
Nachdem das Unternehmen seit 2013 im roten Bereich wirtschaftete, konnte die Mednation AG für das Geschäftsjahr 2024 wie schon für 2023 schwarze Zahlen ausweisen: Der Umsatz des Klinikunternehmens, das früher unter dem Namen Eifelhöhen-Klinik firmierte, stieg 2024 gegenüber dem Vorjahr um 8,2 Prozent auf 48,7 Millionen Euro.
Zwar verringerte sich der Ertrag auf allen Ebenen der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), denn EBITDA, EBIT und EBT schrumpften auf 2,5, 1,2 und 0,5 Millionen Euro. Dieses Minus basierte allerdings auf um 27,5 Prozent auf 0,6 Millionen Euro reduzierten aperiodischen Erträgen und um 60,1 Prozent auf 1,4 Millionen Euro erhöhten Instandsetzungsaufwendungen sowie um 88,3 Prozent auf 0,8 Millionen Euro erhöhten Rechts- und Beratungskosten. Während das Ergebnis je Aktie von 0,16 auf 0,11 Euro zurückging, explodierte der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit gegenüber 2023 um 133 Prozent auf 2,3 Millionen Euro.
Überschrift
Mit diesem Beitrag beenden wir die Serie Kassensturz. Aktuelle Nachrichten zu Wirtschaftszahlen aus den Kliniken und Krankenhausunternehmen finden Sie in gewohnter Weise in unserer Rubrik Wirtschaft.
Vermögen halbiert
2024 wurden die Bilanzierungsregeln wieder von International Financial Reporting Standards (IFRS) auf Handelsgesetzbuch (HGB) umgestellt, die GuV und die Bilanz an das HGB angepasst. Der Wechsel auf den HGB-Standard hatte unter anderem zur Folge, dass sich das Bilanzvolumen deutlich verkürzte: Nutzungsrechte gepachteter Einrichtungen müssen nicht mehr bilanziert werden. Und die Struktur in der GuV veränderte sich: Abschreibungs- und Finanzierungsaufwendungen der Nutzungsrechte wurden wieder zu Pachtaufwendungen.
Da mit der Umstellung die Mietverträge nicht mehr als Nutzungsrechte die Bilanz erhöhten, reduzierte sich das Vermögen von 72,2 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2023 auf 36,2 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024. Diese Bilanzverkürzung hatte zur Folge, dass sich beispielsweise die Eigenkapitalquote von 17 auf 35 Prozent verdoppelte und die Finanzschulden sich von 70 auf 34 Prozent reduzierten.
Vertrauen der Aktionäre gewinnen
Mednation ist an Börse Düsseldorf notiert und hat in den vergangenen Jahren die eigenen Planungsziele wiederholt nicht erreicht. Damit steht das Unternehmen nun vor der Aufgabe, die Aktionäre bei der Stange zu halten und auf möglicherweise schwindendes Vertrauen der Aktionäre in die Aktie zu reagieren. Wichtige Schritte auf diesem Weg sind, im Geschäftsjahr 2025 das Umsatzziel von zwischen 50 und 55 Millionen Euro und das EBITDA-Ziel zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro zu erreichen.
Außerdem muss der Klinikträger für Wachstum sorgen, beispielsweise durch die Diversifikation in neue Geschäfte. Denn Kurspotenziale der Aktien sind vorhanden: Bei dem derzeitigen Kursniveau von 1,50 Euro je Aktie beträgt der Wert des Eigenkapitals mit 4,2 Millionen Euro nur einen Bruchteil des Buchwertes von 12,6 Millionen Euro. Das EBITDA wird mit dem nur 1,7-fachen bewertet und der operative Cashflow mit dem 1,8-fachen.
Mednation AG
Mednation besitzt im Wesentlichen drei stationäre Reha-Kliniken. In den letzten Jahren schrieb das Unternehmen, bedingt auch durch die Errichtung einer neuen Klinik in Mönchengladbach im operativen Geschäft mehr oder weniger hohe Verluste.
