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kma Entscheider BlogAusländische Pflegekräfte und der „Clash of Cultures“

Jens Spahn begrüßte vergangene Woche die ersten Pflegekräfte aus Mexico, welcher er scheinbar auf seiner Welttournee erfolgreich angeworben hat. Patentrezept ist dieses Vorgehen allerdings keines. Es bringt viel finanziellen und personellen Aufwand mit sich. Und auch einige Risiken.

Peter Bechtel

Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Es könnte so einfach sein aus Sicht des deutschen Gesundheitssystems: Pflegekräfte verlassen ihre Heimatländer, in denen sie entweder keinen Job finden oder die Bezahlung so katastrophal ist, dass sie nicht davon leben können und kommen in eines der reichsten Länder der Erde, weil ihre Expertise momentan mehr denn je gebraucht werden.

Doch so einfach ist es leider bei Weitem nicht. Kollegen aus dem Ausland sind nicht das Allheilmittel für die stark angeschlagene Personalsituation in deutschen Krankenhäusern.

Von dubiosen Vermittlungsagenturen und totaler Vereinsamung

Zwar schießen Dienstleister zur Personalvermittlung aus dem Ausland ähnlich denen zur Personalüberlassung wie die Pilze aus dem Boden, doch sind seriöse Anbieter meist Glückssache. Sprachniveaus und Fachkompetenz der ausländischen Pflegekräfte liegen oft meilenweit von dem entfernt, was von den Agenturen versprochen wird.

Die Pflegekräfte selbst werden oft alleine gelassen, sobald sie an einen deutschen Arbeitgeber vermittelt wurden und finden sich in einer fremden Welt wieder, in der sie beruflichen oft sofort funktionieren sollen. Viele lassen nicht nur ihr soziales Umfeld wie Freunde und Verwandte zurück, sondern auch oft ihre Kinder und Ehepartner. Einsamkeit und Leistungsdruck gepaart mit Arbeitsbedingungen, die auch für Fachkräfte aus dem Ausland unterirdisch sind, führen nicht selten zu Depressionen und letztendlich zur Rückkehr in die Heimat.

Mehrarbeit und Mehrkosten für deutsche Kliniken

Für die Arbeitgeber und auch die Teams in den verschiedenen Abteilungen bedeutet die Integration von ausländischen Pflegekräften einen enormen Kraftakt. Zum einen sind die Kosten für die Vermittlung meist schon unmoralisch hoch, insbesondere wenn man bedenkt, welche Mogelpackung sich oft dahinter verbirgt.

Zum anderen benötigen die ausländischen Kollegen in den meisten Fällen eine sehr lange Einarbeitung, weil die Sprachbarriere diese erschwert und außerhalb der BRD meist klarer definierte Tätigkeitsbeschreibungen für die professionelle Pflege existieren. Beispielsweise ist es in vielen anderen Kulturen verbreitet, dass die Körperpflege und die Versorgung mit Speisen und Getränken von Angehörigen übernommen werden. Diese Tätigkeiten als Pflegekraft zu übernehmen, kann schnell zu einer zusätzlichen Überforderung führen.

Standards, Konzepte und Best Practice werden dringend gebraucht!

Um Pflegekräfte aus dem Ausland nachhaltig zu einem Baustein für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Deutschland zu machen, bedarf es verbindlicher Standards für den Vermittlungsvorgang. Außerdem brauchen wir einen Kompetenzkatalog, den die einwandernden Fachkräfte zu einem großen Teil erfüllen müssen, um die einarbeitenden Kollegen zu entlasten.

Arbeitgeber müssen ganzheitliche Konzepte entwickeln, die sowohl die Förderung der Fach- und Sprachkompetenzen beinhalten, als auch die Förderung der sozialen Integration. Ohne diese Konzepte lässt sich kein nachhaltiger Erfolg gewährleisten. Und bei allen Bemühungen die Fachkräfte aus dem Ausland zu integrieren, dürfen die Kollegen, die bereits jetzt dafür sorgen, dass die pflegerische Versorgung bestmöglich sichergestellt wird, nicht vergessen werden.

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