
Die erste Kollegin ist bereits im Einsatz. Statt in Hamburg arbeitet sie für Asklepios derzeit auf Sylt, in der Nordseeklinik, die der Konzern dort mit Akut- und Reha-Bereich betreibt. Wenn der Plan der Verantwortlichen aufgeht, werden ihr schnell weitere folgen: Mit dem gerade gestarteten Pilotprojekt „SAT Travel Nurse Sylt“ will Asklepios den saisonbedingten Zusatzbedarf an Pflegekräften auf der Insel ausgleichen.
Für CEO Joachim Gemmel schafft das zunächst bis Dezember angesetzte Modell „eine echte Win-Win-Situation“. Während die Nordseeklinik in den arbeitsintensivsten Monaten des Jahres berufserfahrene Unterstützung bekomme, könnten die Hamburger Pflegekräfte nicht nur neue Erfahrungen sammeln, sondern „nach Feierabend dort entspannen, wo andere Urlaub machen“, so Gemmel. Der angestrebte „Inseleinsatz“ einiger Beschäftigter wird möglich, weil die Zahl elektiver Eingriffe in den sieben Hamburger Asklepios-Einrichtungen während der Sommerferien deutlich zurückgeht. Der Austausch soll für Zeiträume von vier Wochen bis zu sechs Monaten möglich sein.
Eine echte Win-Win-Situation.
Das Angebot richtet sich Asklepios zufolge an examinierte Pflegefachkräfte, Pain Nurses, Operationstechnische Assistenten (OTA) sowie Medizinische Fachangestellte (MFA) für die Notaufnahme mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung. Zu den Arbeitsbereichen auf Sylt zählen demnach die Bereiche Zentrale Notaufnahme, Interdisziplinäre Akutstation/Privatklinik, Intensivstation, OP und Rehabilitation.
Während des Einsatzes laufe der Heimatarbeitsvertrag in Hamburg normal weiter, betonen die Verantwortlichen. Zudem wirbt der Konzern mit einem „Rundum-Sorglos-Paket“ um inselaffine Mitarbeitende: So werden etwa die Kosten für die Bahnanreise (2. Klasse) übernommen, und Asklepios stellt kostenfrei eine Wohnung oder ein Einzelzimmer auf Sylt zur Verfügung. Darüber hinaus werden neben dem regulären Gehalt eine monatliche SAT-Travel-Zulage von 350 Euro sowie eine Funktionszulage von 80 Euro gezahlt.
Gemmel sieht in dem Projekt auch ein wichtiges Signal für die Branche: „Wir können den massiven Fachkräftemangel im Gesundheitssystem nicht mehr mit den Rezepten von gestern lösen“, mahnt der CEO. Pflege müsse neu und konsequent aus Sicht der Mitarbeitenden gedacht werden. Stefanie Wied, die bei Asklepios den Konzernbereich Pflege leitet, erhofft sich durch das Projekt auch eine stärkere Mitarbeitendenbindung: „Es bringt frischen Wind in die Teams und beweist, dass der Pflegeberuf hochattraktiv und extrem flexibel sein kann.“
Das Programm ist ein Teilprojekt der Asklepios-Initiative „Pflege weitergedacht“. Das Kürzel SAT steht für „Selbstbestimmtes Arbeiten im Team“, ein Konzept, mit dem Asklepios Pflegekräften mehr Eigenverantwortung und Flexibilität bei der Dienstplangestaltung gibt. In Hamburg beispielsweise stehen den Beschäftigten dafür spezielle Apps zur Verfügung.
Dort werden mittlerweile auch schon diverse Bewerbungen für das neue Programm registriert, heißt es auf Nachfrage von kma. Für die Auswahl wurden in Hamburg und auf Sylt Koordinatoren bestimmt, die für den „zunächst kleinen Start“ schauen, ob die Berufserfahrung der Interessierten den Anforderungen entspricht, und alles weitere organisieren. Später werde auszuwerten sein, ob die zeitlich begrenzten Einsätze ohne Reibungsverluste in den örtlichen Teams funktionieren und wie die finanzielle Bilanz ausfalle. Laufe der Pilotversuch gut, sei es durchaus denkbar, die Idee konzernweit im gesamten Bundesgebiet zu skalieren.







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