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kma Entscheider BlogWie Kanzlerin Baerbock das Gesundheitswesen verändern wird

Ein weiteres Ziel ist die berechtigte Forderung nach besserer geschlechterspezifischer Forschung. Zurzeit sind Arzneimittel auf männliche Körper zugeschnitten, wobei die fehlende spezifische Wirkung auf den weiblichen Körper sowie die besonderen Bedürfnisse von Patientinnen nicht hinreichend berücksichtigt werden. Im Rahmen der zunehmenden personalisierten Medizin und einer entsprechenden Forschungsförderung auf diesem Gebiet, könnte diesem Problem entgegengewirkt werden. 

Auch die Nutzung der Patientendaten soll zukünftig eine größere Rolle spielen. Der Datenschutz ist dabei ein elementarer Faktor sowie die Datennutzung auf Grundlage einer staatlichen Infrastruktur, die den Abfluss der Gesundheitsdaten zu Drittanbietern verhindert und eine dahinterstehende potenzielle Kommerzialisierung vermeiden soll. Auf europäischer Ebene besteht damit das Potenzial neben den Big Tech-Anbietern aus China und den USA eine eigene digitale Gesundheitsplattform aufzubauen und einen neuen Big Player mit den Gesundheitsdaten der Europäer zu schaffen. Langfristig müsste dahinter jedoch auch eine kommerzielle Strategie stehen, die beispielsweise einen Forschungsverbund, eine Service-Plattform und KI-gestützte Gesundheitsförderprogramme vernetzt.

Grüne-Experimente werden zunächst ausbleiben

Wer die Gesundheitspolitik beobachtet weiß, dass selbst bei einem Regierungswechsel keine Quantensprünge zu erwarten sind. Es wird auf die Koalition ankommen, die eine Kanzlerin Baerbock schmieden wird. Die rot-grünen Schröder-Regierungen belegten, dass durchaus viele Reformen auf den Weg gebracht werden können. Mit der damaligen Einführung der DRG-Vergütung für Kliniken, Zuzahlungen für Patienten sowie den umfassenden Sozialreformen der Agenda 2010 wurden maßgebliche Akzente gesetzt. Aus heutiger Sicht haben diese Reformen einerseits das Gesundheitssystem entlastet und andererseits den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig gestärkt. Zu viel Angst vor wirtschaftsschädlichen Reformen ist daher eher unangebracht. 

Bei einer Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP sollte das Thema Bürgerversicherung wohl vom Tisch sein. Wobei das FDP-geführte Gesundheitsministerium in der liberal-konservativen Koalition ab 2009 mit dem AMNOG wohl auch die Arzneimittelhersteller überraschte. Inwiefern die Rolle des Staates beim Angebot von Versorgungsleistungen tatsächlich wieder zunehmen wird, bleibt abzuwarten. An einigen Stellen wäre das Schließen von Versorgungslücken, perspektivisch im ambulanten ländlichen Bereich, sicherlich sinnvoll. Man sagt Baerbock nach, dass sie aufgeschlossen und lösungsorientiert ist. Somit besteht sehr viel Potenzial mit der Grünen Kanzlerin in der Gesundheitspolitik zu konstruktiven Lösungen zu kommen.

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