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Patient JourneyVon Termin bis Therapie – KI in Patientenportalen macht‘s möglich

In den Asklepios Kliniken übernimmt jetzt die KI das Telefon: Mit intelligenten Assistenten sparen die Kliniken so viele Stunden Anrufzeit und entlasten ihr Personal. KI in Patientenportalen kann aber noch viel mehr.

KI-Telefonassistent
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KI-Telefonassistent zur verbindlichen Terminvereinbarung im Einsatz.

Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) wird die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern unter anderem durch die Einführung von Patientenportalen (Fördertatbestand 2) entscheidend vorangetrieben. Die Portale reduzieren den Kommunikationsaufwand und verschaffen den Behandlerinnen und Behandlern, mehr Zeit für die Patientenbetreuung. Das Ziel: Informationen schneller und qualitativ hochwertiger auszutauschen, um durch eine klare und präzise Kommunikation zwischen Patientinnen und Patienten, Krankenhaus und weiteren Leistungserbringern die Versorgungsqualität zu verbessern.

Für die erfolgreiche Einführung eines Patientenportals ist ein grundlegendes Verständnis für die Prozesse im Krankenhaus ebenso entscheidend wie die Berücksichtigung anwenderspezifischer Bedürfnisse.

Der Balanceakt ist dabei, sowohl den individuellen Digitalisierungsanforderungen der Krankenhäuser als auch den gesetzlichen Vorgaben im Rahmen der KHZG-Förderung gerecht zu werden. Für die erfolgreiche Einführung eines Patientenportals ist daher ein grundlegendes Verständnis für die Prozesse im Krankenhaus ebenso entscheidend wie die Berücksichtigung anwenderspezifischer Bedürfnisse. Erste Erfolge werden in der Umsetzung bereits sichtbar, wie auch die zweite Erhebung des DigitalRadar Krankenhaus bestätigt. Seit 2022 hat die digitale Reife in deutschen Krankenhäusern um 27 Prozent zugenommen.

KI-Potentiale im Patientenportal

Künstliche Intelligenz (KI) kann dank der gesetzlich beschleunigten Einführung der digitalen Patientenportale schon in verschiedenen Bereichen schnell und pragmatisch eingesetzt werden. Dadurch verbessert sie die Gesundheitsversorgung, die Arbeitsbedingungen des Klinikpersonals sowie den Service für Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung: Im Aufnahmemanagement können KI-gestützte Anamnesetools Patienten individuell unterstützen und die wesentlichen Inhalte für Ärzte zusammenzufassen. Auch optimierte Terminvergaben durch Auslastungsprognosen und Berechnung der minimalen Wartezeit sind möglich. Zudem können „Predictive Analytics“ zur Früherkennung von Notfällen anhand von Vitaldaten und triagebasierter KI-Entscheidungsunterstützung verwendet werden.

Im Behandlungsmanagement unterstützen KI-Anwendungen klinische Entscheidungsprozesse durch evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapieoptimierung. Bei der Medikation kann KI Wechselwirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen vorhersagen. Zudem unterstützen KI-basierte Systeme die Ärzte bei der digitalen Dokumentation durch strukturierte Erfassung und Analyse von Behandlungsdaten. Chatbots und Sprachassistenten ermöglichen rund um die Uhr automatisierte, personalisierte Antworten auf Fragen von Patienten. Für eine nahtlose Weiterbehandlung kommt KI im Entlassmanagement zum Beispiel zur Erstellung von Entlassbriefen sowie zur Priorisierung und patientengerechten Aufbereitung von Informationen zum Einsatz.

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Anwendungsfall in der Patientenaufnahme

Ein konkretes Beispiel von KI-Integration im Patientenportal ist der Einsatz eines KI-gestützten Telefonassistenten. Natural Language Processing (NLP) wandelt dabei gesprochene Sprache in Text um, während Large Language Model (LLM)-Technologien die Bedeutung der Anfragen erfassen und interpretieren. Für natürliche und patientenfreundliche Dialoge sorgen fortschrittliche Modelle zur Sprachsynthese (Text-to-Speech). Integriert in den Echtzeit-Terminkalender im Krankenhaus wird Patienten eine schnelle, einfache und barrierefreie Terminvereinbarung ermöglicht, wobei zusätzlich die aktuelle Auslastung und die individuellen Vorgaben jeder Fachklinik zur Patientenaufnahme berücksichtigt werden.

Der Assistent verarbeitet Anrufe selbstständig, reduziert das Anrufvolumen und sorgt für effizientere Arbeitsabläufe.

Neben dem Online-Zugang im Patientenportal steht ein weiterer Kontaktweg zur Verfügung. Durch die Automatisierung der Terminprozesse wird das Personal deutlich entlastet, da Routineanfragen wegfallen. Der Assistent verarbeitet Anrufe selbstständig, reduziert das Anrufvolumen und sorgt für effizientere Arbeitsabläufe.

