
Die Verantwortlichen in Emmerich am Rhein meinen es ernst. Mit dem 1. April hat das dortige St. Willibrord-Spital seinen IT-Hauptbetrieb vollständig in die Cloud verlegt. Dabei setzt das kleine Krankenhaus auf die von Microsoft betriebene Cloud-Computing-Plattform Azure, wie es in einer Mitteilung schreibt. Iris Nötling lobt die Einführung als „wichtigen Meilenstein“: „Wir investieren damit gezielt in die Zukunftsfähigkeit unseres Hauses“, sagt die Geschäftsführerin des Spitals, das nach eigenen Angaben jährlich rund 10.000 Patienten stationär und rund 30.000 ambulant behandelt.
Die 271-Betten-Einrichtung in Nordrhein-Westfalen hatte im Mai 2024 ein Insolvenzverfahren eingeleitet und ist seit Mitte vergangenen Jahres rekommunalisiert. Der Kreis Kleve ist seitdem Mehrheitsgesellschafter, die übrigen 25,1 Prozent der Anteile hält die Accumeda Holding. Für das Management zeichnet seit November 2024 die BBB Consulting aus Essen verantwortlich, bei der Nötling Senior Consultant ist. Seitdem liege der Fokus in Emmerich klar auf Digitalisierung, Effizienz und Zukunftsfähigkeit, wird betont.
Sinkende IT-Kosten
Die neue IT-Struktur bringe diverse Vorteile mit sich. Prozesse könnten effizienter gesteuert, Ressourcen gezielter eingesetzt und Ausfallzeiten deutlich reduziert werden, heißt es in der Mitteilung. Die Skalierbarkeit der Cloud ermögliche es zudem, flexibel auf steigende Patientenzahlen und neue Anforderungen zu reagieren, ohne in zusätzliche Hardware investieren zu müssen. Für einen längeren Zeitraum würden die Kosten so deutlich gesenkt. Gleichzeitig profitiere das Haus von automatischen Updates und der zentralen Systempflege.
Aus Patientensicht stünden medizinische Daten künftig schneller und flexibler zur Verfügung, heißt es weiter. Dadurch könnten Diagnosen zügiger gestellt und Behandlungen besser koordiniert werden. Die verbesserte Datenverfügbarkeit unterstütze darüber hinaus eine engere Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und externen Partnern.
Auch für Dennis Figlus ist das St. Willibrord „ein Leuchtturmprojekt“. Der Hauptbetrieb in der Azure-Cloud sei zum 1. April aufgenommen worden, erklärt der Geschäftsführer der BBB Consulting, der wie Nötling auch als Geschäftsführer des Hospitals fungiert. In den nächsten Monaten folgen weitere digitale Anwendungen, so Figlus – etwa Patiententerminals in der Zentralambulanz und der Patientenaufnahme. Sie dienen der Terminbuchung, dem Self-Check-in und der Steuerung von Sprechstunden, so der Geschäftsführer: „Dadurch lassen sich Wartezeiten erheblich reduzieren und Abläufe deutlich komfortabler gestalten.“
Gemeinsam ist es uns gelungen, eine hochsichere Cloud-Infrastruktur aufzubauen.
Neben BBB Consulting sind an dem Gemeinschaftsprojekt zahlreiche Partner beteiligt: die Asklepios IT, das IT-Unternehmen Sycor, Hydra IT-Security, AirIT Systems und der KIS-Hersteller Dedalus. Für den Branchenprimus ist mit dem Spital in Emmerich innerhalb von vier Monaten der zweite Managed Cloud Services Kunde an den Start gegangen, wie Dedalus auf LinkedIn schreibt. Die Premiere feierte das Unternehmen im Januar mit dem Heilig-Geist-Hospital Bingen.
Die entsprechenden Services basieren auf Amazon Web Services (AWS) und „und sind nahtlos in die kundenseitige Cloud‑Umgebung integriert“, so Dedalus. Das St. Willibrord-Hospital nutze die Lösungen Orbis, HydMedia, Deep Unity, IxServ sowie Flycicle Vision (Dosing) in einer vollständig cloudbasierten Implementierung.
Den blueprintbasierten Orbis-Rollout in der Klinik verantwortete die Asklepios IT. Mit dem Spital sei innerhalb kurzer Zeit ein weiterer bestehender Kunde in den Echtbetrieb begleitet worden, erklärt Philipp Apel, der Geschäftsführer der Asklepios Service IT. Gemeinsam sei es gelungen, „eine hochsichere Cloud-Infrastruktur aufzubauen, die den Klinikbetrieb stabil unterstützt und zugleich Raum für weitere Innovationen schafft“.












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