Georg Thieme Verlag KG
Der kma Entscheider-Blog

kma Entscheider Blog#thinknew – Das digitale Kongressformat der Zukunft

Noch ist für 2021 im Gesundheitswesen an reine Präsenzveranstaltungen nicht zu denken. Dabei bietet ein solches Format die Chance, bestehende Kongresse und Netzwerktreffen neu zu denken: user-zentriert, zielgruppengerecht und interaktiv. Welche fünf Fehler sollten unbedingt vermieden werden?

ID-Native GmbH

Tanja Heiß ist Geschäftsführerin der ID-NATIVE GmbH in Goldbach und Co-Gründerin von Hashtag Gesundheit e.V.

Im Zusammenhang mit Digitalisierung stolpert man unweigerlich über den Satz: ein schlechter analoger Prozess ist auch ein schlechter digitaler Prozess. Das gilt auch für die Veranstaltungen im Gesundheitswesen.

Ein Satz vorweg: Wir alle vermissen den persönlichen Austausch und das Netzwerken. Aber zuletzt haben viele Veranstaltungsformate Jahr für Jahr nicht mehr mit Innovationen überraschen und begeistern können. Die Corona-Pandemie gibt allen Kongressveranstaltern nun die Chance, bestehende Events zu hinterfragen und neu zu konzipieren. Eine Gelegenheit, die unbedingt beim Schopfe gepackt werden sollte!

Healthcare-Kongresse bleiben hinter ihren Möglichkeiten

Beim Blick durch die Veranstaltungen der letzten Jahre werden folgende Punkte überdeutlich:

  1. Es fehlen aktuelle Themen und neue Experten: Hätten wir kein Corona, würden auch in diesem Jahr wieder die gleichen Themen auf der Agenda stehen: Erlösoptimierung, die DRGs, Sachkostenreduktion, Personalmangel und Prozessoptimierung. Branchenfremde Namen und Out-of-the-Box-Themen stehen zu selten auf der Tagesordnung. Dabei benötigen wir dringend sowohl Inspiration als auch neue Lösungsansätze fürs Tagesgeschäft!

  2. Immer das gleiche Format: Die reine Zuschauerbeschallung von einer Bühne reißt heute keinen Kongressbesucher mehr vom Hocker. Viel spannender und größeren Mehrwert bieten Pitches (drei Minuten pro Teilnehmer), Hot-Seats (ein wechselnder Platz auf dem Podium durch Zuschauer besetzt) oder auch Live-Votings bis hin zu echten Debatten. Auch bei ernsten und fachlich komplexen Themen bleiben die Teilnehmer so aufmerksam.

  3. Zu überladene Podiumsdiskussionen: Ein Panel sollte bei einer Dauer von 60 Minuten mit maximal vier Personen plus Moderator besetzt sein. Nur so kann ein wirklicher Diskurs stattfinden und nicht nur eine Frage-Antwort-Runde mit den schon oft gehörten Standard-Aussagen!

  4. Austausch ist nur in den Pausen und beim Abendprogramm möglich: Ich wünsche uns mehr Lounges, Workshops und offene Runden zum Austausch. Stehdinner statt Bankett und digitale Applikationen statt Papier-Visitenkarten für ein neues Miteinander!

  5. Fehlender Zielgruppen-Fokus: Für Entscheidungsträger ist es heute noch schwieriger, sich zwei bis drei Tage vom Krankenhausalltag loszureißen. Zudem werden die Teilnehmer digitaler und jünger. Das Programm, die Locations sowie das Drumherum setzen allerdings schon Staub an: allen voran die veralteten PowerPoint-Präsentationen, die teilweise noch im 4:3-Format das Auge optisch reizen.

Der Kongress der Zukunft muss mit bekannten Regeln brechen

Warum besuchen wir einen Kongress? Den meisten Teilnehmern geht es um den persönlichen Austausch, um das Knüpfen neuer Kontakte und den Blick über den Tellerrand hinaus. Dafür ist der digitale Raum optimal geeignet! Inzwischen gibt es branchenübergreifend Kongresse, Karrieremessen und Seminare im digitalen Format. Diese bestehen aus viel mehr als nur einer Anmeldung per E-Mail und einer Teilnahme an einer Videokonferenz.

Wer seinen virtuellen Kongress zum Erfolg führen will, muss bereits bei der Teilnehmer-Registrierung andere Wege gehen. Die Erstellung eines persönlichen Profils, das Informationen wie Interessen und Position abfragt, ermöglicht das Matching der Teilnehmer untereinander und bietet so die Gelegenheit für niedrigschwelligen Austausch. Das erinnert zwar schnell an eine Partnerbörse, hat aber auf beruflicher Ebene einen sehr praktischen Nutzen. Das miteinander Chatten vor-, während und nach der Veranstaltung gibt die Möglichkeit schnell ins Gespräch zu kommen.

Die Übersendung der digitalen Visitenkarte ist dabei schon eine kleine Selbstverständlichkeit. Der Kongress der Zukunft punktet mit virtuellen Hallen und Räumen, in deren Diskussion sich alle Teilnehmer interaktiv mit Votings, Fragen und Diskussionen einbringen können.

Ein Programm, zu dem man sich im Vorfeld anmelden kann, gibt die Möglichkeit sich per Erinnerungsfunktion kurzfristig einzuklinken. Auch virtuelle Messestände für Sponsoren und Partnern, an denen per Video Konzepte vorgestellt werden können, geben uns ein bisschen Kongressatmosphäre zurück.

Dank der Digitalisierung kann Content nun zielgruppengerechter bereitgestellt werden, was Streuverluste minimiert. Zudem bietet die Analyse der Verweildauer die Chance, schlechte Darstellungen und Inhalte zu verbessern. Auch die Einbindung kleiner Umfragen und Feedback-Funktionen ist von großem Nutzen, um einen digitalen Kongress zu optimieren. Mit Gutscheinen, Gewinnspielen, e-Books und vielem mehr werden Giveaways und Messetaschen sinnvoll ersetzt. Da sich die Teilnehmer die weite Anreise sparen, hat jeder Teilnehmer zusätzlich Zeit, um neue Funktionalitäten zu entdecken und auch zu nutzen. Und so manches musikalisches oder unterhaltendes Rahmenprogramm darf selbstverständlich auch virtuell eingebunden werden, sozusagen als kleine Kaffeepause für Zwischendurch.

Fazit

Digitale Kongresse funktionieren nur dann, wenn sie nicht versuchen, eine Präsenzveranstaltung digital abzubilden! Sie müssen virtuelle neu gedacht und erlebbar gemacht werden. Auch wenn die Afterwork-Party nicht stattfinden kann, gibt es viele großartige Möglichkeiten für Veranstalter, Speaker, Sponsoren und Teilnehmer einen solchen Kongress zu erleben. Freuen wir uns also auf neue spannende digitale und hybride Formate in 2021!

Nutzungs­bedingungen

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!