
Der Einsatz von TI-Messengern (TIM) nimmt in Gesundheitseinrichtungen spürbar zu. Doch wie ist der aktuelle Stand bei Entwicklung und Zulassung, was bieten die Produkte? kma hat sich bei diversen Anbietern umgehört und gezielt nach Entwicklungsstand, Einsatzgebiet und Funktionen gefragt. Weitere wichtige Aspekte waren Interoperabilität, die Schnittstellenanbindung sowie Rollen und Rechtekonzepte. Ebenso interessierte uns die für viele Klinikmanager wichtige Frage, welche Preismodelle die Anbieter verfolgen und wie sich die Lösungen in bestehende IT-Strukturen integrieren lassen.
Bei unserer Recherche zu diesem nicht-repräsentativen Marktüberblick zeigte sich, dass die Messenger neben den grundlegenden Funktionen, die durch die Spezifikationen der Gematik vorgegeben sind, sich durch Zusatzfunktionen und die verwendeten Standards und Schnittstellen unterscheiden. Die nachfolgenden Informationen ermöglichen nur einen ersten Eindruck. Da die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Kliniken unterschiedlich sind, sollten sie vor einer Entscheidung alle technischen Daten prüfen. Ein wichtiger Hinweis darf nicht fehlen: Die nachfolgende Aufzählung erfolgt alphabetisch, die Reihenfolge stellt keine Wertung seitens der kma-Redaktion dar.
Akquinet
Das Unternehmen Akquinet hat die kontrollierte Inbetriebnahme seines Messengers Lifetime Professional abgeschlossen. Dabei profitierte das Unternehmen von den Erfahrungen bei der Entwicklung des TI-Messengers für die AOK, den das Unternehmen gemeinsam mit EYund HeptaSphere realisiert hat. Der TI-Messenger von Akquinet richtet sich grundsätzlich an alle Leistungserbringer im Gesundheitswesen, die sicher kommunizieren möchten: Ärzte, Kliniken, Praxen, MVZs, Gesundheitsämter, Reha-Einrichtungen, Pflegedienste, Therapeuten sowie Heil-und Hilfsmittelerbringer.
Lifetime Professional kann auch als Stand-alone-Lösung eingerichtet werden. Das ist für kleinere Einrichtungen interessant, die den Messenger erst einmal testen möchten, bevor sie ihn in ihr Primärsystem integrieren. Neben den grundlegenden Funktionen lässt sich der Messenger von Akquinet mit mehreren Accounts betreiben. Das ermöglicht etwa in einer Arztpraxis die Anmeldung mit einem persönlichen Account oder einen Funktionsaccount für den Empfang. Bilder und PDF-Dokumente werden direkt im TI-Messenger angezeigt. Die Integration in das KIS erfolgt über eine Programmierschnittstelle, die alle gängigen Plattformen (mobil, Web und Desktop) unterstützt. Der Zugriff auf den TI-Messenger lässt sich direkt im Active Directory mit allen darin verfügbaren Rollenmodellen konfigurieren.
Aquinet plant, als weitere Funktionalitäten Audio- und Video-Calls einzubinden. Außerdem soll LifeTime Professional auf Basis von Matrix Spaces weiterentwickelt werden. Mit Spaces lassen sich Räume und Personen gruppieren.
Compugroup Medical (CGM)
Der CGM TI-Messenger wird bereits in niedergelassenen Praxen, medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Kliniken und Pflegeeinrichtungen eingesetzt. „Wir ermöglichen den sicheren, schnellen Austausch zwischen Behandlungsteams, ohne Medienbrüche und ohne Kompromisse beim Datenschutz. Ob Befundübermittlung, Konsil-Anfrage oder Entlassmanagement – der CGM TI-Messenger macht Schluss mit Fax und Rückrufschleifen”, sagt Jan Wemmel, Area Vice President Connectivity bei Compugroup Medical.
Wir ermöglichen den sicheren, schnellen Austausch zwischen Behandlungsteams, ohne Medienbrüche und ohne Kompromisse beim Datenschutz.
