
Drei Klinikträger wollen den insolventen Medizin Campus Bodensee (MCB) übernehmen, doch egal, wer am Ende zum Zug kommen wird, die Geburtshilfe am Standort Tettnang wird bereits zum 30. März schließen. Keines der Konzepte der Bieter sehe eine Fortführung in der kleineren der zwei MCB-Kliniken vor. Deshalb hätten die zwölf Beleghebammen um die Aufhebung ihrer Verträge zum 1. April gebeten, teilt der MCB mit.
Das Beleghebammen-Modell gibt es in Tettnang seit etwa 20 Jahren, so Geschäftsführer Dr. Jan-Ove Faust. Die Aufhebung des Vertrages sei jetzt in enger Abstimmung mit den Hebammen erfolgt. Wurden im Tettnanger Geburtenrekordjahr 2021 sogar einmal 952 Neugeborene im Kreißsaal gezählt, sei die Zahl in den vergangenen Jahren langsam und zuletzt deutlich rückläufig gewesen, so der MCB.
Drei Bieter stellen Konzepte vor
Unter diesen Rahmenbedingungen sei es nicht möglich, den Betrieb weiterzuführen, erklären die zwölf Beleghebammen. Alternativen für werdende Eltern gebe es in Wangen, Ravensburg, Lindau und Friedrichshafen. Die Klinik für Gynäkologie an sich und das Beckenbodenzentrum der Klinik Tettnang seien von der Schließung vorerst nicht betroffen, erklärt der MCB.
Im Markterkundungsverfahren für den bislang kommunalen Versorger, der seit November 2025 ein Insolvenzverfahren durchläuft, hatten zuletzt drei Interessenten ihre strategischen Vorstellungen und Angebote präsentiert. Im Kreistag sei über die konkreten Medizin- und Finanzierungskonzepte beraten worden, teilt der Bodenseekreis mit – in einer außerordentlichen, nichtöffentlichen Sitzung.
Ziel der Beratungs- und Verhandlungsphase sei es, die aussichtsreichsten Bewerber zu bitten, ihre Prüfungen des MCB alsbald abzuschließen und ihre finalen Angebote rechtsverbindlich auszufertigen, heißt es aus dem Landratsamt. Der Kreistag könnte dann noch im Frühjahr final entscheiden, mit welchem Partner der Bodenseekreis die Sicherstellungsvereinbarung abschließt.
Bei den Bewerbern handele es sich um erfahrene Klinikbetreiber in kommunaler, gemeinnütziger und privater Trägerschaft, so die Mitteilung. Für den öffentlich bereits bekannten Verfahrensteilnehmer Oberschwabenklinken (OSK) warben demnach Aufsichtsratschef Landrat Harald Sievers (Landkreis Ravensburg) und Geschäftsführer Franz Huber für ihr Konzept.
Nachbesserungsbedarf in jedem Angebot
Die beiden anderen Bewerber seien ebenfalls durch Spitzenführungskräfte vertreten gewesen und hätten sich nacheinander den Fragen der Kreisräte gestellt. Berichten in regionalen Medien zufolge soll es sich dabei um die SRH-Holding und die Ameos Gruppe handeln, die zuletzt erst das ebenfalls insolvente Josephs-Hospital Warendorf übernommen hatte.
Der politische Diskurs im Gremium hat gerade erst begonnen.
Bewertungsparameter wie die Qualität und Nachhaltigkeit des Medizinkonzepts sowie der Umfang der finanziellen Unterstützungswünsche sollen die jetzt vorgelegten Angebote für den MCB vergleichbar machen, heißt es vom Bodenseekreis weiter. Bei allen präsentierten Angebotsständen gebe es noch nachbesserungsbedürftige Aspekte. Deshalb habe der Kreistag in der jüngsten, siebenstündigen Sitzung noch keine „endgültige Verdichtung des Bewerberfelds“ vorgenommen.
Aus Sicht des Landkreises wiesen die drei Konzepte schon viele positive Bestandteile auf, erklärt Landrat Luca Wilhelm Prayon: „Deshalb sehen wir uns in unserem besonnenen und zielorientierten Vorgehen bestätigt.“ Klar sei aber auch, „dass alle Konzepte von öffentlichen Zuschüssen in Millionenhöhe ausgehen, die sehr genau angeschaut werden müssen“, so Prayon. Es gebe auch weiterhin Verhandlungsbedarf im Detail, und der politische Diskurs im Gremium habe „gerade erst begonnen“.







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