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CTP GruppeNach vier Monaten – Geesthacht vor erneuter Insolvenz

Das Krankenhaus Geesthacht bleibt ein Problemfall. Weil das Sanierungskonzept nicht tragfähig sei, erwägt der neue Besitzer Thomas Pötzsch ein erneutes Eigenverwaltungsverfahren. Er hatte das Haus erst im Sommer aus der Insolvenz übernommen.

Sprechblase mit Fragezeichen
Dilok/stock.adobe.com
Symbolfoto

Im Juli schien alles perfekt: Das insolvente Krankenhaus Geesthacht ging an die CTP Gruppe des schleswig-holsteinischen Reeders Thomas Pötzsch, und der Schifffahrts- und Logistikunternehmer wollte es zu einem Leuchtturmprojekt im Bereich digitaler Krankenhausstrukturen entwickeln. Mittlerweile, nach nur knapp vier Monaten, ist von dem damaligen Optimismus nichts mehr übrig – und eine erneute Insolvenz des Hauses zeichnet sich ab.

„Wir müssen anerkennen, dass unser ursprünglicher Plan unter den gegebenen Voraussetzungen nicht realisierbar ist“, sagt Pötzsch heute. Ein möglicher Schritt sei ein erneutes Eigenverwaltungsverfahren, heißt es. Ein Verkauf wird offenbar ebenfalls in Erwägung gezogen. Zu den Optionen, die aktuell geprüft würden, gehöre auch, „ob ein anderer, stärker im Gesundheitswesen verankerter Träger eine geeignete Struktur besser umsetzen kann“, so Pötzsch. Mehrere Interessenten hätten hierzu bereits Gespräche aufgenommen.

Es zeigt sich, dass zentrale Grundlagen des übergebenen Konzepts nicht tragen.“

Im Falle eines erneuten Eigenverwaltungsverfahrens würde dieses ausschließlich das Krankenhaus betreffen, betonen die Verantwortlichen. Das MVZ Geesthacht sowie das Seniorenzentrum würden nach jetziger Planung nicht davon berührt. Vorsorglich sei bei der Agentur für Arbeit bereits ein Antrag auf Insolvenzgeld gestellt worden. Und für die Planung der Sanierungsschritte habe man Thomas Mulansky von der Kanzlei Mulansky + Kollegen als Sanierungsspezialisten und Generalhandlungsbevollmächtigten beauftragt.

Neuer Besitzer beklagt monatliches Defizit

Offenbar hadern die Verantwortlichen mit dem bisherigen Sanierungskonzept. Es zeige sich, „dass zentrale Grundlagen des übergebenen Konzepts nicht tragen“, erklärt Pötzsch, der den Standort seit dem 1. Juli als „Vitalcampus Geesthacht“ betreibt. CTP habe mit einer Anschubfinanzierung „im einstelligen Millionenbereich“ die Zahlungsfähigkeit des Krankenhauses wiederhergestellt und die laufende Liquidität gesichert – und angenommen, dass das Haus in der Folge „auf einem soliden wirtschaftlichen sowie medizinischen Konzept stünde, das eine kostenneutrale Tätigkeit bis mindestens zum Jahresende sicherstellt“, heißt es in einer Mitteilung.

Man muss dem Haus die notwendige Zeit zugestehen, um sich zu erholen.

Diese Argumentation des neuen Besitzers ist für den ehemaligen Sanierungsgeschäftsführer Tobias Vaasen alles andere als nachzuvollziehen. Der Manager der Hospital Management Group (HMG) war im September 2024 in Geesthacht eingestiegen, als die Johanniter die erste Insolvenz ihres damaligen Hauses einleiteten, und hat das Unternehmen im September 2025 verlassen. „Das Sanierungskonzept ist tragfähig und bietet allerbeste Chancen, um das Krankenhaus Geesthacht in eine wirtschaftlich stabile Zukunft zu führen“, erklärt Vaasen. Man müsse die begonnene Sanierungsarbeit aber konsequent fortführen „und dem Haus die notwendige Zeit zugestehen, um sich zu erholen“.

Diese Zeit hat Pötzsch offenbar nicht. Nach eingehender Prüfung und Bereinigung der Buchhaltung habe sich gezeigt, „dass wesentliche Annahmen des damaligen Sanierungsplans vor der Übernahme durch CTP nicht belastbar waren“, erklärt er. So habe das Haus nach dem Neustart ein monatliches Defizit von rund 600.000 Euro erwirtschaftet – „während das bisherige wirtschaftliche und medizinische Konzept von einer schwarzen Null bis Jahresende ausging“.

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Zudem seien prognostizierte Leistungssteigerungen von 15 Prozent unter den gegebenen Strukturen nicht erreichbar. Vielmehr lägen die Leistungszahlen bereits seit der Übernahme deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Auch angenommene Kooperationen, insbesondere mit der Vamed-Klinik zur Stärkung der Geburtshilfe, hätten sich „als nicht belastbar herausgestellt“.

Darüber hinaus erwarten die Verantwortlichen, dass sich einige Leistungsgruppen nach den Vorgaben der Landeskrankenhausplanung ab 2026 voraussichtlich nicht mehr halten lassen, weil die benötigten Leistungszahlen kaum zu erbringen seien. All das erfordere jetzt eine grundsätzliche Anpassung von Leistungsportfolio und Struktur.