KI-basierter Telefonassistent bei Asklepios

Die Asklepios Kliniken haben bereits ein Spektrum digitaler Lösungen integriert – von digitalem Terminmanagement und Videosprechstunden über interdisziplinäre Tumorkonferenzen bis hin zu robotergestützten OPs. Zudem stehen neue Lösungen wie Big Data und KI im Fokus. An verschiedenen Standorten kommt bereits ein KI-basierter Telefonassistent des Nürnberger Unternehmens Vitas zum Einsatz, der die Anrufbelastung für das Personal reduziert. Kombiniert mit der E-Health-Software Samedi vergibt der Telefonassistent verbindlich Termine und beantwortet Routineanfragen. Allein in der Klinik St. Georg in Hamburg werden monatlich über 3000 Anrufe vom Telefonassistenten bearbeitet, wodurch etwa 100 Stunden Anrufzeit eingespart werden.

Ablauf einer Terminbuchung mit dem Telefonassistenten

Ein Patient ruft an, um einen Termin zu vereinbaren und wird mit einem individuellen Text der Klinik begrüßt.

• Der Telefonassistent stellt Fragen zu Name, Geburtsdatum und Telefonnummer.

• Im Kalender erkennt der Telefonassistent auf Basis der Patienten-Präferenzen sowie der aktuellen Verfügbarkeiten und individuellen Aufnahmeregeln der Klinik verfügbare Termine und kann diese vorschlagen oder individuelle Wunschtermine berücksichtigen.

• Nach der Buchung wird der Termin automatisch in Echtzeit in den Kalender eingetragen und über ein HL7/FHIR-Gateway ins Klinikinformationssystem übertragen.

• Der Patient erhält Terminbenachrichtigungen per SMS oder E-Mail, kann im Patientenkonto den Termin verwalten oder mit der Klinik chatten.

Aktuell entwickelt eine zentrale Asklepios-Digitaleinheit gemeinsam mit Vitas und Samedi eine Innovation, die eine Patientensteuerung mittels KI standortübergreifend ermöglicht. Diese Lösung soll auch Patientenpfade und standortübergreifend eine Auslastungsoptimierung zum Vorteil des Patienten (im Rahmen eines schnelleren Termins) und der Klinik zur Vorbeugung der Überlastung ermöglichen. Hierzu plant Asklepios die Einrichtung eines Termin- und Service Centers. Ergänzend zum aktuellen Einsatz des Telefonassistenten mit Schnittstelle zum Terminkalender soll hier eine übergeordnete Anlaufstelle für Patientenanfragen entstehen. Die Herausforderung liegt dabei nicht in der technischen Anbindung, sondern darin, trotz der Komplexität einer konzernweiten Zuordnung des Anrufanliegens ein reibungsloses Nutzererlebnis zu schaffen. Gelingt dies, erhalten Anrufer zukünftig noch schneller Hilfe – unabhängig davon, ob gerade Mitarbeitende verfügbar sind, um den Anruf entgegenzunehmen.

Enorme Potentiale in der gesamten Patient Journey

Die Kontaktaufnahme und Terminabstimmung stehen am Anfang der Patient Journey und legen den Grundstein für nachfolgende Schritte. Je präziser behandlungsrelevante Informationen im Aufnahmemanagement erfasst werden – etwa durch KI-gestützte Terminvereinbarung, individualisierte Terminbenachrichtigungen und Anamnese-Erhebungen – desto reibungsloser verläuft die Behandlung. Gleichzeitig werden Patienten stärker eingebunden und besser informiert. KI-gestützte Symptom- und Krankheitserkennungssysteme können eine gezielte Leitung und Versorgung des Patienten zur richtigen Behandlung in die richtige Fachklinik ermöglichen. Vitalparameter wie beispielsweise Atemfrequenz,Herzfrequenz, EKG, Blutsauerstoffgehalt, Bewegungsmangel oder Schlafdauer, die Patienten vorab mit einer Smartwatch erfassen, können mitberücksichtigt werden und zur richtigen Aufnahme und Behandlung führen.

KI-gestützte Symptom- und Krankheitserkennungssysteme können eine gezielte Leitung und Versorgung in die richtige Fachklinik ermöglichen.

Weitere Effekte zeigen sich in der Behandlung selbst: Durch automatisierte Spracherkennung und strukturierte Datenanalyse reduziert KI den Dokumentationsaufwand für medizinisches Personal erheblich, minimiert menschliche Fehler und stellt sicher, dass Patientendaten vollständig, präzise und jederzeit verfügbar sind. In der Befundung bieten KI-Anwendungen bereits eine tiefgehende Analyse bildgebender Verfahren wie CT oder MRT. Subtilere Anzeichen schwerwiegender Erkrankungen können dank der Verarbeitung und Einbeziehung von großen Datenmengen deutlich genauer erkannt werden, was eine frühzeitige therapeutische Intervention erlaubt und die Prognose der Patientinnen und Patienten signifikant verbessert.

Eine zentrale Herausforderung liegt in der nahtlosen Integration einzelner KI-Lösungen in die komplexen klinischen Prozesse, damit die Effekte für Patienten und medizinisches Fachpersonal spürbar werden. Das Beispiel KI-gestützter Terminvereinbarung am Telefon zeigt, was bereits heute in der Praxis möglich ist, und gibt einen Ausblick auf die enormen Potentiale einer mit und durch KI intelligent vernetzten Krankenhauslandschaft.

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