
An diesem Schritt kam die katholische Ordensgemeinschaft der Cellitinnen nicht vorbei: Zum 1. Januar 2023 schlossen sich die Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria mit dem Stiftung der Cellitinnen e.V. zur Stiftung der Cellitinnen zusammen. Unter dem Dach des neuen Trägerverbunds arbeiten über 13 800 Mitarbeitende an rund 90 Standorten. Dazu gehören Kranken- und Seniorenhäuser, Einrichtungen der Psychiatrie, Therapie und Rehabilitation, der Behindertenhilfe sowie Service und Dienstleistungsgesellschaften.
Die Krankenhäuser sind in der neuen Hospitalvereinigung der Cellitinnen zusammengefaßt. Die vorherige Hospitalvereinigung war in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, was das Zusammengehen und eine Neuausrichtung erforderlich machte.
Hospitalvereinigung der Cellitinnen GmbH
Mit dem Zusammenschluss der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria, Köln, Mehrheitseigentümerin der Hospitalvereinigung St. Marien GmbH, und der Stiftung der Cellitinnen e.V., Köln, entstand auch die neue Hospitalvereinigung der Cellitinnen GmbH (vormals: Hospitalvereinigung St. Marien GmbH). Durch die neue Struktur sind nun 14 Krankenhäuser unter dem Dach. Das Versorgungsgebiet ist auf das gesamte linksrheinische Gebiet ausgeweitet und verfügt über Synergiepotenziale in allen Bereichen, die es zu heben gilt.
2021 und 2022 lag das EBT der früheren Hospitalvereinigung St. Marien unter der Nulllinie. Auch die Ertragskraft anderer Häuser der Stiftung, wie des gemeinnützigen St. Antonius Krankenhauses und der Augustinerinnen Krankenhäuser in Köln, war vermutlich nicht zufriedenstellend. Darauf weisen zumindest die Konzernzahlen der neuen Hospitalvereinigung hin: Im ersten Jahr ihrer Gründung ist der Umsatz um 48,7 Prozent auf 801,2 Millionen Euro gestiegen. Die Ertragskennzahlen waren jedoch wenig beeindruckend, aus folgenden Gründen: Im Umsatz konnten elf Millionen Euro an Ausgleichsbeträgen für frühere Geschäftsjahre verbucht werden. Das sonstige betriebliche Ergebnis profitierte von krankenhausindividuellen Ausgleichszahlungen in Höhe von 21,9 Millionen Euro sowie der Auflösung eines negativen Unterschiedsbetrags aus der Kapitalkonsolidierung in Höhe von 10,6 Millionen Euro. Damit verlieren auch die Steigerungen des EBITDA um 85,5 Prozent auf 33,9 Millionen Euro, des EBIT von minus 0,4 auf plus 5,5 Millionen Euro und des EBT von minus 2,8 auf plus 2,9 Millionen Euro an Aussagekraft.
Bereinigt um die oben genannten Effekte wäre das Ergebnis 2023 unter dem Strich rot ausgefallen. Vor dem Hintergrund der Annahme, dass 2024 keine Einmalerträge wie 2023 verbucht werden können, erwartet das Management für 2024 auch einen Konzernverlust von 12,2 Millionen Euro.
2025 sind bessere Zahlen zu erwarten
Trotz dieser auf den ersten Blick ernüchternden Zahlen sind die Potenziale und Perspektiven vielversprechend. Denn der Zusammenschluss der Unternehmen fand 2023 statt, so dass die Synergiepotenziale erst in den kommenden Jahren zu realisieren sind. Vorteile sind hier sowohl auf der Erlös- als auch Kostenseite zu erwarten.
Positiv sind die auch nach dem Zusammenschluss soliden bilanziellen Verhältnisse: Das konsolidierungsbedingt von 419 auf 620 Millionen Euro gestiegene Vermögen bestand 2023 zu 10 Prozent (2022 waren es 8 Prozent) aus liquiden Mittel. Es war zu 20 Prozent (2022: 18 Prozent) eigenfinanziert, zu 20 Prozent (2022: 19 Prozent) fördermittel- und zu 25 Prozent (2022: 32 Prozent) bankenfinanziert. Liquiditätsprobleme erwartet das Management trotz der erwarteten Verluste 2024 bis 2025 nicht.
Schön Klinik: 77,5 Millionen Euro Konsolidierungsertrag 2023
Weiterhin sehr positiv entwickelte sich 2023 die Schön Klinik SE, ein privater Betreiber von 15 Kliniken, 13 Tageskliniken, elf MVZ, sechs Instituten und vier Ambulanzen (Stand: 2023). Daneben werden noch drei Kliniken in Großbritannien mit dem Fokus auf „Mental Health“ sowie die digitale Klinik MindDoc zur Durchführung videobasierter Psychotherapie betrieben.
Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2023 zeigen einen Umsatzanstieg von 9,7 Prozent auf 1098,1 Millionen Euro und einen überdurchschnittlichen Ergebnisanstieg auf allen Ebenen der Gewinn- und Verlustrechnung: Das EBITDA stieg um 17,3 Prozent auf 161,6 Millionen Euro, das EBIT um 31,9 Prozent auf 97,4 Millionen Euro, das EBT bzw. EAT um 10,5 bzw. 21,5 Prozent auf 53,9 bzw. 45,8 Millionen Euro.