Die Aktie des Unternehmens ist seit 1. Januar 2025 nicht mehr im General Standard der Deutschen Börse Düsseldorf notiert. Der General Standard ist ein Segment der Deutschen Börse, das sich an Unternehmen richtet, die sich an die Mindestanforderungen der EU für den Börsenhandel halten und ist Teil des „Regulierten Marktes“, der unter die Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fällt. Zum Jahreswechsel hat die Mednation-Aktie dieses Segment verlassen und ist im Freiverkehr der Börse Düsseldorf handelbar. Dieser Schritt geschah auch aus finanziellen Gründen – die Börsennotierung kostete 2023 rund 365 Tausend Euro, was angesichts der Größe und Ertragskraft des Unternehmens unverhältnismäßig hoch ist.
Nach dem Delisting vom geregelten Markt, das auch ein Abfindungsangebot an die Aktionäre zur Folge hatte, hielt das Unternehmen zum Stichtag 31. Dezember 2024 zudem 9,99 Prozent aller ausgegebenen Aktien (331 999 Stück). Diese können entweder ergebnisneutral oder mit Gewinn über die Börse veräußert werden, oder auch bei Akquisitionen eingesetzt werden. Mit dem Wechsel des Börsensegments musste das Unternehmen seine Bilanzen nicht mehr nach den Normen des International Financial Reporting Standards (IFRS) aufstellen.
Asklepios: Deutliche Ertragsteigerung
Bereits im Geschäftsjahr 2024 hatte sich Asklepios mit einer Umsatz- und EAT-Steigerung von 9,4 beziehungsweise 3,2 Prozent auf 5963 bzw. 140 Millionen Euro sehr gut entwickelt.
An diese Erfolge schloss das Unternehmen im ersten Quartal 2025 an: Aufgrund einer Steigerung der Basisfallwerte und der Fallzahlen um 3,8 Prozent auf 954 Tausend – der Casemix erhöhte sich auf 157 Tausend –, kletterte der Umsatz gegenüber dem ersten Quartal 2024 um 10,2 Prozent auf 1558 Millionen Euro. Da dieses Plus vergleichbar beziehungsweise höher als der Anstieg der Aufwendungen war, stiegen die Ertragskennziffern proportional bzw. überdurchschnittlich: Das EBITDA erhöhte sich um 10 Prozent auf 122,1 Millionen Euro, das EBIT um 22,3 Prozent auf 47,2 Millionen Euro, das EBT um 27,2 Prozent auf 29,7 Millionen Euro, das EAT um 21,5 Prozent auf 22,5 Millionen und der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit nach Zinsaufwendungen um 31,3 Prozent auf 122,1 Millionen Euro.
Vor dem Hintergrund dieses starken Jahresbeginns ist nicht daran zu zweifeln, dass das für 2025 ausgegebene Umsatz- und Ergebnisziel von plus drei bis vier Prozent und eine „leichte, aber nachhaltige Steigerung des EAT“ erreicht wird.
Barmherzige Brüder München: Hohe Verluste auch 2023
Die Barmherzige Brüder gemeinnützige Träger GmbH mit Sitz in München erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2023 mit ihren Einrichtungen unter anderem in München, Regensburg, Straubing und Schwandorf rund 75 Prozent des Umsatzes im Bereich Krankenhäuser (2132 Planbetten, CM 86777, CMI 0,889) und 17 Prozent in der Behindertenhilfe. Das Unternehmen durchläuft derzeit eine herausfordernde Phase. Nachdem bereits 2022 mit 23,7 Millionen Euro ein deutlicher Verlust ausgewiesen wurde, verlief das Jahr 2023 noch defizitärer. Obwohl der Umsatz leicht um 2,5 Prozent gegenüber 2022 auf 801,9 Millionen Euro gesteigert werden konnten, erhöhte sich der Verlust auf allen Ebenen deutlich: Das Minus auf Basis EBITDA vor dem Ertrag aus der Auflösung des Sonderpostens stieg um 58,5 Prozent auf 16,3 Millionen Euro, das EBIT-Minus um 25,5 Prozent auf 27,6 Millionen Euro und der EAT-Verlust um 19,4 Prozent auf 28,2 Millionen Euro.
