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Pilotprojekt gestartetVor Ort versorgt – die neuen virtuellen Stationen von Asklepios

Asklepios behandelt Patienten jetzt auch in virtuellen Krankenhausstationen. Per Telemedizin ersparen Kliniken und Pflegeeinrichtungen Bewohnern stationäre Aufenthalte. Ein Pilotprojekt mit Potenzial, schwärmt CEO Joachim Gemmel.

Virtual Ward
Asklepios
Mit Virtual Ward wird das Bett der Pflegeeinrichtung zum Krankenhausbett – Fachärzte und Pflegefachkräfte von Asklepios übernehmen die telemedizinische Behandlung.

Es ist ein besonderes Pilotprojekt, das Asklepios jetzt in seinen Kliniken Nord - Heidberg in Hamburg und Langen in Hessen gestartet hat. Bislang bundesweit einmalig sei es, betont man in Hamburg, und CEO Joachim Gemmel schwärmt, der neue Ansatz deute an, „welches Potenzial in der sektorenübergreifenden Versorgung steckt“. Es geht um virtuelle Krankenhausstationen, sogenannte Virtual Ward, die Bewohnern von Pflegeeinrichtungen künftig physisch stationäre Klinikaufenthalte ersparen sollen.

Dazu kooperiert Asklepios mit Pflegeeinrichtungen sowie zahlreichen Partnern wie Krankenkassen und dem Telemonitoring-Anbieter Doccla. Die Idee: Das Bett der Pflegeeinrichtung wird zum Krankenhausbett. „Das Programm bringt stationäre Krankenhausversorgung direkt in die Pflegeeinrichtung“, erklärt Asklepios-CMO PD Dr. Sara Sheikhzadeh, die Initiatorin der Projekte.

Die Patienten sollen Behandlungen auf klinischem Niveau erhalten, „ohne das Krankenhaus dauerhaft betreten zu müssen“. Möglich machen das regelmäßige Videovisiten und Telemonitoring. „Unser Ziel ist es, Versorgung dort anbieten zu können, wo sie auch wirklich gebraucht wird, und nicht dort, wo das Bett gerade frei ist“, sagt Sheikhzadeh.

Das Pilotprojekt hat das Zeug zum Gamechanger.

Die ersten Behandlungen auf diese Art haben jetzt stattgefunden, teilt Asklepios mit. Dabei werden Bewohner von Pflegeeinrichtungen, die einen stationären Versorgungsbedarf haben, nach der Erstversorgung in der Notaufnahme nicht physisch in der Klinik, sondern per Telemedizin in der gewohnten Umgebung ihrer Pflegeeinrichtung engmaschig betreut. Dafür sorge ein sektorenübergreifendes und multiprofessionelles Team in Klinik und Pflegeeinrichtung, so der Konzern. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt werde durch das Institut für angewandte Versorgungsforschung wissenschaftlich begleitet, und der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses stelle dafür rund 2,7 Millionen Euro bereit.

Mehrmals täglich Video-Konsultationen

Das Projekt zeige, „wie innovative Lösungen im Gesundheitswesen durch enge Kooperationen entstehen können, ohne auf zentrale Vorgaben angewiesen zu sein“, betont Joachim Gemmel. Fachärzte und Pflegefachkräfte der Asklepios Kliniken übernehmen die telemedizinische Behandlung. Dazu gehören der Mitteilung zufolge sämtliche Aspekte der stationären Versorgung im Krankenhaus, wie beispielsweise die regelmäßige Überwachung der Vitalparameter sowie mehrmals täglich stattfindende Video-Konsultationen. So werde eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleistet.

Aus Sicht von Sheikhzadeh und Gemmel profitieren das Gesundheitssystem und die Patienten gleichermaßen von der neuen Versorgungsform. Einerseits werde ein Aufenthalt im Krankenhaus vermieden, was wichtige Personalressourcen schone und die Versorgungskosten insgesamt senke. Zudem könnten Patienten in ihrer vertrauten Umgebung  bleiben, was insbesondere für ältere und kognitiv eingeschränkte Menschen ein Vorteil sei. Und schließlich profitierten Pflegeheime und Kliniken vom fachlichen Austausch und von der digitalen Vernetzung. Perspektivisch, so die Einschätzung der beteiligten Partner, könnten bundesweit 800.000 Bewohner in Pflegeeinrichtungen von virtuellen Krankenhausstationen profitieren.

Das Programm bringt stationäre Krankenhausversorgung direkt in die Pflegeeinrichtung.

