
Nach der Schließung des KMG-Krankenhausstandorts Wittstock zum 1. Januar 2027 soll eine neue Poliklinik die medizinische Versorgung in Wittstock/Dosse (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) sichern. Wie jetzt bekannt wurde, unterstützt das Land Brandenburg deren geplanten Bau mit insgesamt 24 Millionen Euro. Die Stadt werde einen Eigenanteil von rund drei Millionen Euro tragen, sagte ein Sprecher des Brandenburger Gesundheitsministeriums.
Die Bauarbeiten am neuen Standort in der alten Tuchfabrik sollen demnach 2030 abgeschlossen sein. Und auch der Betreiber der Poliklinik steht fest: das Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg (ukrb). Konkret ist es eine ukrb-Tochter, die OGD Ostprignitz-Ruppiner Gesundheitsdienste. Die OGD handele im Auftrag des ukrb und des Landkreises Ostprignitz-Ruppin und sei von der Stadt als Partner ausgewählt worden.
Wir sind bereit, dieses Vorhaben langfristig zu tragen.
Als Träger mehrerer Medizinischer Versorgungszentren in der Region sei sein Haus über die OGD „der verlässliche Partner für den Betrieb der neuen Poliklinik“, sagt ukrb-Geschäftsführer Alexander Lottis: „Wir sind bereit, dieses Vorhaben gemeinsam mit dem Land Brandenburg, dem Landkreis und der Stadt zu gestalten und langfristig zu tragen.“ Entscheidend sei, dass neben der Förderung durch das Ministerium „alle weiteren erforderlichen Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Betrieb geschaffen werden“, so Lottis.
Zudem stünden auch die KMG Kliniken zu ihrem Engagement in Wittstock, betont Vorstandschef Stefan Eschmann. Eine kardiologische Zweigpraxis sichere ab April 2026 die Versorgung von Herzpatienten, und darüber hinaus sei beabsichtigt „eine eigene Dienstsäule für die Bereitstellung von Notärzten in Wittstock/Dosse aufzubauen“. Man gehe davon aus, „dass unsere Partner nun zeitnah eine entsprechende Vereinbarung zur Teilnahme am Rettungsdienst mit uns abschließen werden“, so Eschmann.
Das Krankenhaus in Wittstock soll, wie berichtet, Anfang 2027 wegen Vorgaben der Krankenhausreform schließen, obwohl es nach Angaben des Betreibers wirtschaftlich gut läuft. Nach bisherigen Plänen soll dann die Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen und Krankheiten des Magen-Darm-Trakts in die Klinik Pritzwalk (Prignitz) verlagert werden.
In Wittstock solle die Poliklinik die Haus- und Fachärzte sowie weitere Angebote unter einem Dach vereinen, heißt es aus dem brandenburgischen Gesundheitsministerium. Zudem bleibe die Rettungswache dort rund um die Uhr besetzt, und ab dem dritten Quartal 2026 solle die Anzahl der Rettungsmittel aufgestockt werden. Die chirurgische Praxis am bisherigen Krankenhausstandort werde weiter die Fachbereiche Orthopädie und Chirurgie sowie den sogenannten Durchgangsarzt (D-Arzt) abdecken.
Poliklinik-Förderrichtline
Brandenburg hat aus dem Sondervermögen des Zukunftspakets des Landes die neue „Poliklinik-Förderrichtline“ aufgelegt. Es sei eine „gezielte investive Grundlage für ambulant-stationäre Zentren“, so Gesundheitsministerin Britta Müller. Bis 2030 stehen demnach bis zu 40 Millionen Euro zur Verfügung. Allein im Jahr 2026 würden zwölf Millionen Euro bereitgestellt.
„Wir wollen alle Krankenhausstandorte als Orte der regionalen Gesundheitsversorgung weiterentwickeln“, erklärt Müller. Gefördert würden insbesondere die Einrichtung und Weiterentwicklung von Polikliniken, Medizinischen Versorgungszentren oder vergleichbaren ambulanten Einrichtungen, die Umnutzung und bauliche Anpassung bestehender Gebäude sowie der Aufbau integrierter regionaler Versorgungsketten von Prävention über ambulante Behandlung bis hin zu Pflege und Rehabilitation.
Es handele sich ausdrücklich um Sachinvestitionen mit einem Mindestvolumen von einer Million Euro, so das Ministerium. Laufende Betriebs- und Personalkosten seien ausgeschlossen. Die Förderung erfolge als nicht rückzahlbarer Zuschuss im Rahmen der Projektförderung.
Gerade in den ostdeutschen Bundesländern sei der Begriff Poliklinik positiv besetzt, so Müller. Viele Menschen verbänden damit Übersichtlichkeit und Verlässlichkeit. Der Begriff Poliklinik stammt aus DDR-Zeiten und bezeichnet ein medizinisches Versorgungszentrum, das ambulante und stationäre Gesundheitsleistungen kombiniert.
Laut Gesundheitsministerin Britta Müller (parteilos) sei die Poliklinik ein entscheidender Schritt zu einer zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung, die als Zukunftsmodell für ländliche Regionen dienen könne. Bewerbungen für die offenen Arztsitze an der Poliklinik können nun eingereicht werden.
Zur Finanzierung beabsichtige das Land Brandenburg, der Stadt eine Finanzierungszusage für den Bau der neuen Poliklinik zu geben, vorbehaltlich der Beschlussfassung des Landeshaushalts. Nach den Plänen der Stadt, die auch der Bauherr sein werde, soll die Klinik im sogenannten „Produktionsgebäude 1905“ der ehemaligen Tuchfabrik entstehen. Dafür stehen laut Ministerium voraussichtlich rund zwölf Millionen Euro aus der neuen „Poliklinik-Förderrichtlinie“ des Gesundheitsministeriums (siehe Kasten) zur Verfügung sowie weitere rund zwölf Millionen Euro der Städtebauförderung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung. Mit dem Eigenanteil der Stadt stünden insgesamt rund 27 Millionen Euro für den Bau bereit.






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