Vielerorts sind ganze Stationen abhängig von Leiharbeitern. Diese bringen leider oft auch viele Nachteile mit sich: Hohe Personalkosten, immer wieder neue Einarbeitungszeit durch häufige Personalwechsel und steigende Unzufriedenheit beim „Bestandspersonal“ durch ungleiche Bezahlung und Dienstplanung, sind einige der Kritikpunkte, die Kliniken gegen den Einsatz von Leasingkräften. Und doch geht es aufgrund des eklatanten Fachkräftemangels nicht mehr ohne sie. Dass es soweit gekommen ist, hat vielfältige Gründe, die zu nennen den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Ein gewichtiger ist allerdings, dass viele Kliniken jahrzehntelang verpasst haben, Maßnahmen zu ergreifen, ein attraktiver Arbeitgeber für Fachkräfte zu werden. Zu lange war man der Überzeugung, gut ausgebildete Fachkräfte seien eine Selbstverständlichkeit. Jetzt bekommen Sie die Quittung.
Das man aufgrund der strukturellen Gegebenheiten finanziell nicht unbedingt mit Leasingfirmen mithalten kann ist klar, was das Gehaltsniveau in der Pflege nicht entschuldigen soll. Jedoch bleiben andere Möglichkeiten eine effektive Personalentwicklung zu betreiben, um als Arbeitgeber konkurrenzfähig zu bleiben. Ein gewichtiges Argument für den Wechsel in eine Leasingfirma stellt die Flexibilität bei der Dienstplanung dar. Dort können Arbeitnehmer detailliert angeben, wann Sie arbeiten möchten, was es dann für den Leasingnehmer zu berücksichtigen gilt. Für Kliniken wäre es ein Leichtes, diese Flexibilität zu einem großen Teil ebenfalls zu gewährleisten.
Offenheit statt Ignoranz
Wer jetzt denkt, das ginge mit einem deutlich höheren administrativen Aufwand einher, der täuscht sich gewaltig. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Es gibt einige sehr erfolgreiche Projekte, wo die Beschäftigten ihren Dienstplan selbst schreiben. Selbst mit mehreren Qualifikationsstufen auf einer Intensivstation brachte das Projekt sehr gute Ergebnisse hervor: Über 80% der Schichten waren mit Personal besetzt, welches die erforderlichen Qualifikationen erfüllten. Darüber hinaus gibt es einige andere Punkte, welche fernab des finanziellen Aspektes eine anziehende Wirkung auf Fachkräfte haben. Diese reichen vom Angebot zur psychosozialen Betreuung, wie Supervisionen über regelmäßige Teambuildingmaßnahmen und eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre. Besonders für Pflegekräfte gilt es, einen Karriereweg aufzeigen zu können. Eine offensichtliche berufliche Sackgasse ist nicht attraktiv!
Bei Leasingfirmen nach politischer Regulation zu rufen, um z.B. Gehaltsdimensionen einzudämmen, sich jedoch bei Personaluntergrenzen über den Eingriff der Politik ins Gesundheitswesen zu beklagen, erscheint mir doch etwas paradox. Letztendlich sind all diese Maßnahmen nur die Folge einer langen Liste von Fehlern, die in der Vergangenheit begangen wurden. Dabei können wir eigentlich viel von Anderen Lernen - Voraussetzung dafür ist allerdings Offenheit statt Ignoranz.


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