Sara Sheikhzadeh
Asklepios
Sara Sheikhzadeh ist Vorständin und CMO der Asklepios Kliniken.

Das Modell der virtuellen Krankenhausstationen sei von Vorbildern im National Health Service (NHS) in Großbritannien sowie US-amerikanischen Versorgungsorganisationen abgeleitet, teilt Asklepios weiter mit. Dort hätten sich Virtual Ward beziehungsweise „Hospital at Home“-Konzepte während der Covid-19-Pandemie etabliert. Es habe sich gezeigt, dass Versorgungskosten im System dadurch reduziert werden können, „da durch die Verknüpfung der Sektoren Effizienzreserven gehoben werden können“. Die Versorgungsqualität sei mindestens gleichwertig und steige in bestimmen Aspekten sogar, da jeder vermiedene physische Krankenhausaufenthalt für die Pflegeeinrichtungsbewohner auch eine psychische Entlastung sei.

Für eine Behandlung in der Virtual Ward müssen die Pflegebedürftigen ein Krankheitsbild aufweisen, das die stationäre Behandlung erfordert, aber keinen komplizierten Verlauf erwarten lässt, erklärt Dr. Thorsten Stein, Chefarzt der Pneumologie in der Asklepios Klinik Langen. Zum Start seien Fälle wie Infektionskrankheiten, Lungen- oder Blasenentzündungen vorgesehen, die in der Regel mit Antibiotika kuriert werden können.

Verschlechtert sich der Gesundheitszustand, kann jederzeit eine Rückverlegung ins Krankenhaus erfolgen.

Für das Monitoring in den Pflegeeinrichtungen nutzen die Pflegekräfte medizinische Geräte zur Erfassung wichtiger Vitalwerte wie EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Temperatur, sagt Dr. Jochen Gehrke, Chefarzt der Klinik für Geriatrie in der Asklepios Klinik Nord. Diese Messsysteme seien mit der digitalen Plattform von Doccla verbunden, die eine sichere Datenübertragung an das Krankenhaus ermögliche. Sein Unternehmen habe mit Asklepios ein System aufgebaut, „in dem Daten direkt zwischen den Krankenhaussystemen und unserer Software ausgetauscht werden“, sagt Doccla-Geschäftsführer Stefan Zundel.

In der Klinik werden die Werte in Echtzeit ausgewertet, so Chefarzt Gehrke: „Ergänzend finden regelmäßige Videovisiten mit den behandelnden Ärzten statt.“ Grundsätzlich sei das Virtual-Ward-Team rund um die Uhr erreichbar: „Sollte sich der Gesundheitszustand verschlechtern, kann jederzeit eine Rückverlegung ins Krankenhaus erfolgen.“

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„Das Pilotprojekt VirtualWard hat das Zeug zum Gamechanger“, ist Anne-Kathrin Klemm, Vorstand des BKK Dachverbandes, überzeugt: „Weil knappe Ressourcen im Gesundheitssystem effizienter und zielgerichteter eingesetzt werden können.“ Die Pflegebedürftigen würden nicht länger als unbedingt nötig aus ihrem Umfeld gerissen, Pflegefachkräfte in Pflegeeinrichtungen erhielten im Notfall schnellere Hilfe und Unterstützung, und Krankenhäuser würden entlastet, „da sie sich voll und ganz auf geriatrische Fälle konzentrieren können, die eben nicht telemedizinisch betreut werden können“, so Klemm. Zudem müssten die Rettungsdienste weniger unnötige Fahrten unternehmen.

Das Cura Seniorencentrum Langenhorn ist einer der Kooperationspartner. „Wir haben viele Bewohner, für die schon ein kurzer Krankenhausaufenthalt zur Belastung wird“, sagt Bastian Haase, der Leiter Qualitätsmanagement. Komme eine Bewohnerin beispielsweise mit einem Verdacht auf eine leichte Blasenenentzündung ins Krankenhaus, werde sie dort zunächst untersucht und behandelt, könne durch Virtual Ward aber sehr schnell wieder in ihre vertraute Umgebung zurückkehren. „Dort messen wir regelmäßig die Vitalwerte und stimmen die Behandlung gemeinsam mit den Ärzten digital ab“, so Haase. Für die Bewohnerin bedeute das, nicht tagelang in der Klinik bleiben zu müssen – „und für uns die Möglichkeit, Sicherheit und Nähe in gewohnter Umgebung, in ihrem Zuhause, zu geben“.

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