Der TI-Messenger lässt sich tief in die CGM-Primärsysteme einbinden, damit Kommunikationsprozesse direkt aus dem KIS heraus angestoßen werden können. Dabei setzt der Anbieter auf etablierte Technologien und Standards. Die Einbindung einzelner grafischer Oberflächen wie etwa eines einzelnen Chatraums erfolgt über eine Programmierschnittstelle (SDK/ API) für eine nahtlose Integration in bestehende Anwendungen. Der TI-Messenger ist plattform- und geräteunabhängig nutzbar.
Single Sign-on ermöglicht einen komfortablen, einheitlichen Login. Die meisten Anbieter rechnen Lizenzen pro Nutzer ab, bei CGM sind die Lizenzen monatlich kündbar. Für größere Einrichtungen werden individuelle Konditionen ausgehandelt. Bei der Weiterentwicklung plant das Unternehmen, die Kommunikationsformen zu erweitern, die strukturierte Informations- und Datenerfassung auszubauen und eine Weiterentwicklung von Assistenzfunktionen.
Cherry
Der TI-Messenger Pro ist bereits in Arztpraxen, Krankenhäusern und Gesundheitsämtern im Einsatz. Der Messenger ist von der Gematik zugelassen und hat die kontrollierte Inbetriebnahme erfolgreich abgeschlossen. „Der TI-Messenger ist für Cherry Health Digital ein zentraler Baustein unserer Produktstrategie. Als Lösungsanbieter für das Gesundheitswesen sehen wir darin den künftigen Standard für sicheren Datenaustausch“, sagt Dr. Philip Groth, Geschäftsführer Cherry Digital Health.
Cherry bietet sowohl den Eins-zu-Eins-Chat als auch Gruppenchats für den Austausch von Text-, Sprach- oder Videonachrichten sowie Videoanrufen. Strukturierte For-mulare, beispielsweise für Patienten oder Abrechnungen, können direkt im Messenger Cherry TIM Pro ausgefüllt und sicher verschickt werden. Daneben bietet der Messenger noch einen KI-Assistenten für unterschiedliche Aufgaben. Auf der Agenda von Cherry stehen der deutschlandweite Roll-out des Messenger TIM Connect, die Weiterentwicklung der mobilen Apps und die Integration eines ePA-Viewers in den TIM-Client für Leistungserbringer. Geplant ist ferner die Dicom-Integration für den Versand und die Ansicht von Bilddaten im Dicom-Format.
Concat
Wie der Cherry Messenger ist auch der TI-Messenger Pro von Concat bereits von der Gematik zugelassen und hat die kontrollierte Inbetriebnahme abgeschlossen. Der Messenger ermöglicht unter anderem automatisiertes Onboarding und eine Active-Directory-Anbindung für die Nutzerverwaltung.
Wir sind 100 Prozent interoperabel mit allen TI-Messenger-Anbietern.
Als Standards werden eine REST-Schnittstelle und FHIR verwendet. Wie sieht die Interoperabilität in der Praxis aus? „100 Prozent interoperabel mit allen TI-Messenger-Anbietern“, meldet Concat. Für die nähere Zukunft plant das Unternehmen unter anderem die Integration des Messengers in Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA).
Famedly
Das erst 2019 gegründete deutsche Unternehmen war vor zwei Jahren der erste Anbieter, dessen TI-Messenger eine Zertifizierung der Gematik erhielt. Inzwischen befindet sich der Messenger-Dienst der Berliner Firma, die von den jungen Medizinern Dr. Philipp Kurtz und Dr. Niklas Zender gegründet wurde, bereits im regulären Produktivbetrieb. Er wird sowohl innerhalb von Einrichtungen als auch sektorenübergreifend eingesetzt.
Großflächige Rollouts gab es an Universitätskliniken mit mehreren Tausend Mitarbeitenden wie der Universitätsmedizin Frankfurt und der Berliner Charité. Die App ist in verschiedenen Ausprägungen bereits bei mehr als 140.000 Nutzern in mehr als 150 Einrichtungen sowie in einem Netzwerk von mehr als 13.000 Apotheken im Einsatz. Da auch Krankenkassen den Famedly-TI-Messenger einsetzen, erweitert sich der potenzielle Nutzerkreis um 15 Millionen gesetzlich Versicherte.