Zurückzuführen war dieses Plus allerdings auf die Erstkonsolidierung der Imland-Kliniken Mitte des Jahres 2023, die anteilig seit Erwerbszeitpunkt 107,9 Millionen Euro zum Umsatz und 73,6 Millionen Euro zum Gesamtergebnis beisteuerte. Der hohe Ergebnisbeitrag resultierte aus der mit der Erstkonsolidierung erfolgten erfolgswirksamen Auflösung des negativen Unterschiedsbetrages aus der Kapitalkonsolidierung in Höhe von 77,5 Millionen Euro. Das heißt, ohne diese Konsolidierungsmaßnahme wäre das Konzernergebnis deutlich rot gewesen.
Vor diesem Hintergrund ist die in der Cashflow-Rechnung ersichtliche Zahlung einer Dividende von 51,5 Millionen Euro (2022 waren es 24,8 Millionen Euro) zu hinterfragen. Zudem ist die Erwartung des Managements, für das Geschäftsjahr 2024 ein leichtes organisches Umsatz- und EBITDA-Wachstum zu erzielen, als sehr ehrgeizig zu bewerten: Denn den fehlenden Konsolidierungsgewinnen des Geschäftsjahres 2023 in Höhe von 77,5 Millionen Euro steht eine Ergebniserleichterung von nur 26,4 Millionen Euro aus aufgegebenen Geschäftsbereichen gegenüber. In dieser Höhe belastete der im Mai 2023 abgegebene Geschäftsbetrieb der Schoen Clinic London das Konzernergebnis 2023.
kbo: Entwicklung auch 2023 über Plan
Die kbo Kliniken des Bezirks Oberbayern sind ein kommunaler Betreiber von Einrichtungen für die klinische psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung von Erwachsenen sowie Kinder und Jugendliche in Oberbayern. Wie in den Jahren zuvor entwickelte sich das Geschäft auch 2023 über Plan: Der Umsatz stieg um 6,7 Prozent auf 541,6 Millionen Euro, was auf einen Anstieg der Berechnungstage zurückzuführen war. Das EBITDA konnte um 8,7 Prozent auf 37,7 Millionen Euro gesteigert werden. Während das EBIT sich aufgrund deutlich erhöhter Abschreibungen um 13,6 Prozent auf 4,7 Millionen Euro verminderte, stiegen EBT und EAT um 0,8 bzw. 5,4 Prozent auf 3,9 bzw. 3,6 Millionen Euro. Das EAT lag damit um 3,2 Millionen Euro über Plan, da sich nahezu alle Gesellschaften im Konzern besser als erwartet entwickelten.
Mit dem ausgewiesenen Gewinn konnte sich das Unternehmen dem allgemeinen Markttrend entziehen, was sich auch im Geschäftsjahr 2024 fortgesetzt haben dürfte: Es ist zu erwarten, dass der Plan, bei einem Umsatzplus in Höhe des gesetzlich vorgesehenen Veränderungswertes ein EAT von 0,7 Millionen Euro zu erzielen, wiederum deutlich überschritten wurde.
Vitos: EAT 2023 um 26,5 Millionen Euro über Plan
Mit 4172 Betten bzw. Plätzen in psychiatrischen Kliniken, Tageskliniken und Ambulanzen ist Vitos ein führender Anbieter für die Behandlung psychisch kranker Menschen in Hessen. Ergänzt wird das Angebot durch die Bereiche somatische Fachkliniken (274 Betten), begleitende psychiatrische Dienste für Menschen mit seelischer Behinderung (1129 Plätze), Jugend- und Behindertenhilfe (1337 Plätze), psychiatrische Reha (105 Betten) und Pflege (34 Plätze). Alleineigentümer ist der LWV Landeswohlfahrtsverband Hessen, der seine Einrichtungen Ende 2007 in die Holding einbrachte und ihr die Steuerung übertragen hat.
Das Unternehmen entwickelte sich in der Vergangenheit gut, und konnte 2023 wiederum auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken: Der Umsatz erhöhte sich um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was auf eine Steigerung der stationären und ambulanten Patientenzahlen zurückzuführen war. Die Erträge erhöhten sich überdurchschnittlich: Das EBITDA stieg um 28,3 Prozent auf 50,5 Millionen Euro, das EBIT um 107,7 Prozent auf 21,1 Millionen Euro und das EAT um 222,5 Prozent auf 26,4 Millionen Euro. Letzteres lag dabei um 26,5 Millionen Euro über dem Plan, vor allem aufgrund von nicht geplanten Energieausgleichszahlungen in Höhe von 15,6 Millionen Euro.
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Plan für das Geschäftsjahr 2024, bei einem Umsatzplus unter anderem aufgrund eines weiteren Ausbaus der Kapazitäten ein EAT von 1,9 Millionen Euro zu erzielen, wiederum deutlich überschritten wurde.
Was EAT, EBT & Co. bedeuten
EAT steht für „Earnings After Taxes" und bezeichnet den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens nach Abzug von Steuern.
EBT steht für "Earnings Before Taxes" und beschreibt den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor Steuern.
EBIT steht für "Earnings Before Interest and Taxes" und zeigt den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor Abzug von Zinsen und Steuern.
EBITA steht für "Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization" und gibt den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor der Abschreibung auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte an.
EBITDAR steht für "Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, Amortization and Rent" und bezeichnet den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor der Berücksichtigung von Miete oder Leasingkosten.
Cashflow bezeichnet den Geldfluss, der durch die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens generiert wird und ist eine wichtige Kennzahl der finanziellen Leistungsfähigkeit.
Case Mix ist eine Methode zur Bestimmung von Fallpauschalen, welche die Behandlungskosten eines Patienten im Krankenhaus abdecken. Der Case Mix wird durch die Kombination von Diagnose- und Behandlungsparametern, wie Alter, Geschlecht, Verweildauer und Schweregrad der Erkrankung, berechnet.
Periodenfremde Erträge sind Erträge, die nicht dem Berichtszeitraum zuzuordnen sind.
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