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InsolvenzverfahrenDoch keine Übernahme – Klinik-Aus in Remagen

Das insolvente Krankenhaus Maria Stern in Remagen schließt, 118 Beschäftigte bekommen die Kündigung. Eigentlich hatte IGP Med den Standort übernehmen sollen, doch dazu kommt es nicht. Der Investor bringt jetzt eine andere Lösung ins Spiel.

Krankenhaus Maria Stern in Remagen
Krankenhausverbund Linz/Remagen
Im Krankenhaus Maria Stern werden voraussichtlich am 28. November die letzten Patienten entlassen.

Aus der Anfang Oktober verkündeten Übernahme des insolventen Krankenhauses Maria Stern in Remagen durch das Unternehmen IGP Med wird doch nichts. Die jüngsten Verhandlungen am 24. November hätten keine entscheidenden Fortschritte gemacht, erklärt der Generalhandlungsbevollmächtigte Dr. Mark Boddenberg: „Vor dem Hintergrund der verfahrensrechtlichen Notwendigkeiten bin ich nun gezwungen, den Klinikbetrieb einzustellen.“

Die letzten Patienten in Remagen würden voraussichtlich am 28. November entlassen, sagt Boddenberg. Das Haus gehört bislang zum Verbundkrankenhaus Linz-Remagen, das am 20. März ein Schutzschirmverfahren beantragt hatte.

Es werden 118 Kündigungen ausgesprochen.

Im Zuge der Schließung in Remagen werde man über beide Standorte hinweg insgesamt 118 Kündigungen aussprechen, erklärt Boddenberg. Darüber hinaus erfolge eine Zusammenlegung unterschiedlicher Abteilungen, „wodurch eine Vielzahl von Mitarbeitenden von dem Krankenhaus Maria Stern zukünftig in Linz tätig werden können“. Zudem bleibe das Medizinische Versorgungszentrum am Standort in Remagen „vollumfänglich erhalten“.

Auch Dr. Stephan Engels de Rey, der Geschäftsführer von IGP Med, ließ am Abend des 24. Novembers mitteilen, dass ein Weiterbetrieb „aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Remagen“ nach Ende des Monats November nicht möglich sei. Der Standort könne nun „nur durch einen Neustart erhalten“ werden.

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Die Schließung der kleineren Klinik des Verbundkrankenhauses hatte sich seit einiger Zeit abgezeichnet. In den regionalen Medien war ihre Zukunft in den vergangenen Wochen Dauerthema, denn zuletzt hatte sich das Verhältnis zwischen dem Investor und dem Generalhandlungsbevollmächtigten offenbar zunehmend verschlechtert.

Es ging etwa um einen Notartermin, der nicht zustande kam, und um gegenseitige Vorwürfe der Beteiligten. Unter anderem soll das Team von Engels unerwartet auch eine Mehrheitsbeteiligung an dem größeren Standort des Verbundes in Linz ins Spiel gebracht haben. Andererseits kritisierte man auf Seiten von IGP Med das Kommunikationsverhalten des bisherigen Trägers und des Bevollmächtigten.

Rettungswagen fahren das Haus schon nicht mehr an

Für Boddenberg blieb indes offenbar nur, die von ihm zuletzt bereits angekündigte Schließung weiter zu betreiben. Zwar verhandelten die Parteien parallel weiter, doch seien sie sich einig gewesen, „dass das verbleibende Zeitfenster für die zu klärenden Punkte ausgesprochen kurz ist“, hatte ein Sprecher des Krankenhauses erklärt.

Boddenberg seinerseits betonte, dass er sich in seiner Rolle nicht auf eine Lösungsfindung verlassen dürfe – und meldete das Krankenhaus am 21. November als weiteren Schritt vom Behandlungskapazitätennachweis (ZLB) ab. Seitdem hatte das Haus zwar noch die Patientenversorgung fortgesetzt, wurde aber schon nicht mehr von Rettungswagen angefahren. „Dies müssen die Verantwortlichen so handhaben, um eine kontrollierte Schließung im Verlauf der letzten Novemberwoche bewerkstelligen zu können“, sagte der Sprecher: „Letzteres bedarf mehrerer Tage Vorlauf.“

Investor plant Neustart mit Partner

IGP Med erklärt, man bedauere die Entwicklung, sehe aber auch Chancen: „Angesichts der medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen können wir den Krankenhausstandort Remagen nur durch einen Neustart erhalten“, erklärt Engels. Ziel des Investors sei es nun, das Krankenhausgebäude zu erwerben und den Standort dann neu zu entwickeln. Dafür gebe es „einen professionellen Partner aus dem Krankenhausbereich“, mit dem „in Abstimmung mit den verantwortlichen Akteuren unter Einbeziehung des Gesundheitsministeriums“ an einem zukunftsfähigen Konzept gearbeitet werden solle. Entsprechende Gespräche würden zeitnah aufgenommen.

Ich will mich nicht zurückziehen.

„Die öffentlich ausgetragene Diskussion der letzten Tage belastet mich sehr“, erklärt Engels. Ihm gehe es aber um die Sache, „und deshalb will ich mich nicht zurückziehen“. Für den Investor ist das Verfahren in Rheinland-Pfalz nicht das einzige Krankenhausprojekt, das er derzeit mit wechselnden Geldgebern und mehreren Firmen verfolgt.

Im Oktober 2024 hatte er in Schleswig-Holstein zunächst das ehemalige Krankenhaus Bad Bramstedt aus der Insolvenz gekauft, das er mittlerweile als Auenlandklinik betreibt. Wenige Monate später galt er mit einem Konsortium anderer Investoren auch schon als Käufer des damals ebenfalls insolventen Krankenhauses in Geesthacht. Dieses wurde dann aber an den schleswig-holsteinischen Unternehmer Thomas Pötzsch verkauft – und steckt aktuell erneut in einem Insolvenzverfahren.

Zudem wurde Mitte Oktober bekannt, dass Engels mit dem Unternehmen Navicare-Med auch als Investor für das insolvente Krankenhaus Schwabach in Bayern auftritt. Der Standort gehörte bislang zum Gesundheitskonzern Diakoneo, der sich von seinen Einrichtungen im Gesundheitsbereich aber größtenteils trennen will. Engels will das Haus in Schwabach zu einer Fachklinik mit Fokus auf Geriatrie, Neurologie und Reha machen. Das Konzept sehe neben der stationären Versorgung auch einen „Care Campus“ mit ambulanten Angeboten, einem OP-Zentrum sowie digitalen Telemedizinlösungen vor, und der Aufbau eines Reha-Zentrums sei geplant, hatte die Stadt Schwabach im Oktober mitgeteilt. Das Verfahren dort läuft noch.

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