aufweisen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde nur knapp die Hälfte aller Trinkwasseranlagen in Krankenhäusern einem Audit unterzogen. Dass sich die Zustände in den letzten vier Jahren wesentlich verbessert haben, dürfte bezweifelt werden. 

Umso überraschender ist deshalb, dass nur so wenige Kliniken das Thema ernst zu nehmen scheinen, obwohl Klinik-Betreiber für Mängel haftbar gemacht werden können!

Was es für eine hygienisch einwandfreie Wasserversorgung braucht

Bis zur Übergabe am Wasserzähler des Gebäudes gewährleisten die Versorger die Trinkwasserqualität. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt der Betreiber einer Trinkwasserinstallation die volle Verantwortung. Dieses Bewusstsein zu schärfen und dafür zu sensibilisieren, ist eine Daueraufgabe. 

Jeder Betreiber sollte auf Anhieb diese vier Dinge vorlegen können: 

  1. Hygieneplan
  2. Instandhaltungsplan
  3. Raumbuch
  4. Ausführungszeichnungen

Kann das nicht geleistet werden, ist bereits Gefahr in Verzug. Solange es zu keiner Leckage kommt, entsteht zunächst kein Problem. Im Falle einer Trinkwasseranlagen-Havarie allerdings können schwerwiegende Konsequenzen auftreten und ohnehin geschwächte Menschen in einem Krankenhaus ernsthaft gefährden.

Auch bei der Trinkwasserhygiene lässt sich digital einiges steuern

Klinikmanager sollten den Risiken einer mangelhaften Trinkwasserhygiene in ihren Häusern also dringend Beachtung schenken. Immerhin lassen sich zahlreiche Prozesse der Trinkwasserversorgung inzwischen problemlos digital steuern. So wurden für Kliniken bereits Lösungen entwickelt, die beispielsweise digitales Leitungs-Monitoring, berührungslose, elektronische Armaturen, digitale Meldesysteme oder elektronische Temperatur- und Durchlaufkontrollen ermöglichen. 

Es gilt nun also die zur Verfügung stehenden Fördermittel so zu verwenden, dass die Kliniken nicht nur mit Zukunftstechnologien ausgestattet werden, sondern auch die Infrastruktur dem so dringenden Update unterzogen wird.

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