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StudieWie sich der Finanzdruck auf die Labore auswirkt

Das Starlab‑Barometer 2026 zeigt die etwas gedrückte Stimmung in den europäischen Laboren. Die Branche gerät zunehmend unter Druck: Der Innovationswille ist hoch, doch strukturelle Hürden blockieren den Fortschritt.

Eine Frau arbeitet in einem Labor
luckybusiness/stock.adobe.com
Symbolfoto

Europas Labore wollen verändern, modernisieren, nachhaltiger arbeiten – doch vielerorts fehlen ihnen dafür die nötigen Mittel und Strukturen. Das zeigt das aktuelle Starlab Stimmungsbarometer 2026, für das mehr als 360 Labormitarbeitende aus sechs europäischen Ländern befragt wurden. Unter dem Titel „Ready to unlock: Was Europas Labore lähmt, welche Hebel Wirkung entfalten“ zeichnet die Studie ein Bild einer Branche, die bereit wäre für Innovationen, aber zunehmend ausgebremst wird.

Zum ersten Mal seit Beginn der Starlab-Erhebungen steht das fehlende Budget an der Spitze der Herausforderungen. 44 Prozent der Befragten nennen mangelnde Finanzierung als ihr größtes Problem – im Vorjahr lagen noch steigende Preise für Verbrauchsmaterial im Fokus. Für Benedikt Geldmacher‑Voss, Chef der Starlab-Unternehmensgruppe, ist das ein Warnsignal: „Wenn die Finanzierung zur Nummer-eins-Sorge wird, gerät die gesamte Zukunftsfähigkeit der Branche unter Druck.“

Wenn die Finanzierung zur Nummer-eins-Sorge wird, gerät die gesamte Zukunftsfähigkeit der Branche unter Druck.

Sparen am Fundament der Zukunft

Sparmaßnahmen sind in vielen Laboren Realität: 57 Prozent haben laut Befragung entsprechende Programme gestartet. Alarmierend sei jedoch, wo gespart wird 74 Prozent kürzen bei Geräten und Infrastruktur, 54 Prozent stoppen Neueinstellungen und 22 Prozent reduzieren Weiterbildungen und Konferenzteilnahmen.

Damit treffe der Rotstift genau jene Bereiche, die für moderne, resiliente Labore entscheidend seien, so Geldmacher‑Voss: „Wer bei Zukunftsinvestitionen spart, spart an seinem eigenen Fundament.“

Die Folgen zeigen sich klar in der Stimmung: Die Arbeitszufriedenheit sank nach Angaben der Studie von 76 Prozent (2025) auf 63 Prozent. Zudem berichtet jede dritte befragte Person von einem hohen oder sehr hohen Stressniveau.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen zeigt sich die Branche in zentralen Zukunftsfeldern erstaunlich offen, allen voran in der Nachhaltigkeit: 78 Prozent haben laut Starlab Recycling‑Programme implementiert, 67 Prozent nutzen Sammelbestellungen zur Ressourcenschonung, 58 Prozent arbeiten mit Mehrwegsystemen und 64 Prozent würden recycelte Materialien nutzen, sofern die Qualität stimmt.

Bemerkenswert: Der frühere Vorbehalt gegenüber nachhaltigen Produkten ist nahezu verschwunden. Umweltmotivation (42 Prozent) und Kosteneffizienz (36 Prozent) dominieren als Treiber.

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Fortschritte bei KI – Angst vor Jobverlust gering

Auch Digitalisierung und KI sind laut Starlab im Laboralltag angekommen: 46 Prozent nutzen KI bereits gelegentlich, 13 Prozent setzen KI regelmäßig ein. Lediglich 15 Prozent haben Angst vor Jobverlust.

Damit begegnet die Branche technologischen Veränderungen pragmatisch. Bei den Zukunftskompetenzen steht interdisziplinäres Denken mit 61 Prozent an der Spitze – vor digitalen Skills (54 Prozent). Ein überraschender Befund: 64 Prozent bewerten Soft Skills als gleichwertig oder wichtiger als Fachwissen, in Deutschland sogar 74 Prozent.

Für Lennart Walter, Produktmanager bei Starlab, zeigt das Barometer klar: Die Branche verfügt über Innovationswillen, Kompetenz und Werkzeuge – doch strukturelle Rahmenbedingungen verhindern vielerorts den Durchbruch.

„Das Potenzial ist vorhanden – es muss nur freigesetzt werden. Ready to unlock bedeutet: Die Schlüssel liegen auf dem Tisch“, so Walter. Nachhaltige Prozesse, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Innovationsbereitschaft seien längst keine Zukunftsvision mehr. Geldmacher‑Voss ergänzt: „Die Stimmungslage in Europas Laboren mag bewölkt sein und manchmal braucht es Regen, damit etwas wächst. Nachhaltigkeit, Kooperation und Innovationsbereitschaft sind jedoch bereits gesät.“

Über die Studie

Für das Stimmungsbarometer 2026 befragte Starlab im Januar 2026 insgesamt 368 Labormitarbeitende aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Österreich. 58 Prozent der Teilnehmenden arbeiten als Labormanager oder Labortechniker, weitere Zielgruppen reichen von Studierenden über Forscherinnen und Forscher bis hin zu Professoren und Labordirektoren. Die Studie erschien 2026 zum sechsten Mal.

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