
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege vorgestellt. Kernziele sind die stärkere Integration digitaler Anwendungen in den Versorgungsalltag, der systematische Ausbau hochwertiger Gesundheitsdaten sowie mehr digitale Steuerung im System.
All diese Möglichkeiten müssen wir viel stärker nutzen – als Unterstützung, denn am Ende wird immer ein Mensch die medizinischen Entscheidungen treffen.
„Digitale Innovationen müssen noch stärker in den Versorgungsalltag integriert werden“, sagte Warken bei der Vorstellung am 11. Februar in Berlin. Technologien wie KI könnten Diagnosen präzisieren, Verwaltungsprozesse beschleunigen und und große Datenmengen viel schneller verarbeiten. Gesundheitseinrichtungen könnten so spürbar entlastet werden, aber trotz allem werde „am Ende immer ein Mensch die medizinischen Entscheidungen treffen“.
ePA als „digitaler Begleiter“
Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA), so dass sie „für alle Versicherten den einfachsten Einstieg in das Gesundheitssystem bedeutet“. Sie soll über ihre Funktion als Datenspeicher hinaus zum digitalen navigatorischen Element werden. Geplant sind u. a. die Anbindung einer digitalen Ersteinschätzung, einer digitalen Terminvermittlung sowie E‑Überweisungen.
Aktuell nutzen rund vier Millionen Versicherte die ePA aktiv. Bis 2030 sollen es etwa 20 Millionen sein. Niedrigere Authentifizierungshürden, ein digital gestützter Medikationsprozess und neue Erinnerungsfunktionen sollen die Hürden senken. Auch die Ausleitung von Forschungsdaten an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) ist noch für dieses Jahr vorgesehen.
KI-Dokumentation soll bis 2028 Standard sein
Die Strategie setzt zudem stark auf Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI). Sie soll dort eingesetzt werden, wo sie Behandlungsqualität erhöht, Dokumentation erleichtert oder den Zugang zu validierten Informationen verbessert. Geplant sind sichere Testumgebungen, in denen Anwendungen systematisch erprobt und geprüft werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf KI-gestützter Dokumentation: Diese soll bis 2028 in mehr als 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen aktiv genutzt werden. Das soll insbesondere Pflegekräfte und medizinisches Personal administrativ entlasten.
Gesundheitsdaten für Versorgung und Forschung
Damit Gesundheitsdaten künftig besser nutzbar werden, soll ihre strukturierte und standardisierte Erfassung weiter forciert werden. Das FDZ wird dafür „KI‑fähig“ ausgebaut und an den Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) angebunden. Die europaweite Verfügbarkeit von Daten soll Versorgung, Forschung und nicht zuletzt den Innovationsstandort Deutschland stärken.
Die Strategie hält am Ziel fest, bis Ende 2026 mindestens 300 Forschungsvorhaben mit FDZ-Daten zu ermöglichen.
TI-Ausbau und mehr Durchgriffsrechte für Gematik
Voraussetzung für leistungsfähige digitale Anwendungen bleibt weiterhin die Telematikinfrastruktur (TI). Die Komplexität der TI soll reduziert werden, um Störanfälligkeiten zu verringern. Geplant sind u. a. mobiler Zugriff für Leistungserbringende sowie ein digitaler Check-In für Patientinnen und Patienten.
Die Gematik soll als zentrale Instanz gestärkt werden und erhält dafür mehr Durchgriffsrechte, um Standards und Regelungen künftig konsequenter durchsetzen zu können.
Gesetzesentwurf im ersten Quartal 2026
Bereits im ersten Quartal 2026 will das BMG einen Referentenentwurf für ein „Gesetz für digitale Versorgung und den Gesundheitsdatenraum“ vorlegen. Dieser soll zentrale Vorhaben der Strategie gesetzlich verankern.
Detaillierte Informationen und die Strategie zum Download: www.bundesgesundheitsministerium.de/digitalisierungsstrategie










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