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kma Entscheider Blog„Taskforce Testlogistik“ im Kreuzfeuer – berechtigt oder nicht?

Das aktuelle Pandemie-Management der Bundesregierung ist ausbaufähig. Bundesgesundheitsminister Spahn und Bundesverkehrsminister Scheuer sollen nun dafür sorgen, dass Deutschland flächendeckend mit Schnelltests versorgt wird. Werden sie es richten?

Privat

Christian Krohne ist Inhaber von Krohne Public Relations und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Deutschland macht derzeit nicht gerade den besten Eindruck im Pandemie-Management: Während andernorts in rasantem Tempo die Bevölkerung durchgeimpft wird, werden hierzulande noch immer Debatten darüber geführt, ob der Impfstoff von Astrazeneca überhaupt sicher ist und wer die heiß erwarteten Covid-19-Impfstoffe eigentlich verimpfen darf. Dazu kommt noch, dass die angekündigte Teststrategie bislang viel zu zaghaft angelaufen ist. 

Die neue „Taskforce Testlogistik“, deren Leitung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer übernommen werden soll, verspricht nun eine reibungslose Versorgung der Schnelltests für die Bevölkerung. Gemeinsam mit Vertretern aus der Testlogistik sowie mit Produzenten, Handel und der Logistikbranche der einzelnen Länder sollen Jens Spahn und Andreas Scheuer die größtmögliche Verfügbarkeit und zügige Lieferung von Schnell- und Selbsttests für die öffentliche Hand gewährleisten. Immerhin wurde versprochen, dass sich alle Bürger und Bürgerinnen ab 8. März einmal pro Woche kostenlos mit Antigen-Schnelltests testen lassen könnten.

Berechtigte, aber auch überzogene Kritik an Jens Spahn

Spott und Hohn ließen nicht lange auf sich warten. Schließlich sind ausgerechnet Spahn und Scheuer diejenigen Minister, die in jüngster Vergangenheit kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen haben. Während Andreas Scheuer in der Dauerkritik steht, musste sein Kollege Spahn vor allem in den vergangenen Wochen viel Kritik über sich ergehen lassen: Warum wird so zaghaft geimpft, wo bleiben die Schnelltests und wieso haben die Schulen noch immer keine überzeugenden Hygienekonzepte? 

Viele der Kritikpunkte an Spahn sind überzogen oder unzutreffend, weil er etwa für den Bereich Schule oder für die Beschaffung der Schnelltests von Amtswegen gar nicht zuständig ist. Frei von Fehlern in der Pandemiepolitik ist er allerdings auch nicht zu sprechen. Und die Politik als Ganzes gibt dabei kein gutes Gesamtbild ab.

Selbst als eingefleischter CDU-Unterstützer ist es derzeit schwierig, der Partei bedingungslos sein Vertrauen zu schenken. Im Corona-Management macht sie als Regierungspartei nach einem souveränen Start nicht mehr die beste Figur. Die Maskenaffäre um zwei CDU-Politiker, die den seinerzeit schleppend anlaufenden Maskenkauf genutzt haben, um sich die eigenen Taschen voll zu machen, tut sein Übriges. 

Verbesserungswürdige Kommunikationsstrategie

Die Kommunikation der Bundesregierung funktioniert zudem mittlerweile nicht mehr so einwandfrei und transparent, wie es eigentlich in dieser Situation notwendig wäre − einer Situation, in der viele Menschen ihre wirtschaftliche Existenz schwinden sehen und keine bzw. nur zaghafte Hilfe vom Staat erhalten. Auch unvorhergesehene Ereignisse wie das Auftreten von Mutationen können nur zum Teil als Entschuldigung für mangelhafte Kommunikation herhalten. 

Gerade in solchen Fällen kommt es dann auf eine häufige und klarere Kommunikation an. Bürger und Bürgerinnen müssen an die Hand genommen werden, damit sie die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen auch weiterhin verstehen und akzeptieren. 

Taskforce kommt spät, aber ist eine richtige Idee

Die Taskforce ist eine gute Idee, nur kommt sie verspätet. Die flächendeckende Verteilung von Schnelltests wurde für Anfang März angekündigt und ein paar Tage später wieder zurückgenommen. Nun haben wir den 16. März und noch immer gibt es keine flächendeckenden Schnell- und Selbsttest-Möglichkeiten. Diese gelten in den Augen der meisten Experten neben der Impfung als wichtigster Schlüssel in der Pandemiebekämpfung. Die Bereitstellung dieser Schlüssel muss oberste Priorität besitzen!

Dass die logistische Frage erst so spät in der Pandemie beantwortet wird, ist zwar äußerst verwunderlich, aber der richtige Schritt. Zu oft haben Bund und Länder sich in den vergangenen Monaten um Zuständigkeiten gestritten und Verantwortlichkeiten hin und her geschoben, anstatt eine gemeinsame, schnelle Lösung zu finden. Mittlerweile werden in den Bundesländern die ersten Schnelltest-Kontingente kostenfrei zur Verfügung gestellt. Mit der neu gegründeten Taskforce dürfte zumindest in Zukunft die zügige Beschaffung und Bereitstellung der Schnelltests klar geregelt sein. 

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