Level 1i statt Wachstumskonzept?

Vaasen hält dagegen, eine Insolvenz sei immer zunächst mit einem Leistungsrückgang verbunden. Das gelte umso mehr, „da wir im Rahmen der Sanierung eine Vielzahl von Umzügen von Fachabteilungen durchzuführen hatten und dazu die Belegung aktiv zurückfahren mussten“, erklärt er.

Zudem habe das Konzept bereits gegriffen. In der bei laufendem Betrieb verlegten Geriatrie sei die Belegung deutlich gestiegen, und auch in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe hätten sich immer mehr werdende Mütter für die Entbindung angemeldet. Die neu gewonnene Chefärztin „hätte mit Sicherheit einen weiteren Leistungsanstieg in der Geburtsmedizin und der operativen Gynäkologie mit sich gebracht“, ist Vaasen überzeugt.

Nicht dieses Wachstumskonzept zu verfolgen, sondern den Standort in ein Level-1i-Haus mit einem Teil der Inneren Medizin, Geriatrie und Psychiatrie umzuwandeln, ist möglicherweise schon länger geplant. Dazu passt, dass offenbar bereits im September ein Antrag auf Mittel aus dem Transformationsfonds gestellt worden ist.

Natürlich habe ein neuer Eigentümer das Recht, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, betont Vaasen. Einen solchen Richtungswechsel allerdings so kurz nach der Übernahme zu vollziehen, „ist aus meiner Erfahrung heraus nicht sinnvoll“. Nicht nur die Gläubiger sollten darauf bauen können, dass das Konzept, dem sie zugestimmt haben, die Möglichkeit hat, Wirkung zu entfalten, argumentiert er. Der Antrag auf Level 1i jedoch sei mit einem Stopp der Maßnahmenumsetzung verbunden gewesen und habe „alles wieder zum Erliegen gebracht“.

Wir entwickeln derzeit mehrere Szenarien.

Vaasens Nachfolger Prof. Lars Timm arbeitet jetzt an einem neuen Konzept. „Wir entwickeln derzeit mehrere Szenarien“, sagt der designierte Sanierungsgeschäftsführer: „Von gezielten Effizienzmaßnahmen bis hin zu einer strukturellen Neuausrichtung auf ein modernes Versorgungskonzept mit starken ambulanten Schwerpunkten.“

Ein erneutes Verfahren in Eigenverwaltung könne den nötigen Handlungsspielraum für die Sanierung verschaffen, sind die Verantwortlichen überzeugt. Primär gehe es darum, „die Stabilität des laufenden Betriebs wiederherzustellen und zügig, aber mit der nötigen Sorgfalt operative Anpassungen zu prüfen“, erklärt Thomas Mulansky. Das Ziel bleibe die Vermeidung einer Regelinsolvenz „und der Erhalt des Standortes“.

Vitalcampus Geesthacht
Sandra Biegger
Harmonie am 1. Juli: Zum Neustart hissten Thomas Pötzsch (v.r.), der Geesthachter Bürgermeister Olaf Schulze und Sanierungsgeschäftsführer Tobias Vaasen die Flagge des Vitalcampus Geesthacht.

Tobias Vaasen betont derweil, Käufer Pötzsch habe jedes Detail des bisherigen Sanierungskonzeptes gekannt und sich „bereits vor der offiziellen Übernahme stark eingebracht“. Mitarbeitende von Pötzsch seien wochenlang täglich im Haus gewesen und hätten sich intensiv eingearbeitet. „Sämtliche Zahlen, Fakten und Analysen wurden in einem Datenraum zusammengetragen und ihm übergeben“, betont Vaasen.

Wir haben monatelang an diesem Konzept gefeilt.

Zudem sei das Sanierungskonzept kein Schnellschuss gewesen und mit dem Insolvenzteam, das aus Sanierungsexperten von WMC Healthcare, den Juristen von BRL und Vaasen bestanden habe, zusammen mit der Mitarbeitervertretung und Mitarbeitenden aus allen Berufsgruppen und Fachabteilungen entwickelt worden. „Wir haben monatelang an diesem Konzept gefeilt“, sagt Vaasen.

Das sei auch der Grund gewesen, warum man alle Gremien, das Gesundheitsministerium sowie die Gläubigerversammlung von dem Konzept habe überzeugen können, „das übrigens durch ein vom Bürgermeister beauftragtes Zweitgutachten bestätigt wurde“, so Vaasen: „Und deshalb war auch Herr Pötzsch, dem das Konzept im Rahmen des Bieterverfahrens präsentiert wurde, von dessen Tragfähigkeit überzeugt und hat sich für den Kauf entschieden.“

Als Pötzsch dann im Juli zusammen mit Vaasen und Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze die Flagge für seinen neuen Vitalcampus hisste, hatte er noch erklärt: „Die Zukunft der Gesundheit beginnt dort, wo Hightech auf Herzenswärme trifft. In Geesthacht wollen wir Schrittmacher und Zukunftsgestalter sein.“ Mittlerweile berichtet das „Hamburger Abendblatt“ mit Verweis auf die jüngste Mitarbeiterversammlung, dass intern bereits die konkrete Schließung einzelner Abteilungen verkündet worden sei.

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