Wir können sagen, dass es zwischen den unterschiedlichen TI-Messenger-Pro-Anbietern noch nicht zu Problemen gekommen ist
Inzwischen wird der Messenger nicht nur zum Chatten eingesetzt, sondern auch zunehmend in Versorgungsprozesse eingebunden; beispielsweise in klinische Informationssysteme, bei der automatisierten Archivierung von Nachrichten zur Dokumentation oder bei der Anbindung an organisatorische und klinische Workflows. Beim Famedly-Messenger kommen die standardisierten Schnittstellen der KIS-Anbieter zum Einsatz. Der Dienst kann direkt aus dem KIS heraus aufgerufen werden. Nachrichten werden regelbasiert und virusgeprüft in klinische Dokumentations- und Archivsysteme überführt. Famedly hat seinen TI-Messenger in den vergangenen Monaten so weiterentwickelt, dass er die verschiedenen Rollen auch aus bestehenden Nutzerverwaltungen automatisch übernehmen kann.
„Wir können sagen, dass es zwischen den unterschiedlichen TI-Messenger-Pro-Anbietern noch nicht zu Problemen gekommen ist“, heißt es seitens der Firma. Schwierigkeiten gebe es aber manchmal bei der Kommunikation mit Patienten, also zwischen TI-Messenger und ePA-Nutzern. Das räumt Famedly offen ein. Wie eigentlich alle Anbieter setzt auch dieser auf ein Lizenz-pro-Person-Modell, wobei sich der genaue Preis aus den bestellten Funktionen, dem gewünschten Support-Level und dem Grad der Abweichung vom Standard-Setup zusammen setzt.
„In der Regel liegen unsere Kunden damit im Bereich von einem bis fünf Euro pro Benutzer und Monat“, so das Unternehmen. Damit liegt Famedly in einer Größenordnung, die auch CGM angibt. Für die Zukunft hat das junge Unternehmen viel vor. Der Messenger-Dienst soll zu einer Plattform für klinische Zusammenarbeit weiterentwickelt werden. Dazu soll unter anderem eine Anbindung an zentrale klinische Anwendungen wie KIS und PACS erfolgen, um die Kommunikation direkt im Versorgungskontext verfügbar zu machen.
Telekom Healthcare
Der TI-Messenger Pro von Telekom Healthcare hat 2025 die Zulassung der Gematik erhalten. „Ready for sale für Krankenhäuser, Kliniken und große Pflegeeinrichtungen sind wir ab Mitte April 2026“, teilt das Unternehmen mit. Telekom Healthcare hat seinen TI-Messenger 2025 bei Krankenversicherungen eingeführt und konzentriert sich jetzt auf Krankenhäuser, Kliniken und große Pflegeeinrichtungen. „Der TI-Messenger ist für uns weit mehr als ein neues Produkt. Er ist ein zentraler Knotenpunkt der digitalen Gesundheitsversorgung“, sagt Uwe Heckert, COO Health T-Systems. „Er vernetzt alle Akteure sicher, interoperabel und in Echtzeit und schafft damit die Grundlage für einen reibungslosen Informationsfluss im gesamten System.“
Ready for sale für Krankenhäuser, Kliniken und große Pflegeeinrichtungen sind wir ab Mitte April 2026.
Der Telekom-Messenger bietet die KIS-Anbindung über ein von der Gematik zugelassenes Integrationsmodul sowie sektorübergreifende Gruppenräume, in denen Praxen, Kliniken und Pflegeein-richtungen miteinander kommunizieren können. Angeboten wird ein Basispaket für 100 Nutzer. „Zusätzliche Nutzer können bei Bedarf bestellt werden.“ Auf der Roadmap des Unternehmens steht ganz oben TIM-Connect mit dem Fokus auf Mehranwendungen und Integration in Drittsysteme.












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