
Im insolventen Ketteler Krankenhaus in Offenbach steht eine Schließung bevor. Im Rahmen des laufenden Sanierungsverfahrens solle die Frauenklinik neu ausgerichtet werden, heißt es in einer Mitteilung. Insbesondere werde die Schließung der Geburtsmedizin erwogen, möglicherweise bereits zum 30. Juni. Die Gynäkologie sei von dieser Veränderung nicht betroffen.
Künftig solle sich die Abteilung auf die Frauenheilkunde mit den Schwerpunkten Urogynäkologie, onkologische Gynäkologie und das Brustzentrum konzentrieren, so das Krankenhaus weiter. „Wir bedauern diesen Schritt sehr“, sagt Sanierungsgeschäftsführer Dietmar Eine. Man habe sich eine andere Lösung gewünscht, aber leider sei ein Erhalt in der aktuellen Phase der Insolvenz nicht zielführend. Die Geschäftsführung werde jetzt kurzfristig mit der Mitarbeitervertretung über eine Schließung der Geburtsmedizin sprechen. Die Mitarbeitenden in der Geburtsklinik seien bereits im Vorfeld informiert worden.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.
Generell seien geburtsmedizinische Abteilungen mit Geburtenzahlen unter 800 pro Jahr in Deutschland kaum wirtschaftlich zu führen, betonen die Verantwortlichen. Im Ketteler Krankenhaus seien die Geburten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. 2025 wurden dort demnach nur 484 Kinder geboren. Dementsprechend habe die Geburtsmedizin zuletzt ein Defizit von rund 1,1 Millionen Euro erwirtschaftet.
„Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache“, erklärt Eine. Damit das Haus langfristig eine Zukunft habe und auf einem wirtschaftlich stabilen Fundament stehe, „müssen wir uns von der Geburtsmedizin leider verabschieden“.
Die Versorgungssituation im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main sei in der Geburtsmedizin weiterhin sehr gut, betont die zweite Geschäftsführerin Angelika Heckenthaler: „Wir gehen davon aus, dass die zahlreichen größeren Geburtskliniken in der Region den Wegfall unseres Angebots gut kompensieren können.“ Das Ministerium sei mit diesen Krankenhäusern bereits im Gespräch.
Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, in dem sich das Ketteler Krankenhaus derzeit befindet, laufe unterdessen planmäßig weiter, so die Mitteilung. „Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, diesen Prozess im zweiten Quartal 2026 abschließen zu können“, sagt Philip Konen von Pluta, der die Klinik mit Dr. Christian Kaufmann als Generalhandlungsbevollmächtigter begleitet. Ziel des Verfahrens sei es, das Krankenhaus mit seiner regionalen Bedeutung zu erhalten.








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