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kma Entscheider BlogZukunft der Krankenhausversorgung wird ohne Pflege gestaltet

In der von Prof. Lauterbach vorgestellten „Kommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ ist die professionelle Pflege, gemessen an der Größe der Berufsgruppe, stark unterrepräsentiert. Ein fatales Signal.

Peter Bechtel

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Während der Hochphasen der Pandemie wurde stets die Bedeutung der Pflegeberufe hervorgehoben. Kein Polit Talk verging ohne, dass das (Un-)Wort „systemrelevant“ fiel. Kein Wunder, denn zusammen mit den Kollegen der anderen Gesundheitsfachberufen stand die professionelle Pflege wie selten zuvor im medialen Rampenlicht. Bilder von weinenden Kolleg*innen mit Druckstellen der FFP-Masken im Gesicht liefen regelmäßig über die Bildschirme. Jetzt, wo die Hospitalisierungsraten bei Covidinfektionen gering sind, sieht man kaum noch Kolleg*innen im Fernsehen und das obwohl in NRW seit acht Wochen die Universitätskliniken bestreikt werden.

Politisch und medial aus dem Rampenlicht

Wie stark auch das politische Interesse an der professionellen Pflege abgenommen hat, zeigt die Zusammenstellung der Kommission von Gesundheitsminister Lauterbach. Nur ein Mitglied bringt überhaupt pflegefachliche Expertise in das Gremium ein. Das Pflegemanagement ist gänzlich außen vor. Fahrlässig angesichts der Tatsache, dass die Entwicklung zukünftiger Versorgungskonzepte mit der Personalsituation in der professionellen Pflege steht und fällt. Dies betrifft nicht nur das klinische Setting, sondern insbesondere auch Rehabilitation und ambulante Versorgung. Ist die poststationäre Versorgung nichts gewährleistet, kommen die Kliniken schnell an Ihre Grenzen.

Die professionelle Pflege im blinden Fleck der politischen Mitgestaltung

Leider scheint es inzwischen Usus zu sein, politische Mitgestaltung der professionellen Pflege zu übersehen. Vielversprechende und politisch eigentlich bereits beschlossene Projekte wie die Pflegekammer in Baden-Württemberg werden immer wieder aufgeschoben und ignoriert. Bereits bestehende oder sich im Aufbau befindende Institutionen zur politischen Mitbestimmung wie der Pflegekammern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein werden aufgrund von Widerstand einiger rückwärtsgewandter Kolleg*innen direkt fallen gelassen.

Nun soll also ohne das Management der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen eine „moderne und bedarfsgerecht Krankenhausversorgung“ entwickelt werden. Da kann man den Mitgliedern der Kommission nur viel Glück wünschen. Sie werden es brauchen!

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