Da der positive Cashflow aus Finanzierungstätigkeit von 76 Millionen Euro nicht ausreichte, um den Mittelabfluss aus investiver bzw. operativer Tätigkeit von 58 bzw. 22 Millionen Euro auszugleichen, reduzierte sich der Finanzmittelbestand in der Bilanz leicht. Die Bilanzqualität ist dennoch sehr zufriedenstellend: 32 Prozent des bestehenden Vermögens in Höhe von 505 Millionen Euro sind eigenfinanziert, 24 Prozent sind Fördermittel, 8 Prozent kreditfinanziert.
Da das Unternehmen auch für das Geschäftsjahr 2024 mit hohen Verlusten von knapp 20 Millionen Euro rechnet, liegt die Hoffnung auf einer nachhaltigen Stabilisierung des Geschäfts durch den inzwischen abgeschlossenen Zusammenschluss mit dem Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg – das Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg, die Kinderklinik Dritter Orden Passau und das Barmherzige Brüder Krankenhaus München sind jetzt die gemeinnützige Ordenskliniken München-Passau GmbH.
Contilia: Seit Jahren zufriedenstellend
Die kirchliche, gemeinnützige Contilia GmbH betrieb 2023 im mittleren Ruhrgebiet 7 Krankenhäuser mit 2744 Betten (Umsatzanteil 80 Prozent) und 14 Senioren- und Pflegeheime. Deren Leistungsangebote werden durch ambulante Dienste, Ärztehäuser, Präventions-, Früherkennungs- und Rehabilitationsangebote ergänzt.
Das Unternehmen entwickelt sich seit Jahren zufriedenstellend. Es musste in den letzten 15 Jahren nur zweimal mit bilanziellen Verlusten abschließen. Zufriedenstellend verlief auch das Geschäftsjahr 2023: Da eine Leistungssteigerung und der um 4,4 Prozent gestiegene Landesbasisfallwert nicht den Verlust der Corona-Ausgleichszahlungen (2022 konnten 17,7 Millionen Euro vereinnahmt werden) kompensieren konnte, schrumpfte der Umsatz um 1,5 Prozent auf 545,1 Millionen Euro.
Weil die Aufwendungen und Ausgaben anstiegen, mussten auf allen Ebenen der GuV und auch auf Basis des Cashflows aus operativer Geschäftstätigkeit deutliche Abschläge hingenommen werden: Das EBITDA vor dem Ertrag aus der Auflösung des Sonderpostens reduzierte sich um 9,9 Prozent auf 20,5 Millionen Euro, das EBIT um 14,4 Prozent auf 9,2 Millionen Euro, das EAT um 27,1 Prozent auf 4,1 Millionen Euro und der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit sogar um 43,2 Prozent auf 13,5 Millionen Euro.
Ob das Ziel 2025 erreicht wird, bei einer nicht mit Zahlen unterlegten Umsatz- und Leistungssteigerung ein EAT zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro zu erzielen, bleibt abzuwarten. Denn 2023 konnten Energiekostenpauschalen von 15,9 Millionen Euro vereinnahmt werden, die 2024 nicht mehr zu erwarten sind.
Was EAT, EBT & Co. bedeuten
EAT steht für „Earnings After Taxes" und bezeichnet den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens nach Abzug von Steuern.
EBT steht für "Earnings Before Taxes" und beschreibt den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor Steuern.
EBIT steht für "Earnings Before Interest and Taxes" und zeigt den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor Abzug von Zinsen und Steuern.
EBITA steht für "Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization" und gibt den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor der Abschreibung auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte an.
EBITDAR steht für "Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, Amortization and Rent" und bezeichnet den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens vor der Berücksichtigung von Miete oder Leasingkosten.
Cashflow bezeichnet den Geldfluss, der durch die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens generiert wird und ist eine wichtige Kennzahl der finanziellen Leistungsfähigkeit.
Case Mix ist eine Methode zur Bestimmung von Fallpauschalen, welche die Behandlungskosten eines Patienten im Krankenhaus abdecken. Der Case Mix wird durch die Kombination von Diagnose- und Behandlungsparametern, wie Alter, Geschlecht, Verweildauer und Schweregrad der Erkrankung, berechnet.
Periodenfremde Erträge sind Erträge, die nicht dem Berichtszeitraum zuzuordnen